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Jutta Schmitt-Lang

CDU 06.02.2024 Sitzungen 17/22

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Kollegin Kaya-Karadağ hat es angesprochen: In der vergangenen Woche hat der Bund das Startchancen-Programm auf den Weg gebracht. Rund 40 unserer mehr als 300 saarländischen Schulen, so genannte Brennpunktschulen, werden dabei in den kommenden Jahren von Bundesmitteln profitieren. Das ist zunächst einmal positiv, ein richtiger Schritt, auch wenn neben anderen Kritikpunkten der Hauptkritikpunkt bleibt, dass diese Startchancen eben nur punktuell und nicht in die Fläche wirken. Es ist aber richtig und wichtig, dass der Bund sich gedanklich mit den Startchancen in Deutschland befasst. Warum ich das jetzt hier anfüge? Weil es umso dringlicher wäre, dass sich auch die Landesregierung und die Mehrheitsfraktion endlich ernsthaft um die Startchancen aller Kinder im Saarland kümmern würden. Die Sprache ist Fundament für gleiche Startchancen, Sprache ist der Schlüssel für Bildungserfolg. Unser Antrag ist somit ein echtes Startchancen-Programm, um im Saarland in der Fläche die Bildungschancen für Kinder von Völklingen bis in den Bliesgau, von Merzig bis nach Neunkirchen zu verbessern. Überall, in allen Schulen in unserem Land gibt es Kinder mit unzureichenden Sprachkenntnissen, deren Lebenszeit die Politik vergeudet, deren Startchancen die Politik verspielt, wenn sie nicht endlich mit konkreten Maßnahmen ein Umdenken in der Sprachförderung aufs Gleis setzt. Liebe Kollegen der SPD, alles, was Sie den Kindern und Eltern und Lehrern heute in diesem Antrag mitgeben wollen, ist zusammengefasst die Botschaft: Wir werden die großartige Arbeit der Landesregierung weiter fortführen. - Ehrlich? Falls noch jemand einen zündenden Witz für eine Karnevalsveranstaltung braucht, hier wäre er. (Zuruf: Achtung!) Die Zahlen sprechen doch für sich. Auf meine Anfrage an die Landesregierung, Kollege Wagner hat es angeführt, wurde mitgeteilt: Wir haben im Jahr 2022/2023 2.257 Erstklässler, nur Erstklässler, mit unzureichenden Deutschkenntnissen. Das ist eine ganz andere Ausgangssituation als in den Siebziger- oder Achtzigerjahren. Wenn also so viele Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen im Saarland eingeschult werden, dann muss doch endlich ein Umdenken stattfinden, dann brauchen wir ein saarländisches Startchancen-Programm. Kollege Wagner hat Hamburg, Hessen und Co. angesprochen, aber was ist denn die Realität im Saarland? Meine Tochter kommt im Sommer in die Schule. Die Schuleingangsuntersuchung fand kurz vor Weihnachten statt. So geht es dann auch anderen Kindern, auch den Kindern, die (Abg. Schmitt-Lang (CDU)) dringend Unterstützung in Deutsch oder in anderen Bereichen brauchen. Das ist doch zu spät, ein halbes Jahr vor dem Beginn der Schule anzufangen, zu gucken, was an Förderbedarf da ist! Und dann folgt auch nichts Verbindliches aus den festgestellten Problemen. Wenn keinerlei verbindliche Konsequenzen vorgesehen werden, dann verspielen wir die Startchancen unserer Kinder. Die SPD rennt bei der Sprachförderung schon lange ideologisch in die falsche Richtung, gegen alle Rufe aus der Praxis, okay, aber die Ministerin ist seit Kurzem Vorsitzende der Kultusministerkonferenz. Die Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK), so etwas wie hier der Expertenrat, lässt doch keinen Zweifel daran, dass Sie im Saarland auf dem Irrweg sind. Die SWK hat den Ländern nach einer zwingend notwendigen Testung ins Stammbuch geschrieben - ich zitiere mit Ihrer Erlaubnis, Frau Präsidentin -: „Ein Förderbedarf muss grundsätzlich in eine verbindliche Förderung münden, auch für Kinder ohne institutionelle Betreuung.