Friedrich Josef Dörr
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Die Bildungspolitik ist ein weites Thema. Meine beiden Vorrednerinnen, Frau Schmitt-Lang und Frau Holzner, haben einen Teil dieser Bildungsaufgabe besprochen und ich möchte dazu Stellung nehmen. Ich glaube, dass beide in gewisser Hinsicht recht haben. Es gibt Dinge, die so nicht bleiben können. Das ist der eine Punkt. Das hat Frau Schmitt-Lang ausführlich und eindrucksvoll gesagt. Frau Holzner hat aufgezeigt, was schon alles geschehen ist und was noch vorgesehen ist. Das ist beides richtig und es gehört zum Thema. Aber ich glaube, wir müssen die frühkindliche Erziehung - darum handelt es sich ja - neu denken. Ich bitte Sie, wirklich einmal zu versuchen mitzudenken. Wir haben das Problem - das ist jetzt wieder aufgetaucht -, dass wir meinen, wir müssten Prioritäten bei der frühkindlichen Erziehung setzen, das heißt, Rangfolgen einhalten. Da gibt es die Ansicht, dass es wichtiger ist, genug Plätze zur Verfügung zu stellen. Und es gibt die Ansicht, dass es vielleicht wichtiger ist, das Ganze kostenlos zu machen. Und es gibt die Ansicht, dass es vielleicht wichtiger ist, eine gute Qualität der Bildung - man sollte nicht von Betreuung reden, sondern von Bildung - zu gewährleisten. Aber das kann hier kein Entweder-oder sein. Wir brauchen nur einen Vergleich zu ziehen. Wer Pädagogik, Psychologie oder ähnliche Fächer studiert hat oder auch alle anderen, weiß oder sollte durch Publikationen wissen, dass die Erziehung der Kinder in den ersten Lebenstagen, Wochen, Monaten, Jahren am Allerwichtigsten ist. Das wird immer wieder betont, aber man handelt nicht danach. Zum Beispiel ist für uns instinktiv immer das Gymnasium wichtiger als der Kindergarten. Aber das ist nicht so. Das Gymnasium baut auf das auf - das wurde eben schon gesagt -, was im Kindergarten entweder gemacht oder versäumt wird. Wenn ich also davon ausgehe, dass ein Kind, wenn es sehr jung ist, der meisten fachmännischen Förderung bedarf, dann muss ich dementsprechend handeln. Hier ist ein Vergleich angebracht. Wenn ich zwei Geschwister habe - das eine Kind ist acht Jahre alt, das andere Kind ist vier Jahre alt -, dann ist es undenkbar, dass man dem Achtjährigen mitteilt, du kannst nicht (Abg. Dörr (AfD)) in die Schule gehen, weil keine Lehrperson da ist, die ausgebildet ist, oder weil kein Klassenraum da ist. Das ist undenkbar. Das heißt also, jedes unserer Kinder, das schulpflichtig ist, hat selbstverständlich das Recht und selbstverständlich wird es auch erwartet, dass sowohl ein Raum als auch eine ausgebildete Lehrperson zur Verfügung stehen und dass die Sache nichts kostet. Das war nicht immer so. Früher hat das Gymnasium Geld gekostet. Das heißt also, für ein achtjähriges Kind ist das eine Selbstverständlichkeit. Und für ein vierjähriges Kind, wo es eigentlich viel wichtiger wäre - nach dem, was wir eben gesagt haben und was die Wissenschaft auch sagt -, ist es für uns nicht selbstverständlich. Das darf ja nicht wahr sein. Das ist eine Sache, die wir auch nicht verschieben können. Wir können nicht sagen, wir machen zuerst dies und dann machen wir das andere. Die Kinder, die heute vier Jahre alt sind, haben nichts davon, wenn in acht oder in fünf Jahren oder wann auch immer ein Platz und eine ausgebildete Kraft für jedes Kind da ist und das Ganze nichts kostet. Das Kind lebt heute und hat heute dieses Bedürfnis. Ich möchte das nicht hier vortragen, ohne auch einen Vorschlag zu machen. Das kostet natürlich Geld. Erziehung kostet Geld, aber wir sagen ja, unsere Kinder sind unsere Zukunft. Wir lieben unsere Kinder. Wir wollen das Beste für unsere Kinder, dann muss das auch Vorrang haben. Da müssen andere Dinge zurückstehen. Wir brauchen auch nur das zu machen, was wir sonst wo schon sehen. In Frankreich zum Beispiel sind diejenigen, die bei uns Kindergärtnerinnen oder Erzieherinnen oder Erzieher sind, wie immer man das nennen will, ausgebildete Lehrpersonen. Ich habe das bei meinen Söhnen gesehen. Es sind dort ausgebildete Lehrpersonen. Das könnten wir auch machen. Wir könnten dafür sorgen, dass diese Kinder ausgebildete Kräfte haben, die sie in den Kitas und in der Grundschule bilden. Es ist eben von „multiprofessionell“ gesprochen worden. Ich kann es ehrlich gesagt fast nicht mehr hören. Ich hätte das nicht haben wollen, dass in meiner Klasse fünf Leute rumspringen und mir in den Unterricht oder in die Gemeinschaft - die Klasse ist ja eine Lerngemeinschaft - unnötige Unruhe hineinbringen. Ich habe es als langjähriger Schulleiter oft erlebt, dass sich Lehrpersonen dagegen gewehrt haben, dass man Leute in ihre Klasse gesetzt hat. Ich würde alle Grundschul-Lehrpersonen ausbilden als Förder-Lehrpersonen. Das kostet Geld, aber das ist gut investiertes Geld, das lohnt sich. Dann können sie nämlich selbst das machen, was der Logopäde - ich bin auch als Sprachlehrer ausgebildet worden - macht. Die können das dann selber machen, was diese Fachleute machen. Sie können das selbst tun und sind alleine in der Klasse. Wenn sie dann trotzdem Hilfe brauchen, können sie diese in Anspruch nehmen. Das passiert ja auch jetzt schon. (Lautes Sprechen.) Aber sie können es auch alleine machen. In diesem Fall kommt noch ein standespolitischer Gesichtspunkt dazu. Wir haben das Problem in der Lehrerschaft - wir haben es schon, so lange ich das kenne -, dass es mehrere Sorten oder Ranghöhen von Lehrern gibt. Das war früher der Oberstudienrat, das war, was man sich so erwünscht hat, und dann gab es den Realschullehrer und den Volksschullehrer und so weiter. Inzwischen wollen wir - und das ist auch eine Aufgabe, darüber könnte man lange reden, vielleicht kommen wir noch dazu - mit der Gemeinschaftsschule eine gewisse Angleichung vornehmen, aber die Grundschul-Lehrperson ist immer noch abgehängt. Die Grundschul-Lehrperson, die unsere Kinder in der wichtigsten Zeit ihres Lebens bildet, wird schlechter ausgebildet als andere Lehrpersonen und sie wird schlechter bezahlt. Das könnte man in einem Aufwasch machen. Ich belasse es mal dabei. Frau Klein hat sich schon gemeldet, sie will noch etwas sagen. Eine direkte Anfrage, alles klar. So weit vorläufig. - Danke. (Beifall von der AfD.)
