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Christine Ursula Streichert-Clivot

11.09.2024 Sitzungen 17/29

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Saarländerinnen und Saarländer! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Und vor allem liebe Gäste! Ich freue mich sehr, heute Vertreter*innen meines Hauses begrüßen zu dürfen, die maßgeblich an diesem Gesetzentwurf mitgewirkt haben. Ich glaube, es ist ein schöner Abschluss zu sehen, wie die Debatte in diesem Hohen Hause zu diesem Thema geführt wird. Ich will mich zunächst für die positive Konnotation und vor allem für die positive Wertung dessen, was das Gesetz zum Ziel hat, bedanken. Ich glaube, wir gehen hier heute einen entscheidenden Schritt für die Zukunft der Bildung und für die Fachkräftesicherung im Saarland. Sie wissen, dass wir in Zeiten des Wandels leben, politisch, gesellschaftlich und auch technologisch. Unsere Welt verändert sich rapide. Nicht zuletzt spüren das Lehrerinnen und Lehrer, spüren es Schülerinnen und Schüler. Für uns als SPD-geführte Landesregierung hat Bildung höchste Priorität. Das wird von Dritten so bestätigt. Ich glaube, es lohnt, einen Blick auf diese Rückmeldungen zu werfen. Wir liegen auf Platz 5 im bundesweiten Vergleich bezüglich der Zufriedenheit in unseren Schulen - so das ifo Bildungsbarometer. Es ist eine Meinungsumfrage, in der es darum geht, die Arbeit der Schulen zu bewerten. Das Institut für Neue Soziale Marktwirtschaft ist sicherlich kein Institut, das sehr stark in die sozialdemokratische Richtung geht, aber mit dem Bildungsmonitor können sie schon seit vielen Jahren Vergleiche machen. Sie haben für die letzten zehn Jahre ein Dynamik-Ranking erstellt, in dem das Saarland auf Platz 1 liegt, im Übrigen vor dem gerne zitierten und befreundeten Bundesland Hamburg, das mit Sicherheit sehr viele Entwicklungen anstößt, auf die wir schauen können. Platz 1 im Dynamik-Ranking bedeutet für uns, dass wir eine enorme Entwicklung in den letzten zehn Jahren hingelegt haben. Ich zitiere an dieser Stelle, um die Brücke zu der Diskussion von heute Morgen zu schlagen: Das Saarland weist Bildung im öffentlichen Ausgabeverhalten im Vergleich der Bundesländer die höchste Priorität zu. - Ich ergänze an der Stelle: Im Grundschulbereich liegen wir mit 9.100 Euro bei den Ausgaben 1,4-mal so hoch wie die gesamtstaatlichen Ausgaben. - Mit Blick auf unsere Schulen setzen wir klare Prioritäten bei den Kleinsten und bei den Jüngsten, sowohl im Kitabereich als auch im Grundschulbereich. Ich glaube, das kann sich sehen lassen, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall von der SPD.) Wenn wir uns die Zahlen des Bildungsbarometers angucken, ist es eine Bewertung des Engagements der Kolleginnen und Kollegen an unseren Schulen. Es geht um die Zufriedenheit mit der Arbeit der Schulen. Diese wird von den Saarländerinnen und Saarländern wertgeschätzt und das ist eine unheimlich schöne Feststellung. Auch die kontinuierliche Erhöhung des Bildungsetats mit der Unterstützung dieses Hohen Hauses, dem kontinuierlichen Aufbau von Stellen im Lehrerbereich - fraktionsübergreifend vorangetragen - zeigt, dass wir mit den verschiedensten Entwicklungen, was die Bedarfe unserer Schulen angeht, auf einem guten Weg sind. Aber wir wollen hier nicht innehalten. Bildung ist der Schlüssel zur Bewältigung vieler Herausforderungen, die durch die Transformation unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems entstehen. Dass wir das gemeinsam und mutig gestalten wollen, gehört für mich dazu. Es ist nicht nur eine Frage technischer Anpassungen oder administrativer Weichenstellungen, es ist auch und vor allem eine Frage der Haltung. Wie können wir dafür sorgen, dass unsere Schulen Orte der Zukunft werden, die junge Menschen nicht nur auf die Welt von morgen vorbereiten, sondern sie ermutigen, diese Welt selbstbewusst, kreativ und frei mitzugestalten? Ein wesentlicher Baustein, um dies zu ermöglichen, ist die Fachkräftesicherung im Bildungsbereich. Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Starke Kinder und Jugendliche brauchen starke Lehrerinnen und Lehrer. Wir brauchen gut ausgebildete, motivierte, kreative und vor allem innovative Lehrerinnen und Lehrer. Wir brauchen Menschen, die im Team an Lösungen in ihrer Schule arbeiten. Wir brauchen Lehrkräfte mit verschiedenen beruflichen Hintergründen und unterschiedlichen Lebenserfahrungen. Das gilt auch für die Lehrerinnen und Lehrer, die ihre Lehramtsbefähigung im Ausland erworben haben. Heute greifen wir auf diese Ressource zurück und binden sie in der Sprachförderung ein. Das sind Menschen aus dem Ausland, die teilweise eine Fluchtbiografie haben und die unseren Schülerinnen und Schülern Deutsch beibringen. Es steht außer Frage, dass wir diese Lehrerinnen und Lehrer mit ihren Lehramtsbefähigungen genauso behandeln wie unsere europäischen Lehrerinnen und Lehrer. Die Vielfalt unserer Lehrkräfte ist eine Antwort auf die Vielfalt unserer Schülerinnen und Schüler. Da können und werden wir in Zukunft noch besser werden. Mit dem heute in Zweiter Lesung zur Verabschiedung stehenden Gesetz ermöglichen wir nicht nur neue Wege in den Lehrberuf, sondern setzen auch ein klares Zeichen. Wir öffnen das System für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, die mit ihren unterschiedlichen Qualifikationen und Erfahrungen eine echte Bereicherung für unsere Schulen darstellen. Wir tun das mit hoher Qualität. Das ist für uns ein wichtiger Schritt, um der aktuellen Mangelsituation, die nicht nur im Saarland besteht, sondern bundesweit die Schulen erreicht, in bestimmten Fächern entgegenzuwirken - sei es der MINT-Bereich, seien es die künstlerischen Fächer oder sei es die heute schon angesprochene Sonderpädagogik. Dabei ist uns besonders wichtig, dass die neuen Wege nicht als Ersatz für den klassischen Lehramtsstudiengang gesehen werden, sondern als eine Ergänzung. Die Masse der Lehrerinnen und Lehrer, da darf ich Sie alle beruhigen, wird immer noch über das klassische Lehramtsstudium zu uns gelangen. Das ist gut und richtig so! Wir schaffen aber zusätzliche Möglichkeiten für all diejenigen, die sich während ihres Studiums oder nach Abschluss ihres Studiums entscheiden, den Weg in die Schule zu gehen. Ich kann Ihnen sagen: Seit wir das miteinander diskutieren, sind die Anfragen derer, die in der Schule arbeiten wollen, bei mir zahlreicher geworden. Viele haben mich angesprochen - auch einige, die wir mit dem Gesetz leider noch nicht erreichen können, weil wir Vorgaben machen, die mit einer hohen Qualifikation und einer hohen Zugangshürde zum Studium verbunden sind. Das zeigt aber, dass wir einen Nerv der Zeit treffen und dass es in unserem Umfeld Menschen gibt, die in der Schule arbeiten wollen. Das Besondere an unserem Vorhaben ist, dass wir nicht nur diese zusätzliche Möglichkeit geben, sondern dass wir zusätzlich eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis haben. Die Kolleginnen und Kollegen haben bereits kurz erläutert, was wir an der Universität vorhaben. Mit der heutigen Verabschiedung des Gesetzes werden weitere Meilensteine in unserer Fachkräftestrategie umgesetzt. Gemeinsam mit der Universität des Saarlandes haben wir schon im Juli angekündigt, dass bereits zu Beginn des Wintersemesters der erste Q-Master im Saarland an der Universität eingerichtet wird. Es wird ein lehramtsbezogener Doppelfach-Masterstudiengang für die Fächer Physik und Informatik sein. Wir haben den Bedarf im Fach Informatik mit selbst ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern decken können, aber wir brauchen auch in der Zukunft Expertinnen und Experten in diesem Bereich. Ich bin sehr froh, dass unter der Voraussetzung eines Masters oder eines einem Master gleichgestellten Hochschulabschlusses in diesem Bereich gearbeitet werden kann. Zum 1. Februar 2025 können Quereinsteiger für die Arbeit an Gemeinschaftsschulen und Gymnasien in den Fächern Informatik, Physik, Bildende Kunst und Musik in den Vorbereitungsdienst einsteigen. Ab und an schwingt mit, dass diese Leute eine schlechtere Qualität