“ - Und die fallen gerade völlig durchs Netz. (Beifall von der CDU.) Deshalb ist für uns klar: Wir brauchen frühe Testung, verbindliche Sprachförderung, passgenaue Programme wie „Früh Deutsch lernen“ und Willkommensklassen bei den älteren Schülern, kurz, wir brauchen einen Kurswechsel in der Sprachförderung, andere Bundesländer machen es vor. Machen Sie sich doch endlich ehrlich. Das Sprachbad, von dem Sie immer wieder sprechen, wir haben es auch heute wieder gehört, und in dem man quasi von selbst Deutsch lernt, weil man am Schulmorgen in der deutschen Sprache badet, funktioniert nur, wenn genug deutsches Badewasser am Morgen zu hören ist, wenn das Blubbern auch wirklich in einer Sprache ist, die nachgeahmt werden kann. Wenn wir aber verschiedene Sprachen haben, die alle ihre Berechtigung haben, die alle wichtig und wertvoll sind, wie soll dann ein Sprachvorbild daraus abgeleitet werden? Es macht doch die Gruppengröße aus, es macht die Zusammensetzung aus, aber wenn wir Klassen haben, in denen eben nur noch 20 Prozent der Kinder wirklich gutes Deutsch sprechen, dann ist es schwierig, einfach aus dem Bad heraus etwas zu lernen. Der sprachsensible Unterricht, die Monstranz, die Sie vor sich hertragen, ist schön und gut, wenn es aber um die Alphabetisierung von Kindern geht, dann reicht das einfach nicht. In anderen Bundesländern sind auch sozialdemokratische Bildungsminister längst pragmatisch unterwegs und setzen genau die Dinge um, die wir heute in unserem Antrag vorlegen, diesen Kindern zuliebe, damit sie echte Startchancen haben. (Beifall von der CDU.) Was mich wirklich ärgert, ist dieses ständige Schwadronieren von der Separation, auch in Ihrem Antrag. Wenn Ihnen die Argumente ausgehen, dann kommt diese verbale Keule, um die Diskussion im Keim zu ersticken. Hier wäre ein wenig Zurückhaltung geboten, denn ganz ehrlich, da draußen versteht kein Mensch, warum es den Kindern schaden soll, wenn sie einige Wochen gezielt in Deutsch gefördert werden. Das versteht kein Mensch auf der Straße in Blieskastel, in Völklingen oder in Limbach, niemand! (Beifall von der CDU.) Mir geht es schließlich nicht um eine Isolierstation, sondern um ein Förderprogramm. Ich hatte fast gehofft, dass Sie heute die Förderung und Fortbildung zur Stärkung der basalen Kompetenzen ansprechen. Frau Kaya-Karadağ, haben Sie mal mit Kolleginnen und Kollegen gesprochen, die diese Fortbildung gerade besuchen? Das bedeutet, dass ein ganzer Schultag einer ganzen Schule ausfällt, einer Grundschule, weil das gesamte Kollegium hingeht. Das kann durchaus sinnvoll sein. Dort haben die Kolleginnen und Kollegen in der letzten Woche solche tollen Dinge gemacht wie - ich lese mal vor -: das Eierschachtelmemory, Schnapp den Sack, Schnipp Schnapp und Stechen. - Ehrlich, das sind Dinge, das hat man vielleicht mal während des Studiums gemacht, aber gestandene Lehrer kommen sich veräppelt vor, wenn man ihnen sagt: Damit könnt ihr rausgehen und die Situation vor Ort in den Schulen retten. (Beifall von der CDU.) Oder es kommt die Empfehlung: Dieses Linguistik-Buch empfehle ich, lesen Sie sich das mal durch. - Entschuldigung, das haben Lehrerinnen und Lehrer in ihrem Studium gemacht, das brauchen sie nicht 20 Jahre später noch mal erzählt zu bekommen. Wenn man an dem Tag wirklich sinnvolle Sprachförderung hätte machen wollen, hätte man besser fünf Stunden Deutsch in der Schule unterrichtet, dann wäre allen geholfen gewesen. (Beifall von der CDU.) Dieses Beispiel zeigt, es geht nicht um die Realität, es geht nicht um die Probleme vor Ort, es geht um das Schaufenster, um das, was schön klingt, was man gut verkaufen kann. Wenn Sie aber ernsthaft mal zuhören und vor Ort gehen, sich angucken, was dort passiert, werden Sie sehen, das geht an der Realität der Menschen, der Lehrerinnen und Lehrer, vor allem der Kinder vor Ort vorbei. In Wahrheit separieren Sie! Wenn Sprachförderung weiter scheitert, dann separieren Sie die Menschen nicht für ein paar Wochen in einem Förderunterricht, sondern auf (Abg. Schmitt-Lang (CDU)) Jahre von echter gesellschaftlicher Teilhabe. Das haben Sie dann zu verantworten! (Beifall von der CDU.) Deshalb ist es nie zu spät, auch wenn man ganz lange auf der falschen Fahrspur unterwegs ist, irgendwann einen Wendepunkt zu suchen. Auch wenn Ihr Schatten bei diesem Thema unfassbar lang ist, springen Sie drüber und stimmen Sie unserem Antrag mit den konkreten Maßnahmen zu. Setzen Sie auf bessere Startchancen für unsere Kinder. All das, was Sie genannt haben, kann man durchaus machen, aber es reicht nicht, denn Eigenlob und ein „Weiter so!“, das ist nicht mehr genug! - Vielen Dank. (Beifall von der CDU.)

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