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Reinhold Jost

13.03.2024 Sitzungen 17/23

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es fällt mir schwer, mich angesichts des zugrunde liegenden Themas und des Tenors, der hier an der einen oder anderen Stelle eingebracht wurde, wirklich strikt an dem zu orientieren, was ich vorhatte, nämlich den Appell an alle zu geben: Freut euch doch einfach mal darüber, dass es uns gelungen ist, die größte Sportveranstaltung mit Inklusionsaspekt, die das Saarland je hatte, ins Saarland zu holen. (Beifall von der SPD.) Freuen Sie sich einfach nur mal. Das sage ich auch dem Kollegen Waldraff; Sie haben direkt damit angefangen: Das war ja schon vor 14 Tagen im Ausschuss, muss das hier noch mal angesprochen werden? - Ich kann mich gar nicht oft genug darüber freuen, dass es dem LSVS, Special Olympics Saarland und dem Land gelungen ist, diese Spiele ins Land zu holen, weil das eine einmalige Chance ist und weil man gar nicht oft genug darüber reden kann, was das bedeutet für die Menschen, die diesen Sport mit uns gemeinsam zelebrieren, diese Freude zum Ausdruck bringen zu können. Was das für ein Quantensprung für unser Land ist, darüber kann ich mich gar nicht oft genug freuen. Und ich sage es Ihnen, vielleicht fällt es Ihnen dann ein bisschen leichter, sich zu freuen: Das sind nicht meine Spiele. Ich habe versucht, meinen Beitrag dazu zu leisten. Dort vorne sitzt Alex Indermark, einer der Motoren. Es waren Leute wie Joachim Tesche, Johannes Kopkow und Constanze Göbel vom LSVS. Es waren unsere drei Helden, die auf dieser Broschüre abgebildet sind, die mich dazu getrieben haben, dies aus Überzeugung zu machen. Wenn es Ihnen hilft, sich mehr darüber zu freuen, wenn Sie mich nicht damit in einem Atemzug nennen müssen, machen Sie das. Aber freuen Sie sich doch darüber! Das ist doch jetzt nichts, was man kleinreden soll. (Beifall von der SPD.) Ich sage das auch dem kopfschüttelnden Kollegen Wagner: Ich habe schon viel kleines Karo gehört, aber das hier war wirklich stark, man könnte wirklich überlegen, auch das mal in einen Wettbewerb aufzunehmen. Da hätten Sie ganz große Chancen, die Goldmedaille zu kriegen! (Beifall von der SPD.) Das, was Sie hier abgeliefert haben, war ein Sammelsurium von Haar-in-der-Suppe-Suchen, das habe ich so noch nie erlebt. Freuen Sie sich doch einfach! (Der Redner hält ein Heft hoch und zeigt auf eine darin enthaltene Karte.) Das ist für mich völlig unverständlich, wenn man doch die Abläufe kennt - ich könnte sie jetzt vorlesen. Die Abläufe waren spätestens im vergangenen Jahr bekannt, als diese Karte in der Saarbrücker Zeitung abgebildet wurde, und als Mitglied im saarländischen Landtag waren sie spätestens im Oktober bekannt, als die Papiere im Innenausschuss verteilt wurden und genau diese Karte enthalten war. Ich könnte dazu übergehen und sagen, was mir der eine oder andere gesagt hat: „Do woren Leut dabei, die han nett dadran geglaubt, dass es klappt. Die han nett dadran geglaubt, dass es das Saarland schafft, in diesem Wettbewerb erfolgreich rauszugehen und wollte sich keiner Mühe unterziehe“. Aber nachher, als es geklappt hat, dann sagen: „Hallo, wir sind auch noch da!“, diese Argumentation ist mir nicht zu eigen. Ich sage Ihnen nur, wie in anderen Teilen des Landes darüber geredet wird. Ich habe auch dem Oberbürgermeister der von Ihnen so geschätzten Stadt Merzig sehr deutlich gesagt, dass die Tür sperrangelweit für alle offen ist. Wir haben ein Angebot für von uns geförderte über 20 Sportarten abgegeben. Das ist gemacht worden, das Best-of, damit wir mit dieser Geschichte tatsächlich überzeugen. Wir gehen nicht nach irgendwelchen Begehrlichkeiten oder Erwartungshaltungen vor, damit sie alle dabei sind und nachher die Qualität der Bewerbungen eventuell nicht die ist, die wir gerne hätten. Wir haben aber auch ausdrücklich gesagt, das ist nicht in Stein gemeißelt. Das war im Übrigen bei allen Bewerbungen auch in anderen Ländern der Fall. Es werden sich an der einen oder anderen Stelle zusätzlich Möglichkeiten ergeben, sich im Saarpfalz-Kreis, in Merzig-Wadern für Sportarten, die wir jetzt noch gar nicht kennen, zu bewerben. Wir