Reinhold Jost
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich will einmal versuchen, es so zu umschreiben, wie es mir mit Blick auf diesen Antrag in den letzten Tagen im Vorgriff auf diese Debatte von Vertretern des organisierten Sports zugerufen wurde. Selbst wenn es gut gemeint war, war es schlecht gemacht. Wenn man der Auffassung ist, dass man ein solches Thema gemeinsam angeht, dann muss man es auch im Vorfeld gemeinsam aufeinander abstimmen, anstatt es als Antrag einzubringen. Ich rede von Personen aus dem organisierten Sport, die mit mir gesprochen haben. (Beifall von der SPD. - Zuruf des Abgeordne- ten Schäfer (CDU).) Es ist doch wohl ein Unterschied, Kollege, ob ich einem etwas zu Verfügung stelle nach der Devise „Da“ oder ob ich sage: „Könnten wir uns einmal zusammensetzen und etwas gemeinsam machen?“ - Das müsste man als Parlamentarier eigentlich wissen. Das ist kein vernünftiger Umgangston, wenn man an diesem Thema dran ist. Ich rede wie gesagt von denen, die mit mir darüber gesprochen haben, als sie mitbekommen haben, dass dieser Antrag heute ins Parlament kommt. (Zuruf des Abgeordneten Schäfer (CDU).) Zweitens, es gibt die Debatte - das habe ich mit Blick auf den LSVS beziehungsweise Vertreter des LSVS in den letzten Tagen mitbekommen -, dass die momentane Art der Behandlung des Themas eher schadet. Man hat den Eindruck, dass es um die schnelle Schlagzeile geht. Alleine dieser Eindruck ist für mich ein Punkt, bei dem ich sage „Obacht an der Bahnsteigkante“. Ich bin der Letzte, der irgendjemandem aufgrund seiner Funktion oder seines Engagements die Redlichkeit abspricht. Wenn wir so etwas allerdings angehen wollen, muss man damit beginnen, dass der Prozess vernünftig aufgelegt wird, sonst knallt man mit dem Ding gegen die Wand und hat zumindest den Eindruck hinterlassen, dass es einem eigentlich gar nicht um die Sache geht, sondern nur darum, schnell eine Schlagzeile zu bekommen. Ich wiederhole nur das, was an mich herangetragen wurde. (Beifall von der SPD. - Zurufe von der CDU.) Drittens, der organisierte Sport im Saarland hat mit dem LSVS einen starken Fürsprecher. Der Sport im Saarland ist allerdings mehr als nur der LSVS. Es geht um mehr als die Förderung des LSVS, meine sehr verehrten Damen und Herren. Das war, ist und bleibt - wenn man weiterhin derart orientiert an diesem Thema arbeitet - ein Denkfehler, der mit dazu beigetragen hat, dass wir solche Probleme haben, wie wir sie teilweise aus der Vergangenheit kennen. Ich will das gar nicht irgendwelchen Personen oder Persönlichkeiten alleine zurechnen. Ich sage nur, die Tatsache, dass man versucht hat, sich mit Blick auf das Thema Sport im Saarland alleine über den LSVS zu definieren, hat bestimmte Entwicklungen nach sich gezogen, unter denen der LSVS heute noch leidet. Wir müssen das Gesamtpaket ansehen. Der LS-VS - dazu bekenne ich mich - macht eine hochprofessionelle Arbeit, seitdem er einen Neustart hingelegt hat. Ich arbeite mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Heinz König genauso gut und vertrauensvoll zusammen wie mit den beiden Vorständen Joachim Tesche und Johannes Kopkow. Es sind hochprofessionelle Strukturen, die langsam anfangen, zu wirken. An der Stelle - das sage ich ganz klar, lieber Kollege Schäfer - den Eindruck zu erwecken, dass der Olympiastützpunkt ins Rutschen kommt, wenn wir nicht schnell arbeiten und letztendlich Hilfestellung geben, ist aus meiner Sicht völlig überzogen. (Abg. Schäfer (CDU): Das kann passieren.) Wir haben beim Olympiastützpunkt - hören