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Frank Wagner

CDU 11.09.2024 Sitzungen 17/29

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben aktuell in Deutschland einen riesigen Fachkräftemangel, der sich quer durch sehr viele Berufsbereiche zieht und der auch nicht vor den Bildungseinrichtungen, sprich Kita und Schule, haltmacht. Der Lehrermangel bleibt auch im Schuljahr 2024/2025 das größte Problem in vielen Bundesländern, auch im Saarland. Die Schülerzahlen steigen, eigentlich ein gutes Signal. Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber für Lehrerstellen im Saarland sinkt, in anderen Bundesländern auch. Ich will die aktuelle Zahl im Saarland nennen, damit klar ist, über welchen Umfang wir sprechen: 2.300 zusätzliche Schüler wurden in diesem Schuljahr eingeschult, das entspricht ungefähr 150 zusätzlichen Klassen. Gott sei Dank konnte in diesem Schuljahr im Saarland jede Lehrerstelle besetzt werden. Gerade so noch einmal gut gegangen. Wir befinden uns natürlich in Konkurrenz mit anderen Bundesländern, deshalb ist es wichtig, frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen. Ein großes Problem ist aktuell auch die mobile Reserve. Ich spreche vor allem die mobile Reserve im Bereich der Grundschulen an, die zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich schon leergefegt ist. Eine mögliche Krankheitswelle - in den vergangenen Jahren hat man das immer wieder gesehen - wird sich vielleicht wieder um die Herbstferien abzeichnen, und dann ist das sehr problematisch. Von daher begrüßen wir, das möchte ich wirklich ausdrücklich herausarbeiten, dass die Landesregierung endlich konkret etwas gegen den Lehrermangel tut. Der Quereinstieg, der Q-Master, ist eine Möglichkeit, diese akute Lehrernot an den saarländischen Schulen zu lindern. Jedoch ist es nur die zweitbeste Lösung und die sollte auch nur kurzfristig sein. Es braucht Modelle, die dem anstehenden Lehrermangel nachhaltig begegnen. Uns ist sehr wichtig, zeitgleich die Qualität der Lehre nicht zu reduzieren, sondern an der Qualität festzuhalten. Quereinsteiger sorgen zwar für kurzfristige Entlastung, gut ausgebildete Lehrer sollten aber der Regelfall sein. Deshalb müssen wir schauen, dass hier nicht zwei Personengruppen gegeneinander ausgespielt werden und dass es keine Konkurrenzsituation gibt. Vor allem ist es in der Ausbildung wichtig, dass der fachwissenschaftliche und der fachdidaktische Bereich gleichermaßen behandelt werden. Das ist nicht ganz so einfach. Wir fordern deshalb die Landesregierung zu einem sensiblen Umgang mit diesem Q-Master auf und vor allem dazu, die eben angesprochene fachdidaktische Ausbildung mit in den Blick zu nehmen. Das gilt sowohl für die erste Ausbildungsphase als auch für den Vorbereitungsdienst. Wir stellen uns schon die Frage, wann der pädagogische und der fachdidaktische Teil mit bearbeitet werden. Es müssen entsprechende Lösungen erarbeitet werden. Ebenfalls sehr wichtig ist die Steuerung der Lehrkrafteinstellung. Ich habe es eben angesprochen, es darf nicht zu einer Konkurrenzsituation mit den bisher in zwei Fächern ausgebildeten Lehrkräften und den Quereinsteigern kommen. Von daher muss genau hingeschaut werden, dass nicht plötzlich ein Überhang auf der einen Seite, im Bereich der Quereinsteiger, vorherrscht, es muss frühzeitig reagiert werden. Für uns ist es wichtig, dass jetzt ein durchdachtes Fachkräftekonzept auf den Weg gebracht wird, und zwar für alle Schulformen. Es ist teilweise sehr unterschiedlich, was bedacht werden muss, das haben wir auch in der Anhörung von verschiedenen Stellen gehört. Wir fordern eine echte Fachkräfteoffensive, die nachhaltig ist und auf das reagiert, was die Zahlen eigentlich jetzt schon andeuten. Eine Maßnahme ist, das wird immer