mitbringen. Diese Menschen werden in unseren Studienseminaren auf die Arbeit in der Schule vorbereitet. Ich glaube, niemand in diesem Hohen Hause würde behaupten, dass die Studienseminare eine schlechte Arbeit machen. Ganz im Gegenteil: Dort ist viel Expertise und viel Erfahrung vorhanden. Dort kommen Menschen als Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger an, die einen Hochschulabschluss besitzen, im besten Falle von den Universitäten und Fachhochschulen hier im Land. (Beifall von der SPD.) Ich kenne die Diskussion und das Thema, dass wir eine eigene Ausbildung im Bereich der Sonderpädagogik an der Universität des Saarlandes aufbauen müssen. Das ist ein längerer Weg, kann ich Ihnen sagen. So lange können wir leider im Moment nicht warten. Deswegen bin ich froh, dass wir mit dem Gesetz schon zum 1. Februar 2025 Quereinsteiger für das Lehramt der Sonderpädagogik gewinnen. Damit werden wir auch Menschen erreichen, die bereits heute an unseren Förderschulen arbeiten. Voraussetzung dafür ist ein Hochschulabschluss im Bereich der Allgemeinen Sonderpädagogik, der Sprachtherapie, der Rehapädagogik, der Psychologie, der Heilpädagogik, der Inklusionspädagogik, der Sozialen Arbeit oder der Pädagogik der Kindheit. Aus all diesen Abschlüssen kann man wählen und sich auf den Weg in das Lehramt der Sonderpädagogik begeben. Das Studienseminar, das diese Arbeit macht, haben wir im Übrigen vor nicht allzu langer Zeit selbst eingerichtet. Denn wir haben gesagt: „Wir brauchen diese Arbeit und wir brauchen vor allem die Expertise.“ Das Studienseminar, das Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger vorbereitet, ist durch eine enge Verzahnung mit den Kolleginnen und Kollegen der anderen Studienseminare und des Landesseminars auch unser Motor, wenn es um inklusionspädagogische Angebote in allen Lehrämtern geht. Ich glaube also, man kann hier von sehr hoher Qualität und vor allem von einem verantwortungsbewussten Umgang mit diesem Thema sprechen. Dafür meinen herzlichen Dank an all diejenigen, die in der Ausbildung in den Lehrämtern, an den Hochschulen und in den Seminaren aktiv und unterwegs sind! (Beifall von der SPD.) Lassen Sie uns gemeinsam die Menschen finden, die mit ihrer Begeisterung in ihrem bisherigen Studium oder Beruf auch die Herzen der Schülerinnen und Schüler erreichen können! Ich glaube, gerade bei Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern ist dies der Fall. Wenn es um die Begeisterung geht, möchte ich ganz zum Schluss meinen herzlichen Dank den vielen engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in meinem Haus aussprechen, die das Ganze juristisch geprüft haben, die mit ihrer Expertise und ihrem Einsatz in der Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftsministerium im Hintergrund vieles auf den Weg gebracht haben und das immer noch tun. Ich danke den Kolleginnen und Kollegen des Bildungscampus, die in der Ausbildung, Fort- und Weiterbildung nicht nur die Quereinsteiger in der Zukunft voranbringen, sondern auch die Kolleginnen und Kollegen eng begleiten, die sich im Beruf weiterentwickeln wollen. Ich danke den Hochschulen des Landes, der htw, der Universität und den künstlerischen Hochschulen, mit denen ein guter Diskurs darüber zu führen ist, wie wir Fachkräfte für unsere Schulen finden und Lehrerinnen und Lehrer gewinnen können. Wir müssen zusammen herausfinden, was in den eigenen Hochschulsystemen notwendig ist, um Wege zu öffnen. Ihnen allen gilt mein höchster Respekt für die Arbeit, die hinter den Kulissen stattfindet, damit all das, was der Landtag beschließt, schnell in die Umsetzung gehen kann. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich danke Ihnen für den konstruktiven Diskurs zu diesem Gesetz. Lassen Sie uns gemeinsam den Mut aufbringen, Bildung in Zeiten des Wandels aktiv zu gestalten! Wir tun das für die Zukunft der Kinder und Jugendlichen im Land und die Zukunft unseres Landes. - Herzlichen Dank und Glück auf! (Beifall von der SPD.)

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