Sie ganz genau zu - ein anderes Problem. Es ist in der Personalisierung zu sehen. Das macht uns viel mehr Probleme als eine vermeintliche Unterfinanzierung. Ich hoffe, dass wir im Laufe dieses Jahres eine entsprechende Nachpersonalisierung hinbekommen. Hören wir auf, das schlechtzureden, was dem Grunde nach eigentlich ordentlich läuft. Das wäre ein Bärendienst für den Sport im Saarland. (Beifall von der SPD.) Ich sage jetzt noch etwas. Ich habe mir das aufgeschrieben. Es geht darum, dass man darauf hinweist, man würde völlig am Thema vorbeireden. Man muss Verantwortung wahrnehmen. Ich sage, man muss ihr auch gerecht werden. Ich sage, was ich an dieser Stelle zur Stabilisierung des Spitzensports gemacht habe. Ich suche einmal einen völlig unverdächtigen Verband heraus, nämlich den Saarländischen Leichtathletik-Bund. Sie müssten eigentlich wissen, was wir alles getan haben, was ich, aber beispielsweise auch mein Vorgänger für die Spitzensportabsicherung außerhalb dessen, was über den LSVS und seine Finanzierung möglich ist, gemacht haben. (Abg. Schäfer (CDU): Das ist kein Thema.) Ich weiß nicht, wie viele Termine ich mittlerweile mit dem Präsidenten des Saarländischen Leichtathletik-Bundes hatte, bei denen wir uns die Infrastruktur angeguckt haben und ich gesagt habe, dass ich bereit bin, zu helfen. Am Ende hat es dann in erster Linie nicht an mir gehangen. Beispielsweise geht es auch um die Kommunalverantwortlichen. Wir werden helfen - ob das in Altforweiler ist oder in der Landeshauptstadt, ich bin an deren Seite. Wir haben Unseres auch gemacht, was die Absicherung von Trainerinnen und Trainern angeht. Wir sind auch die Veranstaltungsabsicherungen betreffend unterwegs. Ich bin der festen Überzeugung, dass das der richtige Weg ist. Da braucht man sich nicht zu schämen. Darauf kann man etwas stolz sein. Ich bin es jedenfalls. Ich bin dankbar, beispielsweise mit dem Saarländischen Leichtathletik-Bund, den Ringern oder den Turnern gemeinsam Wege und Auswege zu finden, die helfen, das Gute, was wir haben, abzusichern, statt nur zuzugucken, dass es den Bach heruntergeht. Das ist nicht mein Ansatz. Ich möchte den Saarsport weiter nach vorne bringen und ich habe den Eindruck, das gelingt uns ganz gut. (Beifall von der SPD.) Wir haben Sondersituationen. Ich bin nicht bereit, dass wir sie kleingeredet bekommen. Das Sportachtel ist eine - wie ich finde - sehr gute Grundlage. Man kann darüber nachdenken, wie man es eventuell zusätzlich flankiert. Der Kollege Maaß hat auf ein paar Punkte hingewiesen wie Mittel der Sportplanungskommission, zusätzliche Dauerbeschlüsse auch mit Blick auf das, was aus Toto-Geldern über das Sportachtel hinaus kommt, sowie die Infrastruktur. Es geht darum, was wir mit Bedarfszuweisungen ergänzen. Ich habe mir das aufschreiben lassen. Ich habe geguckt, wo wir herkamen und wo wir jetzt sind. Es geht um das, was über den Sporttitel und den Landeshaushalt an den organisierten Sport ausgekehrt wird, und zwar nicht nur, aber insbesondere an den LSVS. Wir haben über 2,2 Millionen Euro in diesem Haushaltsjahr zur Verfügung. Das ist der Beweis dafür, dass uns die Situation nicht kaltlässt. Das bedeutet eine Anhebung der Mittel aus dem vorangegangenen Jahr im Vergleich zu diesem Jahr. Das ist das Bekenntnis dafür, dass wir den Saarsport nicht alleine lassen. Wir sind dort dauerhaft unterwegs. Wir reden eigentlich jeden Tag miteinander. Ich habe heute Morgen um 7.30 Uhr mit Vertretern des LSVS und der Special Olympics zusammengesessen, weil wir ein Interesse daran