wieder gesagt, dass wir jetzt unbedingt ein größeres Studienplatzangebot im Bereich des Grundschullehramtes brauchen. Hier ist ein Riesenmangel. Wir haben Gott sei Dank ein Studienplatzangebot, aber es reicht nicht aus. Gleichzeitig brauchen wir im Bereich der Förderschullehrkräfte endlich die Einführung eines eigenständigen Studiengangs. Wir haben schon oft darüber diskutiert, aber passiert, Frau Ministerin, ist leider noch nichts. Von daher: Bitte hier handeln. Der Vorbereitungsdienst reicht nicht, sondern wir brauchen auch den entsprechenden Studiengang Sonderpädagogik. (Beifall von der CDU.) Um dem Thema Konkurrenzsituation zu begegnen und um auch konkurrenzfähig zu sein, zwei Anmerkungen an dieser Stelle, die uns immer wieder begegnen. Wir haben viele Anrufe und E-Mails bekommen. Die zeitlichen Abläufe bei den Bewerbungsverfahren müssen endlich schneller werden. Wir sind zu langsam. Vor allem mit Blick zum direkten Nachbarn Rheinland-Pfalz merken wir immer wieder, dass dort viel früher und vorausschauender agiert wird. Dort wird sehr früh auf die Absolventen zugegangen und viele werden abgeworben. Da müssen wir unbedingt schneller werden. Ein zweiter Hinweis, der kürzlich vom Philologenverband, aber auch von anderen Verbänden, herausgearbeitet wurde: Im Bewerbungsverfahren für die Sekundarstufe II gibt es nicht mehr die Möglichkeit, sich schulformspezifisch zu bewerben, sondern nur allgemein für die weiterführenden Schulen, sprich das Kästchen „Ich (Abg. Wagner (CDU)) favorisiere das Gymnasium“ ist entfallen. Auch das ist aus unserer Sicht der völlig falsche Weg. Das wird viele abschrecken und sie werden sagen, sie gehen auf Nummer sicher und gehen in ein anderes Bundesland, wo sie sich sicher sein können, dass sie Lehrkraft im Gymnasium werden. Auch das bitte wieder überdenken! Insgesamt erscheint der vorgelegte Entwurf eher an den laufbahnrechtlichen Gegebenheiten für die Lehrämter orientiert und bedauerlicherweise weniger an einem qualitätsvollen Anspruch an die Bildung der künftigen Generation. Noch einmal, der Schwerpunkt muss wieder in die fachdidaktische Ausbildung gelegt werden und es muss vielleicht auch darüber nachgedacht werden, dass man auf das Mentoring-Programm, das sich über viele Jahre bewährt hat, wieder einen besonderen Fokus legt. Die angehenden Lehrkräfte aus dem Bereich Q-Master brauchen Unterstützung von gut ausgebildeten Lehrkräften. Noch ein Punkt. Es wurden in einigen Fächern sehr gute Erfahrungen zum Beispiel mit Diplom-Lehrern gemacht. Da hat es sich auch bewährt, dass man ein zweites Fach anbietet und das entsprechend qualifiziert, beispielsweise Arbeitslehre. Auch hier muss unbedingt die Qualifikation „Arbeitslehre“ wieder überarbeitet werden, um mit anderen Bundesländern mitzuhalten. Abschließend das Anliegen der Schwerbehindertenvertretung. Der hierzu vorgelegte Abänderungsantrag ist uns nicht weit genug gegangen. Ein Anliegen der Schwerbehindertenvertretung ist es gewesen, dass nicht die Abschlussnote alleinige Grundlage für die Eignungseinschätzung ist, sondern die Regelung des SGB IX. Da ist unseres Erachtens der Antrag nicht weit genug gegangen, von daher haben wir dem nicht zugestimmt. Ich fasse zusammen. Der Fachkräftemangel ist gewaltig, wir müssen schnell reagieren. Der Q-Master ist ein Schritt in die richtige Richtung, von daher unterstützen wir dieses Vorhaben der Landesregierung. Er geht uns aber nicht weit genug bezogen auf das, was ich eben zur Fachkräfteoffensive gesagt habe. Es muss ein nachhaltiges Konzept her, quer durch alle Schulformen. Von daher unterstützen wir das heutige Vorhaben und appellieren an die Landesregierung, dieses Fachkräfteoffensive-Paket vorzulegen. (Beifall von der CDU.)

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