fangen jetzt an. Freut euch doch darüber, dass es möglich ist und sucht nicht das Haar in der Suppe und macht einen auf kleinkariert! Das ist mir echt zuwider. (Beifall von der SPD.) Ich sage das auch angesichts der Personen, die heute hier sitzen. Diese Kritik ist auch ein Schlag ins Gesicht derer, die bei Special Olympics Saarland oder beim LSVS sich dieser Mühe unterzogen haben. Das haben die doch nicht gemacht, um irgendeinem anderen „Neimerder“ gegenüber anzugeben. Wir machen das, weil wir Interesse am Erfolg haben. Ich bin mal gespannt, ob diejenigen, die uns jetzt auffordern, wir sollten diese Aufgabe mit viel Manpower und Arbeit übernehmen, nachher auch dabei sind, wenn es darum geht, es selbst mit zum Erfolg zu machen. Ich bin mal gespannt! Ich sage es in aller Deutlichkeit: Wir haben hier eine Chance, um die uns andere beneiden. Jetzt kann man sich vor Augen führen, wie die Reaktion gewesen wäre, wenn es nicht geklappt hätte. Wahrscheinlich hätte man dann einen Untersuchungsausschuss eingesetzt. (Heiterkeit bei der SPD.) Ich möchte, dass am Ende alle sagen, es war nicht nur die richtige Entscheidung, es hat unser Land nach vorne gebracht. Natürlich haben wir ein Interesse daran, dass die Sportstätten auch in Wert gesetzt werden. Natürlich haben wir ein Interesse daran, dass das in einem Konzept läuft, damit möglichst alle mitgenommen werden. Michael Schmaus sitzt hier, wir haben im letzten Jahr bereits damit begonnen, er damals in einer anderen Funktion, uns mit den Vereinen und Verbänden auszutauschen. Wir haben ein Interesse daran, dieses Projekt mit dem Bildungsministerium, dem Umweltministerium und dem Sozialministerium zu einem großen Erfolg zu machen, und zwar nicht nur aus sportlicher Sicht, sondern auch mit Blick auf kulturelle und Bildungsinhalte, die wir vermitteln, damit die Menschen in diesem Land von früh an ein anderes Menschenbild bekommen. Diese besonderen Menschen, die hier ihre Spiele haben werden, sollen ein unvergessliches Erlebnis haben, genau wie wir auch. Wir lassen auch niemanden außen vor. Egal, ob in Merzig-Wadern oder im Saarpfalz-Kreis, jeder wird die Möglichkeit haben, Sport, kulturelle Angeboten, vor allen Dingen auch Projekte anzubieten, bei denen die Menschen merken, es geht nicht nur darum, ein Event zu veranstalten, sondern wir machen es als Herz- und Verstandesthema, das wir als handlungsleitend empfinden, und nicht, weil wir jetzt gerade den Zuschlag bekommen haben. (Beifall von der SPD.) Lassen Sie mich an dieser Stelle sehr deutlich zum Ausdruck bringen: Die Arbeit fängt jetzt an! Morgen haben wir die erste Schalte mit Special Olympics Deutschland, bei der es um die ganz konkreten organisatorischen Dinge geht. Ich werde mich auch nicht zurückhalten, nach dem Motto: Die Bewerbung war erfolgreich, jetzt sollen die anderen die Arbeit machen. Nein, ich habe ein eigenes Interesse daran, dass die Landesregierung an vorderster Stelle sichtbar und vor allen Dingen als verlässlicher Partner wahrgenommen wird. Deswegen haben wir einen Ministerratsbeschluss für die finanzielle Absicherung. Ich bin dem Finanzminister genauso wie der Ministerpräsidentin sehr dankbar, dass 2 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden, um die geforderten finanziellen Rahmenbedingungen abzusichern. Das werden wir tun. Ich bin auch sehr dankbar, lieber Kollege Schäfer, in Bezug auf die Debatten der vergangenen Wochen und Monate, dass es ein großes Einvernehmen gibt und die Finanzierung dieses Events gar nicht in Frage gestellt wird. Ich habe im Innenausschuss dem Kollegen Vorsitzenden - Ist er da? Ja, er ist da! - ausdrücklich angeboten, Vertreter des Landtages in den Lenkungskreis aufzunehmen, damit Sie auch in diesem Prozess eingebunden sind. Das mache ich doch nicht, weil ich irgendetwas zu verheimlichen habe, weil ich irgendjemand ausgrenzen möchte. Nein, ich mache das, weil ich dieses Thema als die große Chance für unser Land in Gänze sehe. Das lasse ich mir auch nicht kleinreden, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall von der SPD.) Das gilt auch für den SSGT und den Landkreistag. Ich hatte in der vergangenen Woche die Gelegenheit, mit der Landrätin des