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Julia Harenz

SPD 10.07.2024 Sitzungen 17/28

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Was tun, wenn zukünftig nicht mehr genügend Lehrkräfte für die Fächer Mathematik, Kunst oder Musik zur Verfügung stehen? Für welchen Weg entscheidet sich eine Studentin, die ihr Bachelorstudium in sozialer Arbeit absolviert hat, aber dann doch nicht als Sozialarbeiterin arbeiten möchte, sondern viel lieber als Lehrerin? Ist eine Anerkennung eines qualifizierten Lehrers beispielsweise aus Syrien möglich, der im Saarland leben möchte? Auf all diese Fragen gibt es nun Antworten mit dem Gesetzentwurf zur Erweiterung des Quereinstiegs für die Lehrämter im Saarland. Dafür möchte ich unserer Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot und ihrem gesamten Team herzlich danken. (Beifall von der SPD.) Ich freue mich, dass wir heute in Erster Lesung über diesen Gesetzentwurf debattieren, denn er eröffnet viele neue Wege in den Lehrerberuf, ein Beruf, für den wir dringend Fachkräfte benötigen. Die derzeitige Situation auf dem Lehrkräftemarkt im Zusammenhang mit dem andauernden Lehrkräftemangel bezeichnet die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz als historische Herausforderung. Die Veränderung der Bedarfe ist seit einigen Jahren zu beobachten. Auf der einen Seite gibt es mehr Schülerinnen und Schüler, auf der anderen Seite fehlen aber zusätzlich benötigte Lehrkräfte. Nicht nur die quantitativen Bedarfe des Lehrpersonals haben sich verändert. Auch die Bedarfe und Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler verändern sich, weil sich unsere Welt und unsere Gesellschaft verändern. Durch Einflüsse wie die Corona-Pandemie, Kriege - auch mitten in Europa -, Digitalisierung, Fortschritt in Medizin und vielem Weiteren verändern sich die Anforderungen an das System Schule und somit auch an dessen personelle Ausstattung. Wir benötigen mehr Lehrkräfte und müssen daher Möglichkeiten neben der klassischen Lehramtsausbildung bieten, wobei wir uns einig sind, dass die klassische Lehramtsausbildung Priorität hat. Nehmen wir einmal das Beispiel einer Person, die sechs Semester Psychologie studiert hat. Dann hängt sie einen lehramtsbezogenen Master an und macht zusätzlich das Referendariat in der Schule, natürlich mit allen dazugehöri- (Abg. Harenz (SPD)) gen Abschlussprüfungen. Diese Person verfügt zusätzlich über fachliche Expertise im Bereich psychischer Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen. Ein solcher Quereinstieg bringt vielfältige Möglichkeiten und Vorteile mit sich: Er bereichert das Kollegium durch unterschiedliche Perspektiven und Kompetenzen, zudem profitieren die Schülerinnen und Schüler von dieser Expertise, da sie nun individuell noch besser unterstützt werden können. Er fördert die Vielfalt im Lehrerkollegium und trägt dazu bei, dass unsere Schülerinnen und Schüler bestmöglich gefördert werden. Sie sehen: Vom Quereinstieg profitieren alle, liebe Kolleginnen und Kollegen! (Beifall von der SPD.) Wir benötigen für engagierte und motivierte Menschen dringend eine Möglichkeit, ihre Leidenschaft für das Unterrichten in Vollzeit auszuleben. Oft erkennen Menschen erst während ihres Studiums oder auch später im Berufsleben, wie viel Freude sie daran haben, zu unterrichten. Vielleicht werden sie durch pädagogische Erfahrungen, die sie bei der Arbeit im Verein gesammelt haben, in diesem Wunsch noch bestärkt. Wir müssen nun sicherstellen, dass diese Menschen die Möglichkeit erhalten, ihre Fähigkeiten und ihre Begeisterung im Bildungsbereich einzubringen. Denn sie sind es, die unsere Schülerinnen und Schüler inspirieren, sie fördern und sie auf ihrem Weg begleiten. Wir brauchen daher Gesetze wie dieses, um den Quereinstieg in den Lehrerberuf zu erleichtern und die individuellen Stärken dieser engagierten Menschen zu nutzen. Hier nun kommen die geplanten Änderungen im Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerbildungsgesetz ins Spiel, mit denen, wie Frau Bildungsministerin eben schon erwähnt hat, verschiedene Quereinstiegsmöglichkeiten geschaffen werden: der universitäre Quereinstieg und der Quereinstieg in den Vorbereitungsdienst. In vielen Studiengängen gibt es sogenannte Tutorjobs, bei denen Studierende ihre Kommilitonen unterrichten. Dabei entdecken viele ihre Leidenschaft fürs Unterrichten. Mit dem neuen Q-Master können Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen eines nicht lehramtsbezogenen Studiengangs in einen lehramtsbezogenen Masterstudiengang wechseln. Auf welche Lehramtsstudiengänge sich das bezieht, hat unsere Bildungsministerin bereits erläutert. Die