Dagmar Heib
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Kollegin Christina Baltes, wir haben in bewährter Tradition einen gemeinsamen Antrag auf den Weg gebracht. Auch wenn - ich will jetzt kein Wasser in den Wein gießen - Christina gesagt hat, die SPD-Fraktion hat sich die genannten Forderungen im Antrag überlegt, fand ich es ganz toll, dass unsere Punkte und Themen, die wir zugearbeitet haben, gerade alle explizit genannt wurden. Deshalb denke ich, es ist eine gute Sache, die wir gemeinsam in diesem Antrag vorangebracht haben. (Beifall von der CDU- und SPD-Fraktion.) Wir haben im Saarland verschiedene Angebote, aber es gibt eines, das nur für Frauen da ist, das Elisabeth-Zillken-Haus. Ich denke, das sollte an der Stelle genannt werden, weil es seit Jahren eine gute Arbeit macht, weil es Frauen Rückhalt und Beratung bietet und hilft, in Wohnraum, in eine eigene Wohnung, in geschützte eigene Räume zu kommen. Ich denke, das sollte gesagt werden. Wir haben auch andere: Das Bruder-Konrad-Haus ist offen für Männer und Frauen. Christina Baltes hat ausgeführt, dass gerade Frauen oft aufgrund von Gewalterfahrungen in ihrem Leben in Wohnungslosigkeit oder Obdachlosigkeit kommen. Es ist ganz wichtig festzustellen, dass es für diese Frauen dann oft schwer ist, in Räumlichkeiten und Häusern unterzukommen, wo sie mit Männern die Gemeinschaftsräume teilen müssen. Denn die Gewalt, die sie in ihren Lebenssituationen erfahren, geht oft von Männern aus. Von daher ist es ganz wichtig, darauf zu achten und frauenspezifische Angebote zu machen. Christina hat diese Angebote genannt. Insbesondere in Zusammenhang mit Beratungssituationen sind es tagestrukturierte Angebote. Wichtig ist, dass dort Rückzugsmöglichkeiten für die Frauen sind, damit sie sich vielleicht erst mal erholen können, vielleicht erst mal ausschlafen können. Auch insbesondere für die Frauen, die Kinder haben, müssen Angebote da sein, es muss Kinderbetreuung geleistet werden können. All das ist in diesem Feld wichtig und das brauchen wir, um den Frauen in der Situation helfen zu können. Wir haben die Gründe gehört, es sind oft gesundheitliche Gründe. Dann kommt natürlich auch die Frage der Armut hinzu, die bei den Frauen eine Rolle spielt. Da möchte ich noch einen Aspekt ansprechen: Gerade durch Corona haben wir erfahren müssen, dass die Zahlen gestiegen sind. Denn während Corona hat es leider stattgefunden, dass viele geringfügige Beschäftigungen, in denen insbesondere Alleinerziehende gearbeitet haben, weggefallen sind. Gleich- (Abg. Heib (CDU)) zeitig kam hinzu, dass die Alleinerziehenden zu Hause allein auf sich gestellt die Kinderbetreuung übernehmen mussten. All das hat, glaube ich, vielleicht auch dazu geführt, dass eine verschärfte Armutssituation gerade bei Frauen in sozial angespannten Situationen entstanden ist und dass die Wohnungslosigkeit beziehungsweise versteckte Obdachlosigkeit oder auch die offene Obdachlosigkeit zugenommen haben. Die Zahlen liegen bei einem Viertel bis einem Drittel, sagt man. Man spricht von bundesweit circa 10.000 Frauen, die betroffen sein sollen. Aber das sind alles nur gegriffene, keine zu 100 Prozent belegten Zahlen, die genannt und erfasst werden. Hier gibt es eine große Dunkelziffer. Lassen Sie mich noch einen Punkt ansprechen, der ebenfalls angeklungen ist. Wir haben genannt, was Ursachen sein können, dass Frauen in diese Situation kommen. Deshalb, so denke ich, muss die Stoßrichtung unserer Frauenpolitik, die für uns auch unumstößlich ist, sein: Wir müssen Frauen helfen, damit ihnen ihr Menschenrecht, ein unabhängiges, selbstbestimmtes Leben führen zu können, ermöglicht wird. Da gehört es natürlich dazu, dass wir von klein auf die Mädchen stark machen, damit sie in ihrem Leben bestehen können. Dazu gehören die Fragen von Kinderschutz und sexuellem Missbrauch. All diese Themen fallen in dieses Gebiet. Es geht darum, dass wir junge Menschen insgesamt, aber insbesondere Frauen stark machen. Sie müssen ja nicht nur nachher in unserer Gesellschaft bestehen können, sondern das sind die Personen, die unsere Gesellschaft in der Zukunft tragen werden. Da gibt es für uns kein Wenn und Aber: Das muss weiter Ausrichtung unserer Politik, insbesondere unserer Frauenpolitik, sein. Wir müssen die Frauen unterstützen, wir müssen Angebote schaffen, damit sie Berufe erlernen können, damit sie überhaupt Bildung erlangen und sich ihr Leben selbst gestalten können, damit sie unabhängig werden und sein können, auch in der Frage der finanziellen Situation, und damit sie vielleicht auch emotionale Unabhängigkeit erreichen. Es ist schön, eine emotionale Abhängigkeit zu haben zu den Menschen, die ich liebe. Da sind wir uns alle einig, denke ich. Das ist für uns alle Familie. Aber leider gibt es für viele Menschen, insbesondere Frauen, oft emotionale Abhängigkeiten, die nicht gut sind, die einem das Leben leider schwermachen, die es manchmal zerstören. Ich denke, wir sollten weiter miteinander unterwegs sein, diesen Menschen, insbesondere den Frauen und ihren Kindern, zu helfen. - Vielen Dank. (Beifall von der CDU und der SPD.)
