Sascha Haas
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Saarländerinnen und Saarländer! Digitalisierung. Erfolg. CDU. Es gibt nicht viele Dreiklänge, die in meinen Ohren so überhaupt nicht zusammenpassen. Was noch weniger zusammenpasst, sind Ihre Forderungen nach Investitionen und dem ideologischen Festhalten an der Schuldenbremse im Bund. (Sprechen. - Zuruf der Abgeordne- ten Schmitt-Lang (CDU).) Ich wollte nur gucken, ob du noch konzentriert ist. Aber dazu komme ich nachher noch. - Wenn wir von Digitalisierung und Erfolg im Saarland sprechen und speziell von der Digitalisierung in unseren Schulen, dann ist das vor allem ein Verdienst der Ministerin Christine Streichert-Clivot und ihres Teams. Dafür von uns mal ein herzliches Dankeschön! (Beifall von der SPD.) Inmitten der Corona-Pandemie war es das Bildungsministerium, welches die Online-Schule Saarland sprichwörtlich aus dem Boden gestampft hat und damit nicht nur schnell und effektiv reagiert, sondern auch bundesweit eine Vorreiterrolle eingenommen hat. Auch das ist eine Leistung, die unsere Anerkennung verdient. (Beifall von der SPD.) Wir haben heute schon viel über Digitalisierung gesprochen, denn wir sehen gleichzeitig, wie sich Digitalisierung überall in unserem Alltag wi- (Abg. Haas (SPD)) derspiegelt. Anträge können digital ausgefüllt und eingereicht werden, Kommunikation erfolgt per Messenger oder E-Mail und der Umgang mit PC und Tablet wird heutzutage selbstverständlich vorausgesetzt. Selbstverständlich müssen wir daher für Kinder und Jugendliche die Voraussetzungen schaffen, dass sie auch in der Schule digitale Bildung erfahren und bestens auf die moderne Arbeits- und Lebenswelt vorbereitet werden. Für uns hat es daher oberste Priorität, dass Schülerinnen und Schüler zunächst die grundlegenden digitalen Kompetenzen erwerben und dadurch eine Teilhabe an unserer Gesellschaft sichergestellt werden kann. Unsere Landesregierung sorgt dafür, dass der Zugang zu digitaler Bildung gesichert ist, unter anderem durch das Basiscurriculum Medienbildung und informatische Bildung, das 2019 auf den Weg gebracht wurde, dem Pflichtfach Informatik für alle Schülerinnen und Schüler ab der siebten Klasse und der Einführung der Landesweiten Systematischen Medienausleihe Saar, kurz LS-MS. Das Gesamtkonzept zur Digitalisierung an Schulen, von dem Sie, werte Kollegin Schmitt-Lang von der CDU Fraktion, in Ihrem Antrag sprechen, liegt doch längst vor. Ich bin es auch ein Stück weit leid, wenn ich jetzt Ihrem Redebeitrag noch mal entnehmen muss, wie sehr Sie unsere Schulen, Schulträger, aber auch die Lehrkräfte, die sich sehr viel bemühen, auch um Medienkonzepte, schlechtreden. Das haben sie nicht verdient, liebe Kolleginnen und Kollegen! (Beifall von der SPD. - Zuruf der Abgeordne- ten Schmitt-Lang (CDU).) Digitale Bildung ist eine Gemeinschaftsaufgabe, das sagen Sie ja auch selbst in Ihrem Antrag. Und wenn ich mir ihn genau durchlese, dann werde ich den Verdacht nicht los, dass Sie das auch ganz genau wissen, denn mit der LSMS will die Landesregierung ein nachhaltiges digitales System schaffen, das allen Schülerinnen und Schülern und Lehrkräften offensteht. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit den Schulträgern und unseren Schulen. Schülerinnen und Schüler sollen davon profitieren, dass sie zum Beispiel mit Apps wie Bettermarks ihre Mathekenntnisse vertiefen und ausbauen können. Der spielerische Umgang mit Mathematik bringt mehr Abwechslung und Spaß beim Lernen und fördert so die Motivation. Für Lehrkräfte hat der zeitweise Einsatz solcher Apps den Vorteil, dass jede Schülerin und jeder Schüler bei seinem individuellen Lernstand abgeholt wird und in seinem eigenen Tempo lernen kann. So, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist individuelles Lernen in heterogenen Gruppen ohne großen Aufwand für die Lehrkraft möglich. Nicht alle Familien haben heute zu Hause ein Tablet oder können es bezahlen oder können die Nachhilfe für die Kinder bezahlen, wenn es mal hakt. Deswegen ist es für uns wichtig, dass der Zugang zu digitalen Medien von uns als Land zur Verfügung gestellt wird, denn das sorgt am Ende für mehr Bildungsgerechtigkeit. (Beifall von der SPD.) Deshalb gehört es auch zur Strategie und zum Ziel dieser Landesregierung, dafür zu sorgen, dass in jedem Schulranzen ein Tablet steckt. Ein ambitioniertes Ziel, aber ein notwendiges, um alle Kinder mitzunehmen und zusätzliche Anreize zum Lernen und Üben zu Hause zu schaffen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, in unserem Regierungsprogramm wurde es versprochen und jetzt sind wir fast am Ziel: Ein Tablet in jedem Schulranzen. Zu Beginn des letzten Schuljahres hatten bereits etwa 83.000 Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte an den weiterführenden Schulen ein Tablet in ihrer Tasche. Hinzugekommen sind 13.000 Geräte an unseren Grundschulen, verteilt auf alle Landkreise und den Regionalverband Saarbrücken. Das