Friedrich Josef Dörr
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Saarländerinnen und Saarländer! Inklusion ist Illusion, sage ich aus dem Stegreif. Inklusion übersetze ich auch gleich für die, die nicht wissen, was es bedeutet: Es bedeutet Einschluss. Damit ist hier gemeint, dass man alle Kinder jeglicher Behinderungen oder Neigungen oder Begabungen zu einer Jahrgangsklasse zusammenfügt. Man meint, dann könnte man diese Kinder bestmöglich bilden. Ich habe - Sie wahrscheinlich auch - in den vergangenen Tagen in der Saarbrücker Zeitung einen Bericht über die letzten zehn Jahre Inklusi- (Abg. Dörr (AfD)) on gelesen. Er war vernichtend. Zusammenfassend kam heraus, dass es nichts bringt. Ich habe hier schon vor sieben Jahren vorhergesagt, dass es nichts bringt. Ich habe gesagt, dass es ein Sparmodell ist. Wir kamen ja schon von dieser sogenannten Inklusion. Es geht um die Zeit, als ich Schüler war, also die Vierzigerjahre. Ich war damals Schüler der Volksschule. Zu dieser Zeit waren alle Kinder zusammen in einer Klasse. Das hat für manche Kinder, die Schwierigkeiten beim Lernen hatten, dazu geführt, dass sie später im Leben gescheitert sind. Damals war noch eine böse Regelung gängig. Sie gibt es heute Gott sei Dank nicht mehr. Man hat von unbildbaren Kindern gesprochen und sie von der Schulpflicht befreit. Das muss man sich einmal überlegen. Man hat diesen Kindern das Recht auf Bildung genommen und es mit dem Deckmäntelchen der Befreiung deklariert. Sie sind also von der Schulpflicht befreit worden. Im Laufe der Jahre hat man gesehen, dass manchen Kindern besser geholfen ist, wenn sie eine ihnen angemessene Ausbildung erhalten. Wir hatten im Saarland insgesamt drei Hilfsschulen. Das Ganze wurde dann zu sogenannten Sonderschulen nach verschiedenen Behinderungen beziehungsweise Beeinträchtigungen ausgebaut. Es ist egal, wie man das nennt. Das System hat sich bewährt. Ich war in diesem System an einer Schule für Lernbehinderte tätig. Es gab in all den Jahren kein Kind, das in die Regelschule zurückkehren wollte. Warum ist das so? - Man kann das Kind in der Schule „anfassen“, wie man will, man kann das Tadeln unterlassen, man kann sogar loben, wenn es etwas Falsches sagt, aber das Kind merkt, dass es in der Klasse, in der es ist, nicht mitkommt und das fünfte Rad am Wagen ist. Da können alle Vertuschungsversuche nicht helfen. Erst wenn das Kind in eine Schule kommt, in der auch andere Kinder sind, die ähnliche Schwierigkeiten haben, und plötzlich führend ist, selbst die Karte aufhängen, die Blumen gießen und entsprechende Aufgaben übernehmen darf, somit aufblüht und auch in anderen Bereichen spitze wird, dann kommt das Kind zur Entfaltung, wie es sich eigentlich gehört. Ich habe das über Jahre erlebt und auch gefördert. Bei uns in der Schule hat am Schluss fast die Hälfte der Schüler den Hauptschulabschluss mit sehr guten Noten bestanden. Er wurde nicht bei uns, sondern extern durchgeführt. Das System hat sich bewährt. Es ist aber auch eine Tatsache, dass es Kinder gibt, die eine leichte Behinderung haben, bei denen es sich sozusagen nicht lohnt, in eine entfernte Förderschule zu fahren, um dort unterrichtet zu werden. In solchen Fällen kann das Kind durchaus in der Grund- beziehungsweise Regelschule bleiben. Wenn es von den Förderschulen Unterstützung durch Fachpersonal gibt, kann das gehen. Ich habe dieses System mit aufgebaut. Es hat seine Vorteile. Nachher kamen allerdings viele der Kinder, die zuerst integrativ unterrichtet wurden, in die Förderschulen, weil sie gesehen haben, dass es ihnen dort besser geht. Jetzt komme ich zu den multiprofessionellen Kräften. (Zuruf: Teams.) Ja, es sind Teams, also insgesamt sind es Teams. Wenn sie vor Ort da wären, wäre es ein Fortschritt, aber sie sind ja nicht da. Es sind schon sieben Jahre vergangen und es sind nur sporadische Ansätze von solchen Teams, die zusammengebastelt werden sollen, zu sehen. Sie sind jedenfalls nicht da. Selbst wenn sie da wären, liebe Kolleginnen und Kollegen - ich war selbst Lehrer, habe mit vielen Lehrpersonen gesprochen und habe in meiner Schule Lehrpersonen gehabt -, wäre es so, dass nicht jeder Lehrer in seiner Klasse vier oder fünf Leute rumtanzen haben möchte, die mit verschiedenen Kindern etwas arbeiten. Eine Klasse ist auch so etwas wie eine Familie. Es gibt Intimitäten, ein Schüler sagt dem Lehrer etwas, was er einem Fremden in der Klasse nicht sagen möchte. Es gibt bei Lehrern und Schülern eine gewisse Abneigung gegen fremdes Personal, das in der Klasse ist. Der einfachste Weg, um das zu verbinden, wäre, dass man die Grundschullehrer - das habe ich hier schon einige Male vorgeschlagen - als Sonderschullehrer beziehungsweise Förderschullehrer ausbildet - und sei es nur ein Teil, der dann die anderen Lehrer in der Regelschule beraten könnte. Dann wäre das Problem gelöst und man bräuchte keine Mannschaften antanzen zu lassen, die in der Wirklichkeit gar nicht kommen. Ich könnte noch einiges sagen, aber ich sage nur noch einen Satz, der nicht direkt etwas damit zu tun hat. Hier wird von Inklusion geredet. Wir machen so, als seien wir so inklusiv und einschließend, dabei besteht doch die Schwierigkeit, dass wir eine Gesellschaft sind, die auseinanderdriftet. Heute Morgen ist gesagt worden, dass 40 Prozent aller Haushalte Einpersonenhaushalte sind. Von meiner Jugend her kenne ich so etwas überhaupt nicht. Einpersonenhaushalte gab es nirgends. Wir haben uns daran gewöhnt, dass unsere alten Menschen uns nach einer gewissen Zeit verlassen, weil es in den Familien angeblich oder auch wirklich nicht mehr geht. Sie landen in Altenheimen oder Residenzen - wie man es auch nennt. In der Corona-Zeit sind viele unserer älteren Bürger und Mitmenschen in diesen Heimen alleine gestorben. Das ist auch ein Punkt, den wir beachten müssen, wenn wir für Inklusion sind. Es geht darum, dass wir es wirklich ganz und überall sind, nicht nur unsere Kinder betreffend, wenn es um den Schaden für unsere Kinder geht ‑ ‑
