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Friedrich Josef Dörr

AfD 06.02.2024 Sitzungen 17/22

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Mit Ihrer Erlaubnis, Frau Präsidentin, zitiere ich Johann Wolfgang von Goethe: „Edel sei der Mensch, hülfreich und gut.“ Das hat er gesagt, weil er gewusst hat, dass die Menschen nicht edel, hilfreich und gut sind, aber sie sollen danach streben. Die deutsch-französische Freundschaft wird im Saarland nicht unbedingt überall gelebt, aber man sollte sie leben. Es ist ja Gott sei Dank so, dass im privaten Bereich, im Bereich der Menschen, die hier im Saarland und zum Beispiel in Lothringen leben, diese Freundschaft schon besteht. Wir sagen zu unseren Nachbarn liebevoll - zumindest die Älteren noch - „Wackese“, und sie sagen zu uns eher spöttisch „Fritze“ oder, das ist dann schon mehr ironisch, aber nicht feindselig gemeint, „Boches“. Es ist ein insgesamt freundschaftliches Verhältnis, man lebt miteinander, man arbeitet zum Teil miteinander, das klappt schon einigermaßen. Man mag sich und man versteht sich. Wobei ich das Letzte einschränken muss, das verstehe ich nur im Sinne von „Man kann gut miteinander umgehen“, denn - ich komme nachher noch darauf - „man versteht sich“ setzt ja voraus, dass man die Sprache des anderen spricht. Auf der politischen Ebene gibt es viel Selbstbeweihräucherung, aber auch sehr viele Klagen. Es ist schon lange her, ich war damals nachts um 00.00 Uhr dabei, als wir die Grenze geöffnet und gesagt haben: „So, jetzt haben wir keine Grenzen mehr.“ Wir haben auch Landkarten gemacht, auf denen keine Grenzen mehr drauf sind. Inzwischen spricht man aber wieder von „grenzüberschreitend“, und wenn man von grenzüberschreitend spricht, dann hat man auch Grenzen im Sinn. Das sollten solche Grenzen werden wie die Verwaltungsgrenzen zum Beispiel zwischen dem Saarland und Rheinland-Pfalz, dann haben wir unser Ziel einigermaßen erreicht. Es gibt auch sonst noch Dinge. Die Saarbahn ist angesprochen worden, das war die erste internationale Straßenbahn, so will ich sie einmal nennen. Aber alle paar Jahre stockt sie in Hanweiler, weil neu verhandelt werden muss, wer die Strecke in Frankreich bezahlt und so weiter. Es gibt auch im Gesundheitsdienst große Schwierigkeiten, im Rettungsdienst, bei Polizeieinsätzen. Es geht schon manches mühsam, aber es ist noch viel zu tun. Aus Berliner Perspektive ist Frankreich weit weg und das Saarland ohnehin. Deshalb legt man auf die deutsch-französische Freundschaft nicht den Nachdruck, den man legen müsste. Zur Zeit Friedrichs des Großen war das anders. Da hat man dort auch Französisch gesprochen. Jetzt komme ich wieder auf die Verständigung zurück. Ich habe nur sechs Minuten Redezeit. Ich könnte unendlich viele Beispiele anführen, bei denen es nicht klappt, aber ich beschränke mich auf die Sprache. Vielleicht hat der eine oder die andere von Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, die Sendung am 22. Januar anlässlich des Élysée-Vertrages gesehen, in der die Frankreichstrategie Hauptthema war. Es war eine sehr sachliche Sendung. Auch Leute in zweisprachigen Kindergärten sind zu Wort gekommen. Es ging darum, wie die Frauen dort gearbeitet haben. Auch Fachleute sind gefragt worden. Wie gesagt war es sehr sachlich. Die Leute waren alle sehr engagiert, waren in ihren Äußerungen aber auch sehr kritisch. Sie haben mehr oder weniger gesagt, dass es so nicht funktioniert. Ich gebe ein Beispiel von einem bilingualen Kindergarten. Wenn es in einer Einrichtung mit sechs Gruppen nur eine französischsprachige (Abg. Dörr (AfD)) Erzieherin gibt, ist das mit Sicherheit viel zu wenig. Die betreffende Erzieherin hat hervorragend Französisch gesprochen, wahrscheinlich ist es ihre Muttersprache. Es hat sich allerdings herausgestellt, dass sie auch Deutsch versteht. Für die Kinder ist es dann immer verführerisch, Deutsch zu sprechen. Wenn nur eine von sechs Erzieherinnen Französisch spricht, ist das zu wenig. Wenn dann in der ersten und zweiten Klasse kein Französischunterricht stattfindet, sondern erst ab der dritten, ist das nicht zu verstehen. Es wird also eine Pause gemacht, nach der sozusagen alles weg ist. Wenn es nur zwei Stunden sind, ist das einfach eine Katastrophe. In meiner Jugend sind wir in Französisch zwangsunterrichtet worden. Es war pro Tag eine Stunde. Damals gab es noch die Sechs-Tage-Woche. Es war also sechsmal eine Stunde. Das hat nicht sehr viel geholfen. Man muss ganz anders rangehen. Man muss klotzen, nicht kleckern. Ich sehe, dass meine Redezeit leider gleich zu Ende ist. Als Schlusssatz sage ich: aufhören mit der Propaganda und anfangen mit der Arbeit. - Danke schön. (Beifall von der AfD.)

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