ist eine echte Leistung des Ministeriums! (Beifall von der SPD.) Aber uns geht es ja nicht nur um die bloße Ausstattung der Schülerinnen und Schüler mit den Tablets. Das reicht bei Weitem nicht aus. Deshalb sorgen wir dafür, dass der Roll-out der Geräte an den Grundschulen wissenschaftlich begleitet wird. Wissenschaftlich begleitet erhielten dritte und vierte Klassenstufen an 13 Grundschulen im Saarland ein Tablet. Die eine Gruppe nutzt die Tablets ausschließlich in der Schule, die andere Gruppe darf sie zusätzlich zu Hause nutzen. Die wissenschaftliche Begleitung des Projekts wird neben dem Bildungsministerium durch den Bildungscampus und die Universität des Saarlandes durchgeführt, also auch hier gemeinschaftlich. So wird untersucht, welche Auswirkungen die Ausstattungsmodelle auf die pädagogisch-didaktische Arbeit der Lehrkräfte haben und welche Lernfortschritte bei den Schülerinnen und Schülern zu erkennen sind, aber auch, welchen Nutzen unsere Grundschüler und Grundschüler beim Lernen haben. Wir dürfen unsere Schulen und Lehrkräfte nicht mit den Tablets alleinlassen. In der digitalisierten und beschleunigten Zeit ist die wissenschaftliche Begleitung und ständige Anpassung notwendig. Ein bedeutender Schritt in diese Richtung ist die Landesweite Systematische Medienausleihe Saar, die digitale Bildungsmedien für alle Schülerinnen und Schüler bereitstellt. Das Saarland war damit das erste Bundesland im Schuljahr 2022/23, das ein digitales Bücherregal für die gesamte Sekundarstufe I und II flächendeckend eingeführt hat. Die Schülerinnen und Schüler haben so die Möglichkeit, auf digitale Bildungsmedien oder digitale Bücher und Lernsysteme, die sich an den Lernfortschritt anpas- (Abg. Haas (SPD)) sen, wie zum Beispiel Bettermarks, zurückzugreifen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, bei der Digitalisierung unserer Bildungslandschaft ist es wichtig, von Beginn an auch die Lehrkräfte mitzunehmen. Davon haben Sie eben, Frau Schmitt-Lang, auch gesprochen. Und das geschieht durch aktuelle Fortbildungen, pädagogische Tage und Schulungen zu interaktiven Tafeln, Endgeräten, dem Umgang mit der Online-Schule Saarland und dem OSS-Messenger am Bildungscampus. Dort zeigen Lehrkräfte, wie sie digitale Hilfsmittel bestmöglich in ihren Unterricht integrieren können. Etwa 135 Veranstaltungen mit knapp 3.500 Teilnehmenden haben dazu im aktuellen Schuljahr bereits stattgefunden. Ein Beispiel für eine Qualifizierungsmaßnahme, wir hatten es im Bildungsausschuss gehört, ist das sogenannte HiPad, eine Schulung von 12 Monaten, bei der Grundschullehrkräfte zu Multiplikatorinnen und Multiplikatoren werden und lernen, wie sie iPads im schulischen Umfeld zielgerichtet und wirkungsvoll einsetzen können. Dabei werden sie fachlich von Mitarbeitenden des Bildungscampus unterstützt. Neben diesem Beispiel gibt es aber auch viele weitere Angebote, die Lehrkräfte beim Einsatz digitaler Medien im Unterricht unterstützen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Landesweite Systematische Medienausleihe Saar ist mehr als eines der größten Modernisierungsprojekte in der Geschichte der saarländischen Bildungspolitik. Sie schafft für die Schülerinnen und Schüler einen gleichberechtigten Zugang zu digitalen Bildungsmedien und trägt zu mehr Chancengleichheit in unserem Bildungssystem bei. Es ist mit dem bisherigen DigitalPakt gelungen, diese Strategie auch umzusetzen. Und genau deshalb hat sich auch unsere Ministerin Christine Streichert-Clivot als KMK-Präsidentin dafür eingesetzt, damit wir diese Strategie auch zukünftig fortsetzen können. Wir brauchen den Digital-Pakt 2.0. und wir sollten gemeinsam unserer Ministerin den Rücken stärken und dafür kämpfen, dass dieses Ziel erreicht wird. Womit wir beim letzten Punkt wären, den finanziellen Mitteln. Eine Weiterfinanzierung durch das Land und die Schulträger alleine, Sie haben es angesprochen, wäre eine enorme finanzielle Herausforderung für das Land und unsere Kommunen als Schulträger. Ich bin daher froh, dass Sie, Frau Ministerin Streichert-Clivot, sich dafür eingesetzt haben, von der Bundesregierung endlich Klarheit und Planungssicherheit zu erhalten. Aber es ist auch scheinheilig von Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen der CDU, hier als Opposition, aber auch als Opposition im Bund, nicht nur alles schlechtzureden, sondern auch ständig Investitionsforderungen - wir hatten es heute Morgen schon erlebt - zu erheben, die weder eine Gegenfinanzierung haben noch die gesetzlichen Rahmenbedingungen beachten. Wir können so viel fordern, wie wir wollen, und ich gebe Ihnen recht, dass wir deutlich mehr Investitionen brauchen, aber dann lassen Sie doch endlich ab von Ihrer ideologischen Schuldenbremse im Bund und helfen Sie mit, eine zeitgemäße und zukunftsorientierte Politik nicht nur zu machen, sondern auch finanzieren zu können. - Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und Glück auf! (Beifall von der SPD.)
