Alwin Theobald
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Für mich ist es eine Ehre, heute zur Verfassung sprechen zu dürfen. Für mich ist unsere Verfassung nicht nur ein Anhängsel eines Grundgesetzes, sondern ein Selbstverständnis der Gesellschaft im Saarland. Für mich ist es etwas Besonderes, wenn es auch für die AfD nicht so scheint. (Beifall von der CDU und der SPD.) Ungeachtet dessen möchte ich noch auf das eigentliche Thema, zu dem ich sprechen wollte, eingehen. Es geht um die besondere Bedeutung der Auslegung des Nachhaltigkeitsbegriffs im Sinne der Brundtland-Kommission. Die Brundtland-Kommission definierte Nachhaltigkeit als eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können. - Diese Definition legt den Grundstein für eine umfassende Betrachtung, wie wir die Ressourcen unserer Erde nutzen können, um sie auch für kommende Generationen zu erhalten. Genau das wollen wir in der Begründung unserer Verfassungsänderung klarstellen und besonders betonen. Nachhaltiges Handeln im Hier und Jetzt muss immer unsere Verantwortung gegenüber kommenden Generationen im Blick haben. Das gilt in allen Bereichen unseres täglichen Lebens. Es gilt in der Industrie, in der Wirtschaft, bei der Verwendung längst etablierter Technologien sowie bei der Entwicklung und Verwendung neuerer Technologien. Nachhaltigkeit darf keine Worthülse oder leere Überschrift sein. Ein gutes Beispiel dafür ist unsere saarländische Landwirtschaft. Gerade in der Landwirtschaft ist die Auslegung dieses Begriffs von entscheidender Bedeutung. Landwirtschaftliche Praktiken können einen erheblichen Einfluss auf die Umwelt haben, sei es durch den Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln, Bodenerosionen oder den Verlust von Biodiversität. Eine nachhaltige Landwirtschaft berücksichtigt diese Auswirkungen und strebt danach, die natürlichen Ressourcen zu erhalten und zu schützen sowie die Produktion langfristig sicherzustellen. Wer sich intensiv mit der Landwirtschaft und der täglichen Arbeit unserer Landwirte beschäftigt, erkennt schnell, mit welch großer Verantwortung sie schon jetzt die Nachhaltigkeit im Blick haben. Die Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln und synthetischen Düngemitteln sowie nachhaltige Anbaumethoden, Blühstreifen auf den Äckern, Fruchtwechsel und Zwischenfrüchte zum Schutz vor Bodenerosion und zum Aufbau der Humusschicht - das alles steht in unseren landwirtschaftlichen Betrieben nicht erst seit gestern auf der Tagesordnung, ganz im Gegenteil, es hat sich über Generationen entwickelt. Das habe ich gestern schon gesagt. Unsere Landwirte denken nicht in kurzen Zeiträumen. Sie denken in Generationen beziehungsweise über Generationen hinaus, überliefern Althergebrachtes und verändern sich, entwickeln sich weiter und benutzen neue Technologien, um Ackerbau noch besser zu machen. Deshalb weiß niemand besser als unsere Bäuerinnen und Bauern, wie sehr die Belastung der Umwelt durch die Reduzierung chemischer Pestizide und synthetischer Düngemittel verringert und die Biodiversität gefördert wird. Niemand weiß besser als sie, dass es noch nicht ganz ohne geht, wenn die Nahrungsmittelsicherheit weiterhin im Mittelpunkt stehen soll und völlige Ernteausfälle oder giftige Stoffe in unseren Lebensmitteln beispielsweise durch Pilzbefall vermieden werden sollen. Niemand weiß besser als sie, wie sehr die Diversifizierung von Anbaukulturen und Fruchtfolgen zur Erhaltung der Bodengesundheit beiträgt und das Risiko von (Abg. Theobald (CDU)) Ernteausfällen durch Schädlinge oder Krankheiten mindert. Es ist gelebte, nachhaltige landwirtschaftliche Praxis, nicht nur in Biobetrieben, sondern längst auch im konventionellen Bereich. Trotzdem ist es richtig, den ökologischen Landbau in besonderer Weise zu fördern. Nachhaltiges Handeln bedeutet aber auch, die Zukunft unserer Landwirtschaft zu sichern und dafür zu sorgen, dass Betriebe Nachfolger finden und der gigantische Investitionsstau, der vielfach durch unstetes politisches Handeln entstanden ist, aufgelöst wird. Indem wir die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft fördern, investieren wir nicht nur in die Zukunft unserer Nahrungsmittelproduktion, sondern auch in die langfristige Gesundheit unseres Planeten. Es liegt in unserer Verantwortung, sicherzustellen, dass wir die Bedürfnisse der heutigen Generation erfüllen, ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen zu gefährden. Deshalb bitte ich um Unterstützung für diesen wichtigen Beitrag zur Verfassungsänderung. - Vielen Dank. (Beifall von der CDU und bei der SPD.)
