Friedrich Josef Dörr
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Wir haben eine Lage, in der in bestimmten Schulformen Lehrpersonen bereits fehlen oder sicher in der Zukunft fehlen werden. Wir haben zugleich die Lage, dass in Schulen, in denen zwar im Allgemeinen kein Lehrermangel herrscht, doch in bestimmten Fächern Lehrpersonen fehlen. Die Kultusministerin, die Bildungsministerin, hat nun versucht, mit ihrem Gesetzesvorschlag eine Antwort auf dieses Problem zu geben. Nun muss ich zunächst einmal sagen, dass es natürlich immer ein schlechtes Zeugnis für ein Bildungsministerium bedeutet, wenn die Voraussagen und die Vorausplanungen, was den Lehrereinsatz und die Lehrerausbildung betrifft, nicht zutreffen. Aber insofern muss ich Frau Streichert-Clivot auch ein wenig freisprechen, denn alle Bildungsminister, die ich gekannt habe - und ich habe sehr viele gekannt -, haben diese Aufgabe nicht bewältigt. Wir hatten schon einmal Vertragslehrer, weil Lehrermangel bestand. Wir hatten musisch-technische Lehrer, weil Lehrermangel bestand. Wir hatten später eine Lehrerschwemme, und eine ganze Generation von Lehrern konnte nicht den Wunschberuf ausüben, weil zu viele Lehrer bei gleichzeitigem Schülerrückgang in den Schulen waren. Diese Aufgabe, die sich dem Bildungsministerium stellt, ist also eine schwierige Aufgabe, aber man darf sie nicht ignorieren. Man muss fortwährend versuchen, diese Aufgabe zu bewältigen. Nun zum Vorschlag, Quereinsteiger im Studium und in der Schule und so weiter zu berücksichtigen. Ich habe ja seinerzeit daran mitgewirkt, das Förderschulwesen - zunächst waren das „Hilfsschulen“, danach „Sonderschulen“, wie auch immer es bezeichnet wurde - aufzubauen. Dabei war es, da gar nicht so viele Lehrpersonen ausgebildet waren, Alltag, dass uns Leute zugeteilt wurden, die schulfremd waren. Wir waren ja schon glücklich, wenn es sich um Lehrer gehandelt hat. Zum Beispiel kam auch ein junger Mann zu mir nach Saarlouis, der die Fächer Sport und Latein für das Gymnasium studiert hatte. Den musste ich nun bei mir integrieren. Ich habe mich anfangs dazugesetzt, wenn er unterrichtet hat: Er hat von „Zäsur“ gesprochen, wenn er die Pause gemeint hat, und die Kinder sollten nicht „soufflieren“, sich also nicht gegenseitig vorsprechen. Es hat ein paar Wochen gedauert, dann war der junge Mann schon so weit drin, dass er diese Worte nicht mehr gebraucht hat und auch andere Verhaltensweisen geändert hat. Er war letztlich, da er das auch wirklich wollte, ein guter Lehrer, auch an einer Förderschule. Angesichts dieser Erfahrungen meine ich, dass man das Ganze nicht übermäßig bürokratisieren und nicht übertreiben sollte. Das wird es immer geben. Man muss natürlich vonseiten des Bildungsministeriums das so zu steuern versuchen, dass der Fall möglichst selten vorkommt. Nun zum Aspekt des Qualitätsverlusts an Schulen, den es theoretisch ja geben muss. Ist man der Ansicht, ein Lehrer müsse acht Semester ausgebildet werden und er müsse zwei Fächer haben, was auch immer die Voraussetzungen sind, kann man nicht von heute auf morgen sagen: Ach, alles Quatsch, das brauchen wir gar nicht; wir stellen irgendjemanden ein, und das Pädagogische kommt später. - So hat man das seinerzeit gemacht beim musisch-technischen Lehrer; war der ein guter Sportler oder ein guter Musiker, wurde er eingestellt. (Abg. Dörr (AfD)) Nein, unser Anspruch muss schon sein, dass wir unsere Lehrpersonen bestmöglich ausbilden. Dass man da natürlich auch flexibel sein muss und nicht Dinge, die vielleicht vor 20 Jahren Geltung hatten, in die heutige Zeit überträgt und meint, das müsste immer so bleiben, ist auch klar. Der Auftrag an das Bildungsministerium ist also: Bitte versuchen Sie erstens, die Planung so zu machen, dass sie einigermaßen hinhaut. Und zweitens achten Sie darauf, dass möglichst viele wirklich gut ausgebildete Lehrpersonen in die einzelnen Schulen kommen. Da gibt es ja auch Dinge, die wichtig sind, denn wir werden in einem Wettbewerb mit anderen Bundesländern stehen, und da ist es wichtig, dass das Gehalt stimmt, da hängen wir ja bei einigem noch hinterher. Das Dritte betrifft die Arbeitsbedingungen in der Schule. Der Lehrer darf mittags froh sein, wenn die Schule vorbei ist, er muss morgens aber noch gerne in die Schule gehen. Die Arbeitsbedingungen müssen stimmen, das ist ja auch ein weites Feld. Aber insgesamt, was diesen Gesetzentwurf betrifft, sagen wir, es ist ein Schritt in die richtige Richtung und wir stimmen zu. - Herzlichen Dank. (Beifall von der AfD.)
