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Dagmar Heib

CDU 17.10.2023 Sitzungen 17/18

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Welt-Alzheimertag war zwar im September, aber Demenz bleibt präsent an 365 Tagen im Jahr. Von daher finde ich es gut, dass wir in diesem Plenum einen Antrag zu Demenz stellen können. Ich finde es auch gut und bedanke mich dafür, dass wir ihn als gemeinsamen Antrag auf den Weg bringen können, haben wir uns doch in den vergangenen Jahren gerade bei diesem Thema immer Seite an Seite aufgestellt. Das ist ein Thema, das viele Menschen bewegt, entweder, weil sie selbst betroffen sind, oder ihre Angehörigen. Ich bin froh, dass wir auch grundsätzlich in diesem Antrag zusammen sind. Ich hoffe, dass wir da auch in den kommenden Monaten in eine Umsetzung kommen werden, wenn wir uns mit dem Krankenhausgesetz beschäftigen, dass wir dann die Grundlage entsprechend übernehmen. So viel eingangs von meiner Seite zu diesem Antrag. Etwa die Hälfte der Patientinnen und Patienten, die heute in die Akutkrankenhäuser kommen, sind älter als 60 Jahre. Man sagt, etwa 12 Prozent davon sind von einer Demenzerkrankung betroffen. Wir haben heute den Fokus „Demenz und Krankenhaus“ gewählt, um darauf ein besonderes Gewicht zu legen. Der Anteil der Patientinnen und Patienten, die von Demenz betroffen sind, wird in der Zukunft voraussichtlich steigen; das können wir jetzt zwar nicht belegen, aber alle Anzeichen sprechen dafür, dass das so sein wird. Wenn Demenzerkrankte wegen eines Bruchs oder einer Herzerkrankung in ein Krankenhaus aufgenommen werden, ist Demenz oft nur eine Nebendiagnose, wenn sie überhaupt gestellt wird, manchmal ist sie auch nicht zu bemerken. Es kommt ja immer auf den Zustand an. Die meisten Krankenhäuser sind nicht darauf eingestellt, dass Menschen mit Demenz als Akutpatienten zu ihnen ins Haus kommen, im Saarland ist es teils, teils. Deshalb hören wir - ich nehme an, das gilt für Sie alle - oftmals Geschichten, die uns wirklich nicht gefallen. Aber, auch das möchte ich herausstreichen, es gibt bei uns im Saarland auch Krankenhäuser, die sich auf den Weg gemacht haben. Es wurden Projekte aufgesetzt, die schon zu Ergebnissen geführt haben, auch das möchte ich an dieser Stelle herausstellen. Es gibt also kein einheitliches Bild; es gibt Häuser, die sich der Herausforderung stellen, andere sind noch nicht so weit. Es gab in den vergangenen Jahren auch gute Projekte - Dem-i-K, Dem-i-K plus -, die zu guten Ergebnissen gekommen sind; leider wurden diese Ergebnisse nicht alle implementiert. Viele haben Einzug gehalten in unsere Demenzpläne, in den ersten Demenzplan und in die Fortschreibung Demenzplan 2.0. Es geht auch darum, dies weiter voranzutreiben. Das ist wichtig, denn Demenzkranke, das wissen wir alle, reagieren in Krankenhäusern mit Verunsicherung. Sie sind in einer für sie fremden Umgebung, sie treffen auf Gesichter, die sie nicht kennen, sie haben plötzlich Beschwerden, die sie noch nicht einmal selbst artikulieren können, aber sie spüren ein Unwohlsein. Sie können anderen Patienten nicht helfen, so wie es Patienten können, die noch mobiler sind, wenn es zum Beispiel um Handreichungen beim Essen geht. Das ist für Menschen mit Demenz oft eine Herausforderung und kann nicht gelingen. Von daher ist es ganz wichtig, dass Angehörige so oft wie möglich die Patienten im Krankenhaus besuchen, damit diese bekannte Gesichter sehen, was ihnen die Situation erleichtern kann. Wenn die Angehörigen in der Klinik sind, suchen diese natürlich den Kontakt zu und das Gespräch mit den Menschen, die ihre Angehörigen pflegen, sie suchen die Gespräche mit ärztlichen Kräften, die sich um ihre Angehörigen kümmern. Auf der anderen Seite kennen wir alle die Situation des Personals in den Akutkrankenhäusern und anderen Einrichtungen, wir kennen die Verdichtung der Aufgaben, die dort herrscht, und wissen, dass die Menschen ein großes Pensum an Arbeit leisten müssen und oft unter hohem Druck stehen. Dazu kommt dann noch die Situation, dass Angehörige Gespräche wollen, auch mit den Ärzten, die extra gerufen werden sollen. Da können ganz viele Diskussionen und (Abg. Heib (CDU)) Konflikte entstehen, die letztendlich den Menschen mit Demenz in ihrer Situation am allerwenigsten helfen können. Das ist belegt, und das hat ja auch mit der Entwicklung zu tun. Wir haben gerade im Bereich der hirnorganischen Erkrankungen, Alzheimer ist eine besondere Form davon, viele neue Forschungsergebnisse. Wir wissen heute viel, viel mehr als vor einigen Jahren, und wir wissen, dass Kleinigkeiten helfen können, dass Menschen mit Demenz in dieser Situation aufgefangen werden, dass ihnen geholfen werden kann, dass ihnen Entlastung verschafft wird. Wir führen ja jeden Tag Diskussionen um die Zukunft der Krankenhauslandschaft in unserem Land. Und wir wissen, egal ob ein Mensch Demenz hat oder nicht: Wir können die Zukunft der Krankenhauslandschaft in unserem Land nur positiv gestalten, wenn wir das aus der Perspektive der Menschen betrachten, die als Patienten und Patientinnen in die Häuser kommen. Nur wenn wir deren Perspektive in den Blick nehmen, werden wir eine gute Zukunft der Krankenhauslandschaft bei uns im Land erreichen können. Davon bin ich überzeugt, und das trifft insbesondere für Menschen mit Demenz zu. Von daher denke ich, dass es wichtig ist, dass in einem Krankenhaus die Informationen, die einen Menschen mit Demenz betreffen, von den Angehörigen in das Haus hineingebracht werden, zu den Ärzten, zu den Pflegern. Da gibt es zum Beispiel von der Alzheimer-Gesellschaft Informationsbögen, die helfen. Es ist wichtig, das Fachwissen über Demenzerkrankungen weiterzutragen, die Menschen zu informieren, die damit beschäftigt sind. Ganz wichtig ist es, meine Damen und Herren, angemessene Strukturen und Abläufe in den Krankenhäusern voranzutreiben, zum Beispiel schnellere Aufnahmen, Rooming-in für Angehörige und Ähnliches. Das ist Sinn und Zweck unseres Antrags. Wir wollen heute gemeinsam beschließen, dass genau diese Strukturen geschaffen werden. Dazu ist es meines Erachtens unabdingbar, dass es Beauftragte in den jeweiligen Häusern gibt. Diese müssen installiert werden, um den Menschen mit Demenzen zu helfen, aber auch den Personen, die diese Menschen pflegen und ärztlich betreuen. Nur so kann es funktionieren, dass wir in Zukunft gut aufgestellt sind für das demenzsensible Saarland. - Vielen Dank. (Beifall von der SPD und der CDU.)

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