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Frank Wagner

CDU 06.02.2024 Sitzungen 17/22

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die deutsche Sprache ist der Schlüssel zum Bildungserfolg, die deutsche Sprache ist der Schlüssel für die gesellschaftliche Teilhabe. Sprache zieht sich durch unsere (Abg. Wagner (CDU)) gesamte Bildungskette wie ein roter Faden, von der Kita bis zur Ausbildung. Es gibt aktuell kaum ein Thema, über das in Schule und Kita so häufig diskutiert wird wie über das Thema Sprachförderung. Liebe Frau Kollegin Kaya-Karadağ, Sie haben eben davon gesprochen, dass die Unterschiede in der Herangehensweise groß seien. Tastsächlich sind sie nicht nur groß, sie sind gewaltig. Ich will, indem ich nun unseren Antrag begründe, versuchen, auch den einen oder anderen Unterschied herauszuarbeiten und natürlich auch zu erklären, weshalb wir zu dieser Position kommen. (Vizepräsidentin Baltes übernimmt die Sit- zungsleitung.) Die Sprachförderung ist aktuell aus unserer Sicht die größte bildungspolitische Großbaustelle, die wir haben. Diesbezüglich muss dringend etwas passieren. Es genügt nicht, einfach nur nachzubessern und ein paar Stunden hinzuzugeben, vielmehr muss ein Paradigmenwechsel vollzogen werden. Es muss die Reset-Taste gedrückt werden, das System muss komplett neu aufgesetzt werden. Die Alarmsignale sind eindeutig, IGLU-Studie und IQB-Bildungsstudie belegen das Problem. Um dazu einmal einige Kennziffern zu nennen: Jeder dritte Neuntklässler verfehlt die deutschen Mindeststandards. In der Grundschule erreicht ein Viertel der Viertklässler aktuell nicht die Mindeststandards beim Lesen. Dass das Ganze wirklich mit Händen zu greifen ist, dass klar erkennbar ist, wie groß der Handlungsdruck im Saarland ist, das belegt die Antwort auf die Anfrage meiner Kollegin Jutta Schmitt-Lang zum Thema Sprachförderung; es ging hierbei um Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen: Im Schuljahr 2015/2016 waren es 601 Erstklässler mit unzureichenden Deutschkenntnissen, also mit eklatanten Mängeln im Bereich der Grammatik, des Wortschatzes und so weiter. Diese Zahl hat sich bis zum Schuljahr 2022/2023 vervierfacht: 2.257 Erstklässler haben unzureichende Deutschkenntnisse. Das Ganze wurde belegt durch eine Sprachstandsfeststellung, die vor der Einschulung durchgeführt wird. Das sind also sehr schwierige Startbedingungen für diese Kinder. Angesichts dessen genügt es eben nicht, nur ein bisschen Sprachbad, ein bisschen alltagsintegrativen Ansatz zu fahren. Vielmehr muss man genau hinschauen, genau betrachten, wie geholfen werden kann. Die Lösung wäre eigentlich auch schon vorhanden, aber - wir haben es eben schon mehrfach gehört, auch heute Morgen schon: Das erfolgreiche Programm „Früh Deutsch lernen“ wurde zu einer Unzeit von der Bildungsministerin eigestampft. - An dieser Stelle möchte ich nicht versäumen, ihr herzliche Genesungswünsche zu senden und gute Besserung zu wünschen. - Man muss sagen, das Programm wurde zu einer Unzeit leider eingestampft, ohne - und jetzt kommt es - eine echte Alternative zu haben. Die Alternative ist nicht da und es klappt einfach nicht. Ich möchte jetzt kurz auf das Programm eingehen und darauf, warum der alltagsintegrative Ansatz nicht ausreicht. Es fehlt an Fachkräften, und die Probleme sind gewaltiger geworden. Wir haben Kinder mit Auffälligkeiten in unterschiedlichen Bereichen, nicht nur bei der Sprache, sondern auch beim Verhalten, andere haben Probleme im sozialen Umfeld. Das können die Erzieherinnen und Erzieher auch mit Unterstützung von Fachkräften nicht bearbeiten, und dann sollen sie auch noch gezielt das Thema Sprache angehen. „Früh Deutsch lernen“, um es noch mal kurz vor Augen zu führen, ist ein Programm, in dem landesweit über 100 Vorkurse stattgefunden haben. Der damalige Bildungsminister Ulrich Commerçon hat dieses Programm immer wieder gelobt. Es wurde immer gesagt, wie erfolgreich dieses Programm ist. Viele Bundesländer haben uns kopiert, auch in den vergangenen Monaten, sie fahren genau diesen Ansatz. Es sind zehn Stunden pro Woche in einer Kleingruppe. Und nein, es ist keine Ausgrenzung, es ist keine Separierung, aber über einen begrenzten Zeitraum - sechs Monate - genau vor der Einschulung mit diesen Kindern eine gezielte Sprachförderung zu machen, mit dem Personal, das da ist, das kommt beim Kind an. Die Zahlen, die ich eben vorgetragen habe, zeigen: Den Kindern wird aktuell nicht ausreichend geholfen. Sie kommen mit eklatanten Defiziten in die Schule. Wachen Sie endlich auf. Packen Sie die Realität beim Schopfe. „Früh Deutsch lernen“ muss wieder her! (Beifall von der CDU.) Jetzt verfahren Sie nach dem sogenannten Gießkannenprinzip. Die Stunden, die da sind, werden per Zufallsgenerator aufs Land verteilt - da ein bisschen was, dort ein bisschen was. Das hilft nicht! In allen Einrichtungen ein bisschen Sprachförderung zu machen, hilft nicht genau den Kindern, bei denen die Mängel am größten sind. Wir müssen uns darauf konzentrieren, was gelingen kann. Die Alternative ist noch nicht da. Von daher wachen Sie bitte endlich mal auf! Das Thema ist der Mangel an Fachkräften und dass es mehr Probleme im Bildungsbereich gibt. Die Situation hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Das haben wir auch in anderen Bereichen. Von daher ist es wichtig, über einen begrenzten Zeitraum - das ist unser Ansatz, wir wollen das nicht dauerhaft und wir haben auch die Inklusion dort im Auge - in einer Kleingruppe mit dem Fachkräftepersonal, das da ist, gezielt zu fördern, nachzusteuern. Das ist (Abg. Wagner (CDU)) genau der richtige Ansatz. Sie propagieren das Programm BASIS, um die Basiskompetenzen in der Grundschule zu fördern. Das ist nichts anderes als eine Schaufensterveranstaltung gewesen, wo den Lehrkräften erklärt werden sollte, wie sie den Kindern nebenbei noch Basiskompetenzen, also Lesen, Schreiben und Rechnen, beibringen sollen. Das hilft keinem Kind, das hilft vielleicht der Presseabteilung im Kultusministerium, aber nicht dem betroffenen Kind, sehr geehrte Damen und Herren! (Beifall von der CDU.) Der wichtigste Ansatz ist eine frühe Testung. Es muss landesweit getestet, es muss frühzeitig diagnostiziert werden. Hier lohnt sich der Blick nach Hamburg. Das sogenannte Hamburger Modell, bei dem verbindliche Sprachstandsfeststellungen durchgeführt werden, ist der richtige Ansatz. Hessen, Bremen und Berlin machen genau dieses Programm jetzt auch. Warum nicht auch wir im Saarland? Was passiert mit den Kindern, die durchs Raster fallen, mit denjenigen, die keine Kita besuchen? Hierzu eine entscheidende Zahl: In Neunkirchen besucht knapp ein Viertel der Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren keine Kita. Das sind Alarmsignale! Diese Kinder profitieren nicht von diesem alltagsintegrativen Ansatz. Bei „Früh Deutsch Lernen“ wurden diese Kinder rausgefiltert, identifiziert und letztendlich auch in diese Vorkurse eingebunden. Machen Sie sich bitte hier endlich mal ehrlich. Von daher ist es unser Ansatz, eine frühe Testung, verbindliche Sprachförderung und passgenaue Programme, die auch funktionieren - wie „Früh Deutsch Lernen“ ‑ , endlich umzusetzen. Nehmen Sie endlich mal die ideologischen Scheuklappen von den Augen und machen Sie sich ehrlich. Die gezielte Förderung der Kleingruppe hat noch immer geholfen und sie würde jetzt auch helfen; es ist dringlicher denn je. Von daher: Bitte wachen Sie endlich auf und aktivieren Sie dieses Programm wieder. (Beifall von der CDU.) Zum Antrag der SPD: Das ist viel Prosa. Es hört sich alles toll an, aber es fehlen die Ziele und vor allem die klaren Programme, die auf diese Alarmsignale aus den Schulen und Kitas reagieren. Unser Ziel muss sein: Wer in die Grundschule kommt, muss Deutsch können, und wer die Grundschule verlässt, muss lesen und schreiben können. - Ich bitte um Zustimmung zu unserem Antrag. (Beifall von der CDU.)

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