Friedrich Josef Dörr
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Es ist schon so oft gesagt und so oft beteuert worden, wie wichtig die Landwirtschaft ist. Nur müssen wir es auch selbst glauben, da es heute schwierig festzustellen ist, wie wichtig die Landwirtschaft ist, weil man Lebensmittel aus der ganzen Welt kaufen kann: Bananen, Apfelsinen, Reis, Getreide, Kartoffeln aus der Pfalz. Man kann Lebensmittel von überall her kaufen, aber was ist, wenn diese Lieferketten unterbrochen werden, für eine kurze Zeit, für länger oder gar für immer? Was ist dann? Dann brauchen wir die Landwirtschaft dringendst, nicht nur dringend, sondern dringendst. Wir streben auch an, dass man die Nahrungsmittel dort verzehrt, wo sie erzeugt werden. Unsere Landwirtschaft hier im Saarland hat einen schweren Stand. Wir liegen nicht im Süden, wo es immer warm ist. Wir sind auch kein Land, das flach ist, wo man mit dem Pflug oder mit anderen Geräten ganz leicht durchfahren kann. Wir haben zudem Eigentumsverhältnisse, die es nicht immer leicht machen, einen landwirtschaftlichen Betrieb zu führen. Trotzdem sind die Landwirte, die heute noch dran sind, bei der Sache geblieben. Trotzdem wollen sie weiter ihren Betrieb führen, allerdings haben viele unterwegs aufgeben müssen, weil sie es nicht mehr gepackt haben. Noch ein Gesichtspunkt: Von der Landwirtschaft wird mehr verlangt, als Nahrung für die Bevölkerung zu liefern, die hier lebt. Es wird auch von ihr verlangt, dass sie die Kulturlandschaft pflegt. Für uns ist es selbstverständlich, dass wir aufs Feld hinausgehen und spazieren können, das ist sonst wo nicht so selbstverständlich, aber unsere Landwirte dulden das. Wir haben also allen Grund, unsere Landwirte zu unterstützen. Jetzt muss ich mal ein Lob aussprechen: Wie ich das von außen beobachtet habe, ich war in der letzten Legislaturperiode fünf Jahre im Umweltausschuss, da haben die Umweltminister der vergangenen Jahrzehnte, kann ich schon sagen, auch der vorherige Umweltminister, gute Arbeit geleistet. Da ist sehr viel erreicht worden. Das ist ja mit Berlin nicht so ganz einfach, weil die deutschen Länder zusammengebracht werden müssen. Wenn man dann ein Ergebnis hat, muss man das noch in Brüssel verteidigen. Es ist also gar nicht so leicht. Da ist einiges erreicht worden, aber es genügt nicht. Denn warum gehen unsere Landwirte auf die Straße? Das ist nicht das erste Mal. In der vergangenen Legislaturperiode haben wir das auch gehabt, und damals meinte der Umweltsprecher der CDU, das sei alles in Ordnung, aber die Landwirte standen draußen mit ihren Traktoren. Diesmal war es massiver. Der Kollege von der SPD hat die Disziplin der Landwirte gelobt. Ich muss sagen, da hat man sich einiges abverlangt, dass man so diszipliniert demonstriert hat, damit die Leute keine Angst haben müssen wie sonst wo. Sonst wo würde anders demonstriert. Wir sollten das also nicht als Schwäche auslegen, sondern wir sollten das als das begreifen, was es ist, als eine ganz klare Meinungsäußerung unserer Landwirte - die Landwirtinnen sind natürlich mitgemeint - uns gegenüber, dass wir etwas tun müssen. In den Beiträgen meiner Vorredner ist eines klargeworden, was wir sowieso wissen. Was ist einer der Hemmschuhe für unsere Landwirtschaft? Das ist die überbordende Bürokratie. Ich kenne einige - ich bin ja nicht in dem Milieu unter Landwirten, das erlebe ich nicht -, die sich massiv über die starke, nicht enden wollende und immer noch wachsende Bürokratie beschweren. Es ist noch nicht genug, dass ein Landwirt ein schweres Leben hat. Natürlich ist es nicht mehr so wie früher, wo man hinter dem Pflug hergegangen ist. Man sitzt heute auf dem Traktor. Aber man kann nicht für abends um 08.00 Uhr einen schönen Abend planen. Wenn das Wetter danach ist, muss man die Ernte einbringen oder irgendwas auf dem Feld machen. Das ist eine sehr unregelmäßige Arbeit bei jeder Witterung und mit nicht so eleganter Kleidung. Es ist nicht ganz einfach. Wenn man dann noch dauernd durch die Bürokratie in seiner Arbeit gehemmt wird, ist das natürlich frustrierend. Mein Nachbar hatte Schafe und er hat es immer liebevoll gemacht. Plötzlich hat er die Schafe abgeschafft. Er hat gesagt: „Ich mache das mit Brüssel nicht mehr mit, das ist mir jetzt zu dumm.“ Erstens. Wir sollten zumindest als Saarland, zuerst einmal die Regierung, in Berlin vorstellig werden und hinter Berlin sitzen, damit das in Brüssel klappt. Das ist ganz wichtig. Zweitens. Wenn dort nicht das erreicht wird, was wir wollen, dann müssen wir das für uns, für unser Land, selbst machen. Vor allen Dingen sollten wir das, was wir an Bürokratie abbauen können, machen. - Herzlichen Dank! (Beifall von der AfD.)
