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Julia Harenz

SPD 11.09.2024 Sitzungen 17/29

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Heute spielt Bildung mehr denn je eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen. Gleichzeitig sehen wir uns mit einem zunehmenden Fachkräftemangel konfrontiert, der auch im Bildungssektor spürbar ist. Wir brauchen qualifizierte Lehrkräfte, die unseren Kindern und Jugendlichen sowohl Fachwissen als auch demokratische Werte vermitteln. Mit der Erweiterung des Quereinstiegs gewinnen wir noch mehr qualifizierte Lehrkräfte, die wir dringend brauchen. Diese Erweiterung ist nötig, um das System Schule auch in Zukunft am Laufen zu halten und um unsere Lehrkräfte, die bereits jetzt in den Schulen sind, zu entlasten. - Vielen Dank für Ihre Arbeit. (Beifall von der SPD.) Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz bezeichnet die derzeitige Situation auf dem Lehrkräftemarkt als historische Herausforderung. Machen wir uns nichts vor, diese Herausforderung ist mit den grundständig ausgebildeten Lehrkräften nicht zu bewältigen. Mit diesem Gesetz erweitert das Bildungsministerium die Zugangsmöglichkeiten zum Lehrerberuf und bildet heute schon die Fachkräfte von morgen aus. Ein Ziel dieses Gesetzentwurfs ist es, fachlich hoch qualifizierte Akademiker und Akademikerinnen didaktisch und methodisch so weiterzubilden, dass sie ihr Wissen auch adressatengerecht an die Schülerinnen und Schüler vermitteln können. Im Q-Master belegen die Quereinstiegsanwärter und -anwärterinnen dieselben bildungswissenschaftlichen Veranstaltungen wie die klassischen Lehramtsstudierenden. Damit sichern wir die Qualität, auf die die CDU-Fraktion eben eingegangen ist. Es ist nun einmal wichtig, dass die neuen Quereinstiegsanwärter*innen nicht nur ihr Fachwissen haben, sondern das Ganze auch vermitteln können. Deshalb müssen sie, was das angeht, genau das Gleiche machen wie auch die grundständig ausgebildeten Lehrkräfte. Mit dem Quereinstieg bringen Fachkräfte aus verschiedenen Berufsfeldern wertvolle Erfahrungen und Kenntnisse in unsere Klassenzimmer. Sie bereichern das Lehrerkollegium und fördern somit auch die bestmögliche Unterstützung der Schülerinnen und Schüler. Sie bringen praktische Erfahrungen mit, die sie dann direkt an die Schülerinnen und Schüler weitergeben. Sie bereichern den Unterricht mit realen Einblicken aus ihren Fachgebieten und schlagen eine Brücke zwischen Theorie und Praxis. Sie sehen also, vom Quereinstieg profitieren alle, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall von der SPD.) Die Anhörung hat gezeigt, dass wir mit diesem Entwurf auf dem richtigen Weg sind. Vielen Dank an dieser Stelle auch an alle, die anwesend waren oder sich durch ihre Stellungnahme am Prozess beteiligt haben. Die Mitarbeitenden des Bildungsministeriums haben viel Arbeit und Mühe in den Entwurf gesteckt, um den Quereinstieg sinnvoll und qualitativ hochwertig zu gestalten. Vielen Dank daher auch an dich, liebe Christine, und an dein Team. (Beifall von der SPD.) Dr. Marcus Hahn vom Saarländischen Philologenverband hat in der Anhörung betont, dass sich das Saarland mit diesem Entwurf zum Quereinstieg positiv von anderen Bundesländern abhebt. Die meisten Verbände und Organisationen begrüßen das Vorhaben. Die Arbeitskammer zum Beispiel sieht die Maßnahmen des Gesetzesentwurfs als effektive Antwort auf den Lehrkräftemangel. Vor allem die erweiterten Möglichkeiten für die Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, die sich nicht für den traditionellen Weg des Lehramtsstudiums entschieden haben, sieht die Arbeitskammer positiv. Die Doppelfachregelung oder der Quereinstieg nach einem nicht-lehramtsbezogenen Bachelorstudiengang können laut Arbeitskammer die Attraktivität des Lehrerberufs steigern. Meine Damen und Herren, genau das wollen wir doch erreichen: mehr gut ausgebildete, qualifizierte Lehrkräfte in unserem System. Warum sollte sich jemand, der Kunstgeschichte studiert hat, nicht noch umentscheiden können und nach dem Bachelor in den Lehramtsstudiengang einsteigen? Er erhält dort alle notwendigen bildungswissenschaftlichen Kompetenzen, die er für das Unterrichten braucht, und kann sein Fachwissen gezielt im Unterricht einbringen. Die Option des Quereinstiegs ist ein wichtiger Baustein, der hilft, die Lücke im Lehrkräftemarkt zu verringern oder sogar zu schließen. Das ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Gewinnung neuer Lehrkräfte. (Beifall von der SPD.) Neben der Idee des Q-Masters wird auch die Vereinfachung der Anerkennung ausländischer Abschlüsse positiv erwähnt, zum Beispiel von der GEW. In der Anhörung forderte die GEW, dass die Verfahren nicht nur vereinfacht, sondern auch beschleunigt werden müssen. Der Stellvertretende Landesvorsitzende des SLLV begrüßte ebenfalls die Maßnahmen, betonte aber auch, dass es neben dem Quereinstieg weitere Strategien gegen den Fachkräftemangel brauche. Das, meine Damen und Herren, sehen wir genauso. Deshalb will ich betonen, dass die Erweiterung des Seiten- und Quereinstiegs nur ein Teil des Fünf-Punkte-Plans der Landesregierung für die Lehrkräftegewinnung ist. Auch ich bin für weitere Maßnahmen, denke aber, dass (Abg. Harenz (SPD)) man dieses Paket an Möglichkeiten erst mal als einen wichtigen Schritt für die Gewinnung neuer Lehrkräfte anerkennen darf. Zu diesem Paket gehört die Groß- beziehungsweise Doppelfachregelung. Diese wurde in der Anhörung teilweise kritisiert. Mit der Groß- beziehungsweise Doppelfachregelung besteht die Möglichkeit, durch zwei Schwerpunkte in einem Fach kein weiteres lehramtsbezogenes Fach mehr studieren zu müssen. So sind dann Fächerkombination wie Französisch/Französisch möglich, wobei der zweite Schwerpunkt ein sprachsensibler Unterricht in Französisch sein könnte. Wir können nämlich nicht erwarten, dass die Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger Bildungswissenschaften und ein zweites Fach im gleichen Umfang studieren wie diejenigen, die ein grundständiges Studium absolvieren, nur eben in viel kürzerer Zeit. Das funktioniert nicht. Manche Fächer bieten schulfachtechnisch gesehen mehr Synergieeffekte als andere. Wir benötigen in der Schule aber alle Fächer, und deshalb ist es auch gut, dass mit der Groß- und Doppelfachregelung für diejenigen, für die kein zweites Bedarfsfach in Frage kommt, eine Lösung geschaffen wird. Besonders die Option der Doppelfächer in Bildender Kunst als Mangelfach hat für den Fachverband für Kunstpädagogik Vorteile. Letzte Woche noch konnte man in der SZ lesen, dass sich einige darüber sorgen, dass der Musikunterricht aus den Schulen verschwinden könnte. Genau da setzen wir an. Mit diesem Entwurf stellen wir sicher, dass es weiterhin einen hochwertigen Musikunterricht an unseren Schulen geben wird und dass ausreichend Fachkräfte, die die musische Bildung an unsere Kinder vermitteln, vorhanden sind. Wer sich für den Quereinstieg Musik im Lehramtsstudiengang entscheidet, kann ebenso von dieser Doppelfachregelung profitieren. Die GEW hat gefordert, die Maßnahmen fortlaufend zu evaluieren. Das tut die Universität. Damit die Qualität des Q-Masters sichergestellt wird, begleitet die Universität das Vorhaben wissenschaftlich. Wir werden anhand empirischer Daten überprüfen können, ob der Q-Master qualitativ gut ausgebildete Fachkräfte hervorbringt oder ob nachgesteuert werden muss. Selbstverständlich ist weiterhin das Hauptziel, genügend junge Leute für eine grundständige Lehramtsausbildung zu begeistern. Sehen Sie diesen Gesetzentwurf als Ergänzung in Bedarfsfächern, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall von der SPD.) Ich möchte noch kurz auf die Stellungnahme der Schwerbehindertenvertretung eingehen. Aufgrund dieser Stellungnahme weisen wir in unserem Abänderungsantrag ausdrücklich darauf hin, dass die Eignung als Auswahlkriterium bei der Einstellung schwerbehinderter Menschen hervorgehoben wird. Schwerbehinderte Menschen sind im Auswahlverfahren des Quereinstiegs in den Vorbereitungsdienst zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen. So erhalten sie die Möglichkeit, sich zu präsentieren, ihre Situation darzulegen und mögliche Vorbehalte auszuräumen. Zum 1. August 2024 wurden 60 neue Planstellen geschaffen. Zu Beginn des Schuljahres haben wir über alle Schulformen hinweg 201 Lehrkräfte mehr als zum Ende des letzten Schuljahres. Um diese zusätzlichen Planstellen besetzen zu können, benötigt es ausreichend Lehrkräfte. Mehr Lehrkräfte, mehr Vielfalt und ein breiteres Fachwissen in den saarländischen Klassenzimmern - geben Sie dem eine Chance und lassen Sie den Q-Master schon im nächsten Monat starten. Daher bitte ich um Zustimmung zu unserem Abänderungsantrag und dem Gesetzentwurf in Zweiter Lesung. (Beifall von der SPD.)

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