Jutta Schmitt-Lang
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der Lehrermangel ist auf dem Vormarsch, in Deutschland generell teils dramatisch, aber längst auch im Saarland - so die Zielbeschreibung im Gesetzentwurf, die Ministerin selbst hat es angerissen. In bestimmten Schulformen sind die Personalprobleme auch bei uns offenkundig. Beispielsweise in den Förderschulen ist die Fachkräftesituation sehr schwierig, aber auch in den beruflichen Schulen. Die Situation spitzt sich zeitgleich auch in der Breite zu, betrifft sogenannte Mangelfächer - von künstlerischen bis MINT-Fächern - und weitet sich aus. Deshalb ist es zwingend notwendig, dass die Landesregierung sich dieses Themas annimmt, dass sie Konzepte vorlegt und Wege beschreitet, um dem Lehrermangel sinnvoll entgegenzutreten. Das vorliegende Gesetz zur Erweiterung des Quereinstiegs für die Lehrämter im Saarland ist ein Schritt, hier entgegenzusteuern. Ehrlicherweise sind wir noch nicht ganz davon überzeugt, dass das Gesetz einen besonders großen Effekt auf die Fachkräftesituation haben wird. Vielleicht bietet aber die Anhörung Argumente, die dahingehend überzeugend wirken. Selbst wenn der Effekt nur minimal sein sollte, sind wir grundsätzlich der Meinung: In der prekären Personalsituation, in der wir zum Teil aktuell schon sind und auf die wir weiter zusteuern, müssen auch kleine Schritte gegangen werden, weil jeder kluge Kopf in unserem Bildungssystem einen Unterschied macht. Vor diesem Gesichtspunkt haben wir in der CDU-Fraktion Grundsympathien für die Idee Ihres Gesetzentwurfs. Es bleibt aber die viel drängendere Frage, ob dieses Gesetz mit Qualitätseinbußen einhergehen wird. Da sind die ersten Sorgenfalten in der Schulpraxis erkennbar groß. Deshalb wird das die Fragestellung sein, der wir in der Anhörung auf den Grund gehen werden. Für uns ist klar: Quereinsteiger im Lehrerberuf sind dem Grunde nach mit Blick auf die didaktische und pädagogische Ausbildung die zweitbeste Lösung, auch wenn sich engagierte Menschen in der Praxis immer wieder bewähren. Nehmen wir die Grundschulen: Der Biologe, die Germanistin, die Künstlerin mögen in ihren Fachbereichen brillant sein. Bei den Herausforderungen vor einer Grundschulklasse kommen sie aber bisweilen an ihre Grenzen, weil das Fachwissen meilenweit von der Realität entfernt ist. Gerade in der Sonderpädagogik sehen wir eine Fokussierung auf den Quereinstieg durchaus kritisch, insbesondere wenn dieser Schritt dazu dient, das frühere Ansinnen der Einführung eines grundständigen Studiengangs Sonderpädagogik einzukassieren. Das scheint der Fall zu sein. Es ist immer wieder strittig, inwiefern das grundständige Studium die zukünftigen Lehrer überhaupt ausreichend auf die wachsenden gesellschaftlichen Herausforderungen in der Realität und auf die vielen Baustellen, mit denen sich Lehrerinnen und Lehrer täglich konfrontiert sehen, vorbereitet. Umso schwerer ist es, diese Herausforderungen mit einer abgespeckten pädagogischen und didaktischen Ausbildung der zukünftigen Lehrkräfte zu bewältigen, die der Quereinstieg nun mal mit sich bringt. Das dürfen wir bei allem Handlungsdruck, den auch wir sehen, nicht unterschätzen. Wir sind als CDU überzeugt: Wir brauchen so viel Quereinstieg wie nötig, aber so viele grundständig und schulformspezifisch ausgebildete Lehrer wie möglich, (Abg. Schmitt-Lang (CDU)) um dem Fachkräftemangel an unseren Schulen zu begegnen. Gerade mit Blick auf das Wort schulformspezifisch will ich noch einmal betonen: Ob Grundschullehrer, Förderschullehrer, Berufsschullehrer oder Lehrer anderer Bereiche: Die didaktischen, pädagogischen und fachlichen Schwerpunkte und Anforderungen sind verschieden. Deshalb werden wir allen Bestrebungen hin zur Vereinheitlichung und zum Einheitslehrer vehement entgegentreten. Auch an den Schnittmengen wie in der Inklusion brauchen wir die verschiedenen Professionen. Wir brauchen die Fachmänner und Fachfrauen, die Hand in Hand arbeiten, aber nicht den „Einer-für-alles-Lehrer“. Erlauben Sie mir mit Blick auf die Professionen - Sie haben die Stellenzahlen angesprochen - noch den Nebensatz: Wir bedauern sehr, dass bei einzelnen Schulformen auch dieses Mal wieder keine Stellen drin sind und diese Schulformen, nämlich Gymnasium und berufliche Schulen, leer ausgehen werden. Bei allem Verständnis und allen Bemühungen, Bedarfe zu decken, braucht es stets ein Auge, das konsequent über die Qualität und den Erhalt einer hohen Professionalisierung in der Lehrerausbildung wacht. Beste Bildung braucht auch beste Ausbildung zukünftiger Lehrkräfte. Deshalb werden wir ein wachsames Auge auf die Qualität haben. Auch unter diesem Gesichtspunkt sind wir sehr gespannt auf die Anhörung und die Einschätzung der Experten und der Schulgemeinschaft zum vorliegenden Gesetzentwurf. Zu guter Letzt will ich bei der Ersten Lesung heute schon klarstellen: Eine Erleichterung beim Quereinstieg entbindet nicht von der politischen Verantwortung, weitere Maßnahmen gegen den Lehrermangel zu ergreifen. Der angesprochene Studiengang Sonderpädagogik an unserer Uni, die Aufstockung der Zahl der Studienanfänger in der Primarstufe, eine schnelle Platzvergabe für den Vorbereitungsdienst und im Anschluss daran - all diese Maßnahmen müssen auf den Tisch. Wir brauchen ein aktives Kümmern um zukünftige Lehrer, nebenbei auch ein Kümmern um Kolleginnen und Kollegen, die bereits im Schuldienst sind. Denn zufriedene Lehrer sind die besten Werbebotschafter für einen eigentlich sehr erfüllenden Beruf. Die Zufriedenheit ist bei den Kolleginnen und Kollegen leider in vielen Bereichen auf dem Tiefpunkt. Es gibt noch weitere Möglichkeiten, die das Saarland aktiv anpacken kann und muss, um sich der Situation zu stellen. Das ganze Besteck muss auf den Tisch, damit wir heute und in Zukunft die bestmögliche Personalisierung für unsere Kinder an den Schulen sicherstellen können. Heute liegt noch nicht das ganze Besteck auf dem Tisch, aber schon mal die Gabel. Wir sind gespannt auf die Anhörung. In Erster Lesung enthalten wir uns. - Vielen Dank. (Beifall von der CDU.)
