Sandra Johann
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Lieber Herr Dörr, ich bin leicht verwirrt - - (Die Rednerin lacht. - Sprechen und Heiter- keit.) Ursache dafür ist erstens die Begründung: Gemeinschaftsschulen sind benachteiligt. Das habe ich erstmal im Antrag nicht verstanden und auch nicht bei Ihren mündlichen Ausführungen. Die zweite Verwirrung war folgende: Ihr Gesetzentwurf schlägt doch vor - das hat die Kollegin Harenz auch so verstanden -, dass das Abitur künftig nur noch am Gymnasium abgelegen werden soll und nicht mehr an Gemeinschaftsschulen. Irgendwie ist das nicht in Ihrer mündlichen Begründung erwähnt worden, sondern Sie haben wieder von sämtlichen anderen Dingen geredet - von Oskar Lafontaine bis zur Inklusion. Das war für mich alles sehr verwirrend. Kommen wir aber jetzt zum Thema. Es ist doch gerade die G9-Regelung, die jetzt eingeführt wurde, die dazu führt, dass Gemeinschaftsschule und Gymnasium näher zusammenrücken. Ich will diese Debatte an dieser Stelle nicht wieder beginnen. Lassen Sie uns einmal einen Blick auf das System der Gemeinschaftsschule an sich werfen. - Zunächst einmal: Ich verbitte mir den Begriff „Restschule“! Die Gemeinschaftsschule ist nämlich alles andere als eine Restschule! (Lebhafter Beifall von der CDU und der SPD.) Es hat sich doch mittlerweile herausgestellt, dass sich diese Schulform durchaus bewährt hat, indem sie es schafft, Theorie und Praxis zu verzahnen. Dadurch werden ideale Ausgangsvoraussetzungen für junge Menschen geschaffen - egal, welchen sozialen Hintergrund sie haben. Schüler, die vielleicht nicht von Anfang an auf (Abg. Johann (CDU)) das Gymnasium gehen konnten, egal aus welchem Grund, haben so auch die Chance, das Abitur zu erreichen. Vielleicht zählt das Kind zu den sogenannten „Spätzündern“ und startet erst in der Mittelstufe richtig durch. Oder es hat zu Hause nicht die notwendige Unterstützung, die es eigentlich bräuchte. In einem solchen Fall können Schülerinnen und Schüler von einer intensiven Förderung der Gemeinschaftsschule profitieren, die ein Gymnasium an dieser Stelle einfach nicht leisten kann. Zusammenfassend lässt sich sagen: Abitur an verschiedenen Schultypen, einschließlich Gemeinschaftsschulen, ermöglicht es Schülern, ihren Bildungsweg basierend auf ihren individuellen Stärken und Interessen zu wählen. (Beifall von der CDU und bei der SPD.) Im Übrigen, das darf nicht vergessen werden, würden Sie durch eine solche Regelung auch die Lehrerinnen und Lehrer vor den Kopf stoßen. Die Kolleginnen und Kollegen, die die gymnasiale Oberstufe an den Gemeinschaftsschulen unterrichten, tun dies aus vollster Überzeugung und mit Herzblut! Es ist in der Tat ein anderes Unterrichten als am Gymnasium. Ich spreche aus Erfahrung, ich habe selbst an einer Gemeinschaftsschule Schülern geholfen, zum Abitur zu kommen! Glauben Sie mir, die Dankbarkeit dieser Schüler ist enorm! (Beifall von der CDU und bei der SPD.) Wir haben im Saarland, das ist vorhin wieder deutlich geworden, ein ganz klar gegliedertes Schulsystem, an dem wir weiterhin festhalten und zu dem wir uns auch ganz klar bekennen. Wir brauchen keine große neue Schulstrukturdebatte mehr. Die bestehenden differenzierten Wege, die wir haben, die zum Abitur führen, sind gerecht, fördern Qualität, Leistung und Individualität. Es ist doch jetzt vielmehr wichtig, nachdem der Schritt zu G9 gegangen wurde, die Schulformen weiter unterscheidbar auszugestalten: Gymnasium und Gemeinschaftsschule mit jeweils einem eigenständigen Profil! Übrigens darf bei dieser Debatte auch die dritte Säule nicht vergessen werden, die zum Abitur führt. Das ist die gymnasiale Oberstufe an beruflichen Schulen, die in einer besonderen Organisationsform neben einer breiten Allgemeinbildung eine vertiefte Profilierung ermöglichen. Auch diese Schulform leistet wertvolle Arbeit, wenn es darum geht, Schülerinnen und Schülern ihren individuellen Weg aufzuweisen. (Beifall von der CDU und bei der SPD.) Dadurch ist eine hohe Durchlässigkeit im System gegeben. Gerade jetzt, nachdem die Auswirkungen von Corona noch an den Schulen zu spüren sind, ist es doch unsere Aufgabe, den verschiedenen Schularten die Möglichkeit zu eröffnen, ihre eigenständigen Profile zu schärfen. Für das Gymnasium muss das heißen, am gymnasialen Bildungsverständnis festzuhalten und die Ziele der allgemeinen Studierfähigkeit und der vertieften Allgemeinbildung zu stärken. Für die Gemeinschaftsschule bedeutet es, dass sie ihre hohe Durchlässigkeit zwischen den Bildungsgängen bewahren muss und dadurch den unterschiedlichen Lern-, Leistungs- und Begabungstypen gerecht wird. So kommt jeder Schüler auf seinem Wege zu seinem besten Schulabschluss. Eins ist klar: Wenn das Abitur nur an Gymnasien angeboten würde, würde ein Ungleichgewicht im Bildungssystem entstehen. Von Chancengerechtigkeit wären wir weit entfernt. Überall im Saarland sollen junge Menschen ihre Chance haben für gleichwertige Bildungschancen! Wie wollen Sie den Kindern gerecht werden, die sich erst später entwickeln? Wollen Sie denen die Chance verbauen, das Abitur zu machen? All dies sind Fragen, die unbeantwortet bleiben. Aus diesem Grund lehnen wir Ihren Gesetzentwurf ab! (Beifall von der CDU und bei der SPD.)
