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Maximilian Raber

SPD 17.05.2023 Sitzungen 17/14

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Der vorliegende Antrag befasst sich mit einem für die Saarländerinnen und Saarländer sehr emotionalen Thema: dem heimischen Wald. Wald hat für viele Menschen etwas Mystisches, Sagenumwobenes. Nicht umsonst spielt er eine so große Rolle in unseren Geschichten (Abg. Raber (SPD)) und Märchen, die wir von Kindesbeinen an erzählt bekommen. Dazu sieht wohl jede und jeder ein Bild vor dem inneren Auge und weiß, wie der perfekte Wald auszusehen hat. Wir nutzen die Wälder vor unseren Haustüren zum Fahrradfahren, Spazieren und Wandern und haben dort in unserer Kindheit mit Freundinnen und Freunden gespielt. Er ist also Raum für Bewegung, Erholung, Spiel und Sport, und das generationsübergreifend. Der Wald ist aus unserem Saarland nicht wegzudenken und ist dabei auch ein Stück Heimat. Als Kommunalpolitiker weiß ich aber auch, dass sich gerade beim Thema Wald die Diskussionen aufladen - das haben wir hier schon in den Reden erleben dürfen -, ob bei Fällungen und Rückearbeiten, zunehmender illegaler Entsorgung, Aufforstungen oder Rodungen für Industrie und Wohnungsbau. Fast jede und jeder hat dazu eine Meinung, denn es ist, wie schon gesagt, ein emotional aufgeladenes Thema. Darüber hinaus hat der Wald - ganz rational gesehen - eine weitere Funktion. Ein Hektar Wald bindet über 10 Tonnen Kohlendioxid und produziert 15 bis 30 Tonnen Sauerstoff. Er schafft einen Rückhalt von bis zu 3 Millionen Litern Wasser und speichert so bis zu 100.000 Kubikmeter Trinkwasser. Er beheimatet verschiedene Pflanzen, Tiere und Ökosysteme. Er ist also ein wichtiger Faktor im Klimawandel und für unseren Klimaschutz. Dabei hat das Saarland den Wald, den sich andere wünschen. (Beifall von der SPD.) Der SaarForst Landesbetrieb bewirtschaftet unseren Wald unter den Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit und Naturnähe und sichert damit seine vielfältigen Funktionen. Nachhaltige und naturnahe Waldwirtschaft bedeutet unter anderem, nicht mehr Bäume zu entnehmen als nachwachsen. Es bedeutet aber auch, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit mit ökologischer Verantwortung und sozialer Gerechtigkeit in Einklang zu bringen. Unseren Wald zeichnet besonders die Mischkultur aus. Neben 29 Prozent Eichen, 22 Prozent Buchen, 13 Prozent Fichten und 10 Prozent Kiefern beheimatet er 26 Prozent weitere Baumarten. Das schützt ihn zum einen vor hektarweisem Kahlschlag durch Schädlingsbefall, macht ihn aber auch ein Stück weit klimaresilienter. Dennoch steht der beliebte Ort für Naherholung unter starkem Klimastress. Besonders die extremen klimatischen Bedingungen im letzten Sommer haben unserem Wald zu schaffen gemacht, was im Waldzustandsbericht besonders deutlich wird. Über 80 Prozent der Bäume im Saarland waren mindestens schwach geschädigt, fast die Hälfte davon sogar mittelstark. Alleine 7 Prozent der Fichten, fast 1 Prozent der Kiefern und insgesamt 1,5 Prozent unserer Bestände sind im Jahr 2022 abgestorben - eine enorme Anzahl. Einen Anteil daran tragen Schadstoffe in der Luft wie Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid, Ammoniak und Ozon durch deren unmittelbare Aufnahme über die Luft oder über das Wurzelwerk bei Regen. Einen weit größeren Anteil tragen jedoch die steigenden Temperaturen, die extreme Trockenheit und die Extremwetterereignisse. Verschließt man die Augen nicht vor den Tatsachen, muss zwangsläufig erkannt werden, dass es zwingend erforderlich ist, zu handeln und einzugreifen. Diesem erforderlichen Handeln trägt auch der Entwurf des Gebäudeenergiegesetzes aus dem Bundeswirtschaftsministerium Rechnung. Ich betone an dieser Stelle: Es handelt sich um den Entwurf eines Gesetzes. (Sprechen bei der CDU.) Den Worten unserer Ministerpräsidentin entnehme ich ganz deutlich, dass hier Nachbesserungsbedarf besteht. (Abg. Schäfer (CDU): Super, dann könnt ihr unserem Antrag zustimmen.) Und das ist auch richtig so. Herzlichen Dank, liebe Anke, dass du dich in Berlin für uns stark gemacht hast. (Beifall von der SPD.) Wie ich bereits beschrieben habe, leidet unser Wald unter Extremwetter, insbesondere den hohen Temperaturen und Trockenheit. Durch Hitze und fehlende Niederschläge trocknen nicht nur der Boden und die Vegetation aus, sondern auch Laub und Geäst. Ursächlich für Waldbrände ist nicht - wie oft angenommen - Abfall- und Restholz, sondern jene Melange aus Trockenheit und hohen Temperaturen, verursacht durch den Klimawandel. Die Waldbrandstatistik gibt explizit menschliches Handeln als ermittelte Hauptursache für Brände an, wobei 40 Prozent auf Fahrlässigkeit und Vorsatz zurückzuführen sind. Bei 128 durch Fahrlässigkeit verursachten Fällen im Jahr 2021 wurden rund 57 Prozent durch unvorsichtiges Verhalten von Waldbesucherinnen und Waldbesuchern, Campenden oder Kindern ausgelöst. In 32 Prozent der Fälle von Fahrlässigkeit wurden die Brände durch wirtschaftliche Aktivitäten verursacht, beispielsweise Fällarbeiten. Natürliche Ursachen wie Blitzschläge waren hingegen lediglich für weniger als 2 Prozent der Waldbrände ausschlaggebend. Dabei kann gerade Tod- und Restholz Waldbrände sogar einