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Alwin Theobald

CDU 12.06.2024 Sitzungen 17/27

Lieber Herr Kollege Schmitt, das ist ja das Bewundernswerte: Man kann viel reden, und nichts davon ist falsch, aber man kann trotzdem das Thema kolossal verfehlen. Was haben Sie soeben getan? Das, was Sie erzählt haben, hat mit der Lebenswirklichkeit der Menschen hier im Saarland schon lange nichts mehr zu tun. Sie reden von 70 Hausärzten, die fehlen, aber die letzten Berichte reden von 93. Das ist ein gutes Stück mehr. Und wir reden doch gerade über Fachärzte, denn die fehlen genauso. Die Zahlen, die die KV vorgelegt hat, sind veraltet, das hat sie im Ausschuss zugestanden. Wir haben im Saarland in nahezu allen Bereichen angeblich eine Überversorgung mit Fachärzten, und Tatsache ist, die Menschen bekommen keine Termine. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie oft ich darauf angesprochen werde - noch vergangene Woche von einem Mann aus meinem Dorf, schwer an Krebs erkrankt! Der hat einen Termin gesucht für den Urologen und hat ihn nicht bekommen. Er wäre in drei Monaten dran gewesen; er hat der Assistentin vorne am Pult gesagt: Tut mir leid, in drei Monaten gibt es mich nicht mehr. (Vereinzelt Beifall bei der CDU.) Das ist heute die Realität im Saarland! Gott sei Dank wurde er dann vorgezogen. Er hat mittlerweile eine schwere Operation gehabt, ist immer noch in Behandlung, kriegt seine Chemotherapie, aber kann wenigstens überleben. Wäre er nicht rechtzeitig dort gewesen, wäre der Mann jetzt tot. Und genauso ist es doch, wenn ich mit jungen Leuten hier im Saarland rede. Ich habe drei Töchter, meine Zwillingstöchter machen im kommenden Jahr Abitur, meine Große hat es vor drei Jahren gemacht. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie viele junge Menschen im Saarland ein supertolles Abi machen, aber im Saarland keinen Studienplatz bekommen, weil wir zu wenig Studienplätze haben. Sie gehen dann weg, entscheiden sich schweren Herzens, beim Finanzminister eine Ausbildung (Lachen bei der SPD) für den gehobenen Dienst zu machen, die sie dann nach zwei Jahren abbrechen, weil es ihnen doch keinen Spaß gemacht hat und sie lieber ins Ausland gehen, um Medizin zu studieren. Das ist ein Fall bei mir aus der Heimatgemeinde, das ist tatsächlich so passiert. Da können Sie lachen, aber das ist die Realität! Sie sagen hier „Saarland first“ und wir würden uns von Rheinland-Pfalz über den Tisch ziehen lassen. Ja, wo leben Sie denn? Tatsache ist doch, dass nichts besser sein kann als eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit! Die Kommunen sind im Denken weiter als Sie als Landesregierung. (Beifall von der CDU.) Nutzen Sie doch die Gelegenheit. Schaffen Sie ein Landeskinder-Programm für Medizinstudenten. Machen Sie es gemeinsam mit Rheinland-Pfalz, damit wir Ressourcen schöpfen, die es ansonsten gar nicht gäbe. Das ist die Chance, die Sie hier und heute haben. Ich hoffe, die Rheinland-Pfälzer sind klüger als Sie. Ich befürchte, wenn sie es tatsächlich machen, machen sie es am Ende mit Baden-Württemberg, und wir kucken in die Röhre als kleines Saarland, das wirklich eine Bündelung der Kräfte mit anderen gebraucht hätte. - Vielen Dank. (Beifall von der CDU.)

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