Friedrich Josef Dörr
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Am letzten Samstag war ich mit meiner Frau Besucher eines schönen Konzerts. Frau Ministerpräsidentin Rehlinger war auch dort, und zwar in Losheim am See bei Sueños españoles. Es war ein tolles Konzert. Die erste halbe Stunde stand ganz im Zeichen eines Violinisten. Er wurde als Virtuose vorgestellt. Meine Frau hat gefragt, ob er so gut wie Wolfgang Mertes aus Quierschied spielt. Wolfgang Mertes spielt sehr gut. Ich habe gesagt, ich warte einmal ab, was er bringt. Nachher habe ich gesagt, so leid es mir tut, ich kann den Wolfgang sehr, sehr gut leiden, aber das ist eine andere Liga. Der Mann hat so gespielt, wie ich es in meinem Leben noch nie gehört oder gesehen habe. Er wurde als Genie bezeichnet und hat dann selbst die Definition von Genie gegeben: 37 Jahre lang jeden Tag 14 Stunden üben. Das war seine Version der Definition von Genie. Das sagt alles. Man muss eine gewisse Begabung haben. Das reicht aber nicht. Die Ausbildung und die Übung kommen noch dazu. Nun muss natürlich nicht jeder Weltmusiker werden, der alle anderen abhängt, aber wir brauchen in unserem Lande auch eine gewisse Anzahl von Menschen, die über dem Durchschnitt stehen, und zwar in den verschiedensten Gebieten. Das ist das, was wir schon seit Längerem beantragen. Wir reden nicht von Hochbegabten, sondern von Sonderbegabten. Das sind Musiker, Sportler, Ingenieure oder Handwerker. Man kann in allen Bereichen sonderbegabt sein. Manchmal spielt der Zufall eine Rolle. Jetzt habe ich in der Zeitung von der Beratung Hochbegabter im Saarland gelesen. Ich finde das eine tolle Sache. Ich finde das sehr gut. Das gibt es auch schon länger. Es gibt auch schon länger Leute, die auf das Problem aufmerksam gemacht worden sind, dass unsere Begabten nicht genügend gefördert werden. Zum Thema Hochbegabte gab es wieder ein Bild, auf dem ein kleiner Professor zu sehen war. Er hat ausgesehen wie Einstein. Bei Hochbegabten denkt man nur an Mathematik, Physik, hervorragende Schachspieler und so weiter, aber das Begabungsmuster ist viel weiter gefächert. Man muss an alle Hochbegabten beziehungsweise Sonderbegabten denken, die es gibt. Dann kam eine zweite Nachricht. Sie lautete, dass die Regierung des Saarlandes plant, vier neue Förderschulen zu gründen beziehungsweise zu bauen. Das ist eine tolle Sache. Nicht so toll ist, dass es immer mehr behinderte Kinder gibt. Ich frage mich manchmal, ob unser Schulsystem vielleicht dazu beiträgt, dass manche Kinder am Schluss besser in einer Förderschule aufgehoben sind als in einer Schule, in der alle Kinder sind. Ich habe Professor Breitenbach, als er Bildungsminister war und mich in eine Kommission berufen hat, bei der es um die Reform der Grundschulen und die Integration behinderter Kinder in Regelschulen ging, einmal gesagt, wenn in der Grundschule so unterrichtet würde, wie wir es in der Förderschule machen, dann bräuchte nur ein Drittel der Kinder, die jetzt in Förderschulen sind, in diesen Schulen zu sein. Das ist ein größeres Thema. Aber das, was wir beziehungsweise alle Regierungen im Saarland, die ich kenne, bisher für unsere behinderten Kinder gemacht haben, indem sie unter anderem ein solches Schulsystem aufgebaut haben, wie wir es haben, und parallel dazu die integrative Unterrichtung fördern und ermöglichen, das ist gut. Das muss für unsere sonderbegabten Kinder allerdings auch so sein. Da genügt es nicht, wenn wir ein Beratungszentrum und im Sommer Angebote haben. Auch ein vielschichtiges Angebot genügt nicht. Wenn ich mir vorstelle, dass wir das im Bereich der Förderschulen hätten, wir also Beratungszentren und dies und (Abg. Dörr (AfD)) jenes hätten, würde das niemals das tolle ausgebaute Förderschulsystem ersetzen, das wir für unsere behinderten Kinder haben. Mit Blick auf unsere behinderten Kinder ist das ein Menschengebot. Es geht darum, dass wir ihnen so helfen wie allen anderen Kindern. Bei den sonderbegabten Kindern ist es uns betreffend sogar ein eigennütziges Gebot für den Fortbestand unseres Wohlstandes und für die Zukunft sowie auch für die Zukunft unserer Kinder und Enkel. Ich werde nachher wieder hören, dass wir das schon einige Male beantragt haben. Wir werden es so lange beantragen, wie es nicht durchgeführt wird. Wir sind dafür, dass ein Förderschulsystem für sonderbegabte Kinder aufund ausgebaut wird. - Herzlichen Dank. (Beifall von der AfD.)
