Hermann-Josef Scharf
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Das Thema Demenz stellt viele Familien vor die größte Thematik, die sie bisher erlebt haben. Wir müssen es uns immer wieder vor Augen führen: Von den knapp über 70.000 pflegebedürftigen Menschen werden über die Hälfte im häuslichen Umfeld gepflegt. Diese schwere Arbeit müssen wenige innerhalb der Familie (Abg. Scharf (CDU)) 365 Tage pro Jahr und 24 Stunden pro Tag tun. Das sind die wahren Helden der Nation, und denen sollten wir heute von dieser Stelle aus ein herzliches Wort des Dankes sagen. (Beifall von der SPD und der CDU.) Kommen diese an Demenz erkrankten Menschen ins Krankenhaus - wir wollen heute den Fokus auf das Krankenhaus legen -, dann ist das für das Personal in den Krankenhäusern auch ein regelrechtes Problem. Wir wissen, wie oft Personal auf Stationen fehlt, Dienstpläne müssen umgestaltet werden, und wenn dann einige demenziell erkrankte Menschen auf diesen Stationen sind, sind die Abläufe auf einmal noch schwieriger. Zum Thema Personal. Es ist heute schon vom Finanzminister angesprochen worden: Wir brauchen 4.000 zusätzliche Stellen. Ich will heute deutlich sagen, wir brauchen noch mehr, wenn man sich diese Thematik betrachtet. Ich könnte jetzt viel erzählen, aber das können wir gerne einmal im Ausschuss bereden. Da müssen wir einfach die Werbetrommel rühren. Wir brauchen mehr Hände, gut ausgebildete Hände, in unseren Systemen, gerade im Bereich der Demenz. Dafür müssen wir einiges tun. Wir wissen - die Kollegin Dagmar Heib hat es angesprochen -, wir haben Häuser, die gut aufgestellt sind, aber wir haben auch Häuser, da ist noch Nachholbedarf. Man sollte auch nicht mit dem Finger auf sie zeigen, weil die Thematik unendlich schwierig ist. Deswegen ist ein Ansatz von uns, der in unserem Antrag zu finden ist, folgender: Wir brauchen jemanden in den Krankenhäusern, der sich speziell nur um dieses Thema kümmert. Diese Beauftragten werden auch in den Häusern herbeigesehnt. Dies müssen gut ausgebildete Menschen sein. Das müssen Menschen sein, die zuhören können, die sich auch einmal mit Angehörigen auseinandersetzen können, die in Grenzsituationen sind, und es müssen reine Organisationstalente sein. Deswegen ist der dringende Wunsch, dass unsere saarländischen Häuser diesen Ansatz wählen. Ich will auch kurz auf die Technik eingehen. Wir hatten ja vor einiger Zeit den ganz gravierenden Vorfall im Krankenhaus in Sulzbach. Diese Frau ist bis zum heutigen Tag nicht gefunden worden. Man geht davon aus, dass sie nicht mehr lebt. Wir haben ein langes, intensives Gespräch mit der Tochter geführt. Die Tochter ist natürlich bis zum heutigen Tag auch in einer Grenzsituation, weil sie sagt, sie will wissen, was mit ihrer Mutter passiert ist und ob es technische Mittel gegeben hätte, wie sie heute in Sulzbach eingesetzt werden. Aber darüber müssen wir noch einmal intensiv reden, weil der Datenschutz hier manche Dinge anders sieht. Ich will mich aber jetzt nicht kritisch über den Datenschutz äußern. Aber diese Dinge müssen wir miteinander klären. Deswegen - es wurde ja angesprochen - ist das heute ein erster Aufschlag. Ich bitte um Zustimmung zu unserem Antrag. Das Thema Demenz werden wir auch im Ausschuss in der nächsten Zeit intensiver miteinander diskutieren müssen. Den Menschen, die Pflege leisten, die sich um Demenzerkrankte kümmern, auch den vielen Ehrenamtlichen - ich will auch noch einmal sagen, dass wir in diesem Land sehr gut aufgestellt sind - noch einmal herzlichen Dank. Lasst uns dieses Thema gemeinsam angehen! Dann sind wir auf einem guten Weg in einem Land, in dem wir den Menschen das schuldig sind. - Herzlichen Dank. (Beifall von der CDU und der SPD.)