Landkreises Merzig-Wadern darüber zu reden und gehe jetzt genau in die Bereiche rein, wo ich die Mitmacherinnen und Mitmacher brauche, in den Städte- und Gemeindetag, in den Landkreistag. Dort werde ich genau diese Debatten führen: Die Tür ist auf. Ich könnte es verstehen, wenn wir eine Situation hätten, dass nichts mehr geht, wir haben aber jetzt mit der erfolgreichen Bewerbung überhaupt erst mal die Grundlage dafür geschaffen, dass diese Spiele tatsächlich hier stattfinden können. Deswegen meine ganz große Bitte: Lasst uns dieses Thema zusammenführen und mit dieser Diskussion dafür sorgen, dass es ein großes Mitmachfest wird, für alle, auch für diejenigen, die jetzt schon ein großes Interesse daran haben, weil sie aus den Verbänden und den Organisationen kommen und wir sie bei der Unterstützung in der Infrastruktur brauchen, ob das Hilfsorganisationen sind wie Feuerwehr, THW, ob das die Kameradinnen und Kameraden vom DLRG oder vom DRK sind. Wir haben ein Interesse daran, dass alle mit dabei sind. Wir haben aber auch ein Interesse daran, diejenigen dazu zu bringen, die vielleicht noch gar nichts mit dem Thema zu tun hatten, Azubis aus den Betrieben, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Firmen und Verbänden, die sagen: Ich würde gerne Helferin und Helfer, Volunteer sein, ich würde das gerne miterleben. Sie sind alle eingeladen. Es ist für uns auch eine Möglichkeit, mehr Unterstützer zu bekommen, als wir es ohne diese Spiele je hätten hinbekommen können. Ich bin dankbar, stolz, aber vor allen Dingen auch froh darüber, dass wir mit dieser Diskussion jetzt Fahrt aufnehmen. Es gibt eine ganze Reihe von Menschen, die mich bei den unterschiedlichsten Veranstaltungen ansprechen und fragen: Wie kann ich euch helfen? Es gibt Firmen, die sich an uns wenden und sagen: Das ist uns etwas wert, entweder in Form einer finanziellen Unterstützung oder indem wir uns als Unternehmen einbringen, lasst uns wissen, wie wir helfen können. Ich finde das großartig und bin selbstkritisch unterwegs, aber an der Stelle sollten wir das Ganze nicht kleiner reden, als es tatsächlich notwendig ist. Es ist eine große Chance. Ich habe insbesondere in Bezug auf die Mannigfaltigkeit, die wir an den sechs Tagen im Juni 2026 im ganzen Saarland erleben werden, große Hoffnung, nein, ich bin mir absolut sicher, dass noch keiner richtig weiß, was das an Chancen auch für ihn mit sich bringt. Deswegen ist es etwas Großartiges, diese Wertschätzung gegenüber den Menschen, um die es in erster Linie geht, mit der Wertschöpfung zusammenzubringen. Wenn der DEHOGA, wenn die Tourismuszentrale, wenn die IHK, wenn andere ungefragt von sich aus dieses Thema bejubeln und sagen, das ist eine große Chance, dann sollten wir sie in dieser Auffassung bestärken. Das ist auf jeden Fall meine Überzeugung, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall von der SPD.) Ich habe großes Verständnis dafür, wenn man im politischen Diskurs Chancen nutzt, um sich zu profilieren. Ich habe aber ein großes Problem damit, wenn man es auf Teufel komm raus macht und ohne Rücksicht darauf, was das gegebenenfalls an anderer Stelle an Verwerfungen mit sich bringt. Ich stelle mich der Diskussion. Ich werde auch in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren nicht müde, dieses Thema als Überzeugungstäter anzugehen. Ich mache das auch, weil ich darüber hinaus die große Chance sehe, dass wir unsere drei Helden, die wir im letzten Jahr mit Blick auf ihre Erfolge hatten, Anna-Lena, Steve und Christoph, als Galionsfiguren haben werden, die zeigen, was man als besonderer Mensch leisten kann, nicht nur mit Blick auf sportliche Ergebnisse, sondern auch auf das, was man an purer Freude, an Herzlichkeit und Mitmenschlichkeit anderen übermitteln kann. Diese besonderen Menschen können uns mit dieser tollen Veranstaltung im gesamten Land einen großen Schritt nach vorne bringen. Ich bin mir sicher, dass wir in den kommenden Monaten viel Arbeit haben. Aber wir werden noch eines viel mehr haben: viel Freude und Stolz. Ich bin es jetzt schon. - Vielen Dank für die Aufmerksamkeit und die Unterstützung. (Beifall von der SPD.)

Alle Reden von Reinhold Jost Protokoll ↗