haben, dies als eines unserer Leuchtturmprojekte nach vorne zu bringen. Ich bin jeden Tag im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, Sportlerinnen und Sportlern, Athletinnen und Athleten. Wir leisten die Polizeisportfördergruppe betreffend einen Beitrag. Es hat auch Corona-Hilfen gegeben und Mittel, um das Thema Olympia anzugehen. Es waren über 600.000 Euro, die der LSVS dafür bekommen hat. 500.000 Euro haben wir zur Stabilisierung der entsprechenden Energiekosten gegeben. All das ist der Beleg dafür, dass wir die Interessen des Saarsports und auch des LSVS ernst nehmen. Wir lassen dort niemanden alleine. Ich kann nur darum bitten, jetzt nicht den Teufel an die Wand zu malen und damit eventuell Gespenster zu rufen, die man nachher nicht mehr wegbekommt. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir in dem Sinne, wie wir bisher gearbeitet haben, auf dem richtigen Weg sind. Ich habe nicht vor, ihn zu verlassen, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall von der SPD.) Lassen Sie mich an der Stelle ganz kurz auf drei Punkte, die mir im Verhältnis zu den Athletinnen und Athleten, den Sportlerinnen und Sportlern und vor allen Dingen auch den Funktionärinnen und Funktionären des organsierten Saarsports wichtig sind, eingehen. Der Saarsport - ich habe es eben schon gesagt - ist mehr als nur der LSVS, aber der LSVS ist für uns der wichtigste Partner und Player in dieser ganzen Angelegenheit. Er hat in den zurückliegenden Monaten eine hohe Professionalität an den Tag gelegt. Er hat selbst ein großes Interesse daran, sich möglichst wenig von anderen abhängig zu machen, da das im Grunde Segen und Fluch zugleich ist. Es geht darum: Wenn man von einem einen großen Batzen für seinen Appetit bekommt, muss man sich eventuell nachher sagen lassen, was man vorgesetzt bekommt. Das ist für uns eigentlich immer die große Chance gewesen, dass der LSVS beziehungsweise der Saarsport selbst entscheiden konnte, in welche Richtung er geht. Dieses Vertrauensverhältnis möchte ich in den kommenden Jahren weiter ausbauen. Ich bin optimistisch, dass uns das an der einen oder anderen Stelle gelingt. Der LSVS weiß selbst, dass sich bestimmte Dinge auch aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen nicht mehr so darstellen, wie es noch vor Jahren der Fall war. Wir haben - wie ich finde - bisher gemeinsam, verlässlich und zukunftsfest gehandelt. Ich habe nicht vor, das in den kommenden Jahren meiner Verantwortlichkeit zu ändern. Eine kleine Spitze am Schluss erlaube ich mir. Es geht um den Antrag. Ich bin der Auffassung, wenn man das Ganze bei vielen Dingen - Bedeutung des Sports, Staatszielbestimmung, Frage einer vermeintlichen Notwendigkeit, begleitende Finanzierungen angehen - in den letzten fünf oder zehn Jahren so geführt hätte, wie wir es jetzt geführt haben, hätte man die Glaubwürdigkeit betreffend geringere Probleme, als wenn man es jetzt nach der Devise „Jetzt habt Ihr zu liefern. Wenn Ihr nicht liefert, seid Ihr schuld.“ macht. (Abg. Schäfer (CDU): Die Situation ist eine andere.) Das ist mir ein bisschen zu leicht. Ich nehme an dieser Stelle niemandem die Ehre weg, indem ich sage, dass wir nachsteuern müssten. Ich habe aber für mich persönlich den Stolz, darauf hinzuweisem, dass wir in den zurückliegenden 14 Monaten - zumindest meiner Amtszeit - aufbauend auf vielem Guten, das mein Vorgänger hinterlassen hat, eine gute Politik im Sinne des Sports gemacht haben. Ich habe nicht vor, sie zu ändern. - Herzlichen Dank. Glück auf. (Beifall von der SPD.)
