Friedrich Josef Dörr
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Das Saarland ist unsere Heimat, Deutschland ist unser Vaterland und Europa ist unser Schicksal. Es ist nicht das erste Mal, dass ich das sage. Aber es bleibt immer noch wahr. Der Kollege Arweiler hat die Wahlen beklagt, die stattgefunden haben, bei denen es einen Rechtsruck gab, wobei ich mit rechts und links nicht so viel anfangen kann. Wir zum Beispiel von der AfD, wir sehen uns eher vorne oben. Das ist so unsere Richtung, wenn es eine gibt. Aber wenn das eben rechts ist, dann muss ich sagen, dann ist die Trauer auf Ihrer Seite. Mir haben die Wahlergebnisse gefallen, denn wenn man vom Europa der Vaterländer spricht, dann wird ja oft der Eindruck erweckt und der Vorwurf erhoben, dass man sich in seinem eigenen Land abschotten will. Das ist bei uns absolut nicht der Fall. Wir schotten uns nicht ab. Unsere direkten Nachbarn hier im Saarland sind Luxemburg und Frankreich; wir unterstützen die Frankreichstrategie, und wir waren auch die Ersten, die gesagt haben, wir brauchen nicht nur die Frankreichstrategie, sondern wir brauchen auch eine Luxemburgstrategie. Beim Europa der Vaterländer wird der Gedanke der Subsidiarität verwirklicht, den wir alle beherzigen wollen, aber an den wir nicht denken, wenn es darauf ankommt. Das bedeutet eine größtmögliche Selbstständigkeit. Wenn man das mal auf Deutsch sagt: Die Gemeinde soll ihre Sachen selbstständig machen können. Das Land soll seine Sachen selbstständig machen können. Deutschland soll seine Sachen selbstständig machen können, aber auch Europa. Was aber Deutschland machen kann, muss Europa nicht machen. Wir brauchen also nicht eine Bürokratie in Brüssel, die uns vorschreibt, was wir zum Beispiel zum Mittag essen sollen. Das brauchen wir nicht, aber wir brauchen ein starkes Europa, um in der Welt mitreden zu können. Wenn ich Zeit habe, schaue ich fast täglich chinesisches Fernsehen und sehe, wie stark und wie groß sie sind. Da kann ich nicht als Luxemburg antreten, um mit China zu verhandeln, auch nicht als Deutschland, das ist auch schon schwierig. Das heißt also, wir brauchen Europa und wir brauchen ein Europa der Vaterländer, damit möglichst jedes Land seine Selbstständigkeit, seine Kultur, seine Eigenart und seine Sprache erhalten kann. Das ist ja nichts Schlechtes, man nimmt gerne auch mal andere Kulturen zur Kenntnis, die können auch bei uns leben und so weiter. Man muss gar nicht fremdenfeindlich sein, das sind wir auch nicht. Wir waren mit dem Landtagspräsidium vor Kurzem im Burgenland, in Österreich, auch ein europäisches Land, und da haben wir uns sehr gut mit den Leuten verstanden. Wir haben vor allen Dingen einiges gelernt, zum Beispiel, dass die Gemeinden dort viel kleiner sind als bei uns und dass sie selbstständig sind und gut arbeiten können. Es hat aber auch deshalb gut funktioniert, weil man sich gegenseitig verstanden hat, denn die Kolleginnen und Kollegen dort haben Deutsch gesprochen und wir haben Deutsch gesprochen. Das ist die Grundvoraussetzung einer Verständigung, einer Völkerverständigung, dass man sich überhaupt versteht. Damit kommen wir noch mal auf die Mehrsprachigkeit und auf die Frage: Wie sieht es bei uns mit Französisch aus und wie sieht es bei den französischen Nachbarn mit Deutsch aus? Ich sage das jetzt schon seit fünf Jahren, und es ist immer dasselbe: Es wird davon geredet, aber es wird nichts Bedeutendes oder Tiefgreifendes unternommen. Wenn Sie mit offenen Augen durch die Welt gehen und mal in Forbach, in Saargemünd oder in Saint-Avold vorbeischauen oder vielleicht in den Gremien des Landtages sitzen, wo man mit den Franzosen zusammen ist, dann stellen Sie fest, dass die älteren Franzosen alle Deutsch reden und es hervorragend klappt, die Jüngeren aber (Abg. Dörr (AfD)) nicht mehr, und dann kommt der Kopfhörer für die Dolmetschung. Wie sieht es bei uns im Landtag aus? Einige von uns sprechen Französisch wegen ihrer familiären Verhältnisse. Das sind wenige, und es kommen keine neuen hinzu. Diejenigen, die es vor fünf Jahren nicht konnten, können es jetzt auch nicht. Ich habe schon mal vorgeschlagen, dass wir einen Kurs im Landtag einrichten, kostenlos sogar, damit die Kolleginnen und Kollegen Französisch lernen könnten. Das ist abgelehnt worden, wie alles abgelehnt wird, was wir vorschlagen, aber das ist die Grundvoraussetzung. Wie sieht es jetzt aus? Ich wage mal eine Prognose: Bei uns gehen die Französischkenntnisse nicht voran. Selbst wenn es heißt, es gibt einige zweisprachige Kitas, möchte ich wirklich sehen, wie diese Zweisprachigkeit aussieht. Ich hatte Kinder auf dem Deutsch-Französischen Gymnasium, auch in französischen Schulen, und weiß, was dazu gehört, wenn man eine Zweitsprache so lernen will, dass man sie wirklich kann und auch die Kultur begreift. Dann geht nicht kleckern, da geht nur klotzen. Bei uns wird aber nicht geklotzt, bei uns wird gekleckert, deshalb sage ich voraus: Das wird nichts! Und wie sieht es bei den Franzosen aus? (Ministerpräsidentin Rehlinger geht an dem Redner vorbei und setzt sich zur SPD-Frakti- on.) Konferenz beendet? (Sprechen und Heiterkeit.) Wie sieht es bei den Franzosen aus? Dort hat die ältere Generation noch Deutsch gesprochen, die hat auch Deutsch in der Schule gelernt. Im östlichen lothringischen Teil hat man den deutschen Dialekt gesprochen, das „Francique“. Und wie ist das jetzt? Der Dialekt wird kaum noch gesprochen, außer von den netten Damen, die hier die Räume saubermachen und die ich morgens immer antreffe. Ansonsten geht dieser Dialekt verloren und die deutsche Sprache in der Schule geht zurück. Das heißt also, von französischer Seite wird nichts unternommen oder wenig und von unserer Seite auch nichts. Deshalb sehe ich für diese Geschichte schwarz. Im Haushalt sehe ich auch nichts Durchgreifendes, was die gegenseitige Verständigung durch Erlernen der Nachbarsprache fördern würde. Das ist eigentlich schade. Mein Aufruf an die Kultusministerin und an die Regierung insgesamt ist, hier noch ein bisschen nachzubessern. (Zuruf der Abgeordneten Rehlinger (SPD).) Frau Rehlinger ist jetzt im Abgeordnetenbereich, jetzt darf sie auch dazwischenrufen. - Mein Aufruf ist, dass wir das wirklich ernsthaft angehen und nicht nur darüber reden, sodass man nach fünf Jahren wirklich sagen kann: Wir haben einen Fortschritt gemacht, jetzt können unsere Jüngeren Französisch und Deutsch und bei den Franzosen ist es ähnlich. Herzlichen Dank! (Beifall von der AfD.)