Grundschule ist nicht darunter, denn diese stellt, insoweit sind wir uns sicherlich einig, noch einmal eine ganz besondere Herausforderung dar. Mit diesem Q-Master schaffen wir eine Möglichkeit für engagierte Menschen, ihre Leidenschaft für das Unterrichten in Vollzeit auszuleben und einen wertvollen Beitrag zur Bildung unserer Schülerinnen und Schüler zu leisten. Des Weiteren werden verschiedene Quereinstiege in den Vorbereitungsdienst möglich. Das eröffnet zum einen angehenden Lehrkräften, die mit der Wahl ihrer Schulform nicht mehr glücklich sind, die Möglichkeit, in eine andere Schulform zu wechseln. Zum anderen eröffnet es aber auch Master-Absolventinnen und Master-Absolventen, die nicht auf Lehramt studiert haben, die Möglichkeit, künftig als Lehrkraft in der Schule zu arbeiten. Oft entdecken Menschen während ihrer akademischen Laufbahn, dass ihnen das Unterrichten Freude bereitet. So erging es auch einer sehr guten Freundin von mir, die während ihrer Promotion erstmals Lehrveranstaltungen durchführte. Sie stellte sich die Frage: Könnte ich nicht auch in einer Schule arbeiten? - Bislang musste ich ihr immer sagen, dass dafür ein Zweitstudium erforderlich wäre. Das ist eine Hürde, die viele abschreckt. Denn ein Zweitstudium bedeutet nicht nur weiterhin kaum oder gar kein Einkommen, es ist zudem oft auch mit einer zusätzlichen Gebühr belegt. Für viele war es daher bisher finanziell nicht machbar, nach dem Masterabschluss die fehlenden Qualifikationen für ein Lehramtsstudium zu erwerben. Doch nun gibt es Hoffnung: Dieser Gesetzentwurf ermöglicht eine Nachqualifizierung, ohne ein komplettes Zweitstudium absolvieren zu müssen. Diese Regelung könnte den Traum meiner Freundin und auch vieler anderer Menschen, die gerne unterrichten möchten, endlich wahr werden lassen. Ich persönlich würde mich darüber sehr freuen, denn jede neue Lehrerin und jeder neue Lehrer bereichern unser Bildungssystem und tragen dazu bei, dass der Schulbetrieb funktioniert. An dieser Stelle möchte ich daher auch einmal allen Lehrkräften und allen anderen im System Schule Tätigen für ihre Mühe und ihren Einsatz, den sie jeden Tag erbringen, danken. (Beifall von der SPD.) Um eines gleich klarzustellen: Es geht nicht darum, jeden x-Beliebigen als Lehrkraft zu gewinnen. Es geht darum, fachlich sehr gut ausgebildete und motivierte Menschen methodisch und didaktisch so weiterzubilden, dass sie ihr Wissen adressatengerecht an die Schülerinnen und Schüler vermitteln können. Das ist doch dann ein Gewinn für uns alle. Natürlich geht es dabei auch um die Qualität: Es wird verpflichtende Nachqualifikationen im Rahmen des Vorbereitungsdienstes geben, etwa zu Kenntnissen in den Bildungswissenschaften. Damit sichern wir die Qualität unserer Lehrkräfte, ohne dass hochqualifizierte und motivierte Interessierte noch einmal mehrere Jahre studieren müssen, um möglicherweise doch noch in die Schule zu kommen. Mit der Groß- und Doppelfachregelung besteht sogar die Möglichkeit, (Abg. Harenz (SPD)) durch zwei Schwerpunkte in einem Fach kein weiteres lehramtsbezogenes Fach studieren zu müssen. Auch darauf ist unsere Bildungsministerin bereits eingegangen. Wichtig zu erwähnen ist hierbei, dass der Umfang dem entspricht, was sich beim Studieren zweier Fächer ergibt. Von welchen Lehrkräften wir in diesem Zusammenhang sprechen, hat die Bildungsministerin bereits erwähnt: Wir sprechen hier von Lehrkräften in Bedarfsfächern. Dazu gehören die MINT-Fächer Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, aber auch Musik, Bildende Kunst, Französisch und das Lehramt für Sonderpädagogik. Kollege Reiter ist leider gerade nicht im Saal, ich will es dennoch erwähnen: Ich habe das Sommerfest der Louis-Braille-Schule genutzt, um noch einmal mit ihrem Schulleiter zu sprechen. Auch er hat mir versichert, das sei ein Schritt in die richtige Richtung. Wir gewinnen so also qualifizierte Fachkräfte für unsere Förderschulen und inklusiven Regelschulen. Das neue Gesetz erleichtert nicht nur Personen aus dem Saarland den Einstieg ins Lehramt, auch für Personen aus anderen Bundesländern beziehungsweise aus Drittstaaten werden Hürden abgebaut. Der Quereinstieg ist eine Chance. Wir gewinnen damit Menschen, die vielfältige Hintergründe für den Lehrerberuf mitbringen; auch das ist wichtig angesichts der Tatsache, dass Lehrkräfte häufig gerade auch Vorbild sind. Wir sorgen mit dem Quereinstieg für mehr professionelle Fachkräfte an unseren Schulen. Wir bauen Hürden ab bei der Anerkennung von Abschlüssen aus Drittstaaten. - Ich bitte daher um Zustimmung in Erster Lesung. (Beifall von der SPD.)

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