Réka Klein
Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin! Liebe Saarländer*innen! Liebe Kolleg*innen hier im Hohen Hause! Im Vorfeld möchte ich mich bei meinen Kolleginnen Christina Baltes, Sevim Kaya-Karadağ und Dagmar Heib bedanken, die im Grunde schon sehr gut unseren gemeinsamen Antrag erläutert haben. Wir stehen vor einer Querschnittsaufgabe, die eine gesamtgesellschaftliche arbeitsmarktpolitische und familienpolitische ist und noch viel mehr Facetten hat. In meinen Recherchen zum Internationalen Frauentag - oder wie ich ihn gerne nenne, den feministischen Kampftag - bin ich auf die Historie dieses Tages gestoßen. Eigentlich passt er ganz gut. Er wurde 1911 von Frauen initiiert, die das Frauenwahlrecht eingefordert haben. Mit Erfolg. Das Wahlrecht der Frauen kam 1918. Das Bewusstsein des Ungleichgewichts der Rechte für die Geschlechter hat sich immer und immer weiter vergrößert. Mit dem Schwerpunkt Arbeitsmarkt und Selbstbestimmungsrecht in Bezug auf Abtreibung hat sich der Internationale Frauentag etabliert. Und dann kamen die Nazis, die diesen Tag durch den Muttertag ersetzt haben. Frauenrechte waren kein Thema mehr. Im Mittelpunkt stand die Gebärfähigkeit der Frau. Ich erinnere an das Mutterkreuz. Ab vier Kindern erhielten die Mütter das bronzene, ab sechs Kindern das silberne und ab acht Kindern das goldene Mutterkreuz. Warum sage ich das? - Weil es den feministischen Kampftag nach wie vor braucht. (Beifall von der SPD.) Ich finde es wichtig und klasse, dass wir mit dem Antrag der Alleinregierungsfraktion und der Oppositionsfraktion in gemeinsamer Sache darauf aufmerksam machen, dass Obdachlosigkeit nicht gleich Obdachlosigkeit ist und dass es einen Unterschied macht, ob du als Mann oder als Frau obdachlos bist. Das Ministerium hat mit dem Ziel, Obdachlosigkeit zu bekämpfen und obdachlosen Menschen zu helfen, einen runden Tisch initiiert; vielleicht ist das an Ihnen vorbeigegangen. Ein Ergebnis davon war, dass wir unbedingt ein spezielles Angebot für obdachlose Frauen brauchen, denn auch hier gibt es wieder die Erkenntnis: Eine Frau steht vor besonderen Herausforderungen, wenn sie von Obdachlosigkeit betroffen ist. Gegen patriarchale Strukturen und auf die Bedürfnisse und Herausforderungen aller Geschlechter angepasst, gegen geschlechterbezogene Gewalt - das sind die Grundwerte des Feminismus. (Beifall von der SPD.) Wenn wir uns anschauen, dass wir seit 1911 dafür kämpfen, sind wir nach wie vor nicht weit gekommen. Wir sollten immer - ich betone immer - hellhörig werden, wenn uns jemand den Feminismus absprechen möchte. Nein, an dieser Stelle habe ich mich dagegen entschieden, die ganzen erbärmlichen, antifeministischen und somit menschenverachtenden Parolen der AfD wiederzukäuen. Aber gerne zitiere ich die Extremismusforscherin Julia Ebner, die in den Aussagen der AfD zum Frauenbild historisch problematische Parallelen sieht: „Die Kernessenz dieser Geschlechtervorstellungen des Mannes, der hart und wehrhaft ist, und die Frau, die sanft und hingabevoll ist, ist zutiefst faschistisch. Das zeigt sich in allen Parallelen zu faschistischen Geschlechterideologien, die es in unterschiedlichen Regimen des letzten Jahrhunderts gab.“ Sie zieht das Fazit: „Sowohl die AfD-Programme als auch Aussagen ihrer Abgeordneten legen nahe, dass die Partei die Zeit für Frauen in puncto Gleichberechtigung zurückdrehen möchte.“ Feminismus ist für alle gut. Wo Sexismus ist, ist Faschismus nicht mehr weit. (Beifall von der SPD.) Zum Schluss noch ein letztes Anliegen. Um die Gleichberechtigung der Frau zu erlangen, braucht es die Solidarität von Männern. Zeigt euch solidarisch. Um die patriarchalischen Strukturen abzubauen und die echte Gleichberechtigung aller Geschlechter zu erlangen, müssen wir das Kind beim Namen nennen. Es geht um die Gleichberechtigung aller Frauen, lesbischer Frauen, intersexueller Menschen, nonbinärer Menschen, Transmenschen, asexueller Menschen. Ich nenne auch gerne das Sternchen, das für alle nicht genannten queere Personen steht, die auch Opfer des Patriarchats sind. Zeigt euch solidarisch mit allen LINTA, heute, am feministischen Kampftag als auch an den restlichen 364 Tagen des Jahres für eine geschlechtergerechte Welt. Sei auch du Feministin, denn Feminismus ist für alle gut. (Beifall von der SPD.)
