Friedrich Josef Dörr
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Meine beiden Vorredner waren sich ja in einem einig, nämlich dass es ganz wichtig ist, dass die Kinder, die unsere Schulen besuchen, Deutsch lernen. Herr Wagner hat dann noch angefügt, dass sie natürlich auch lesen und schreiben lernen müssen. Es sind verschiedene Konzepte vorgetragen worden. Ich kann Ihnen sagen, ich habe auf diesem Gebiet einschlägige Erfahrung, jahrzehntelange Erfahrung! Dieses Problem ist ein ständiges Problem. Es ist nicht erst entstanden, als unsere Gastarbeiter zu uns nach Deutschland kamen, sondern das war schon ein Problem meiner Generation. Es ist bis heute ein Problem, denn unsere Kinder reden zum großen Teil Mundart. Als ich ein Kind war, hat man weder Radio noch Fernsehen gehabt, da hat man die hochdeutsche Sprache in der Kirche gehört und sonst nirgends. Das heißt also, ich selbst als Schüler musste Hochdeutsch in der Schule lernen, und das war überhaupt kein Problem, weil die Lehrpersonen damals den heute verpönten Frontalunterricht durchgeführt haben. Das heißt, sie haben sehr viel gesprochen. Und weil sie sehr viel gesprochen haben, hat man sehr viel Sprache mitbekommen. Es hat nicht lange gedauert, da hat man gewusst, dass der „Drilles“ der Kreisel ist und die „Schlappe“ halt Pantoffel heißen. Damit war das ohne Schmerzen erledigt. In meiner Schule in Saarlouis, wo ich viele Kinder, zuerst aus Italien, später aus der Türkei und dann noch später aus dem Kosovo, aufgenommen habe, war das auch kein Problem. Ich gebe allerdings zu, dass sie nicht massenweise aufgetaucht sind, sondern nacheinander, sodass sie immer in die normalen Klassen integriert wurden und am normalen Unterricht teilgenommen haben. Es hat nie länger als ein Jahr gedauert, bis diese Kinder genau wie die anderen Kinder aus Saarlouis Platt und auch Hochdeutsch gesprochen haben. Es ist also, glaube ich, nicht eine Aufgabe des Ministeriums, sondern es ist eine Aufgabe der Schule, das zu organisieren. Was das Ministerium machen muss, ist, die nötige Anzahl an Lehrpersonen und überhaupt an Personen, die da mitarbeiten, bereitzustellen. Das ist es im Wesentlichen, aber ansonsten ist es Aufgabe der Schule. Ich sage mal ein praktisches Beispiel: Wenn fünf italienische Kinder zu mir in die Klasse kamen, habe ich sie natürlich nicht nebeneinandergesetzt, denn dann hätten sie ja Italienisch miteinander gesprochen, sondern ich habe sie auseinandergesetzt. Dann mussten sie (Abg. Dörr (AfD)) mit ihren Nachbarn Deutsch sprechen; das hat 14 Tage gedauert, dann haben sie das auch gemacht. Das heißt also, es ist eine Organisationsfrage vor Ort mit dem Ziel, dass die Kinder alle Deutsch lernen. Das klappt in jedem Fall. Wenn es sehr viele Kinder sind - das habe ich nicht selbst erlebt, das ist ja erst in den letzten Jahren der Fall gewesen -, dann muss die Schulleitung das so organisieren, dass sie nicht alle in einer Klasse sitzen. Dann muss das so organisiert werden, dass die deutsche Sprache die vorherrschende Sprache ist. Dann helfen die Schüler ihren Mitschülern, Deutsch zu lernen. Ich bin 1944 in die Schule gekommen und die Lehrpersonen haben nur Hochdeutsch gesprochen. Als ich später in die Ausbildung kam, meine zweite Ausbildung in Baden-Württemberg, habe ich gestaunt, dass es dort eine Diskussion gab, ob man den Unterricht in Schwäbisch durchführt oder in Hochdeutsch. Man hat sich dann geeinigt: Im Fach Deutsch reden wir Hochdeutsch, aber in den anderen Fächern dürfen wir weiter Schwäbisch reden. Das war für uns Saarländer ungeheuerlich, weil bei uns in der Schule immer Hochdeutsch gesprochen wurde. Ich selbst bin ein Verfechter der Mundart, das wissen Sie, aber in der Schule habe ich nie Mundart gesprochen, das habe ich den Kindern auch erklärt. Ich habe auch meine Lehrer darauf hingewiesen, wenn sie gemeint haben, sie müssten mit den Schulanfängern auf leutseliger Basis in Mundart sprechen, dass die Schule ihre einzige Möglichkeit ist, Hochdeutsch zu lernen und dass die Lehrer dafür bezahlt werden, den Kindern die hochdeutsche Sprache zu vermitteln. An meinen Schulen, die ich geleitet habe, ist im Unterricht Hochdeutsch gesprochen worden. Und es ist auch viel gesprochen worden, weil das Sprachvorbild eine wichtige Funktion hat. Ich habe zwei Enkel, die französischsprachig sind und vor Kurzem nach Deutschland gekommen sind. Das eine Enkelchen ist in der Kita und das andere in der Grundschule, sie sprechen beide schon perfekt Deutsch. Sie sind nach Hause gekommen, haben Lieder gesungen, haben Theaterstücke vorgeführt. Das geht also schon, wenn die Sprachvorbilder da sind. Es muss von der Schule organisiert werden - das Personal muss natürlich dafür da sein -, dass Hochdeutsch gesprochen wird. - Herzlichen Dank. (Beifall von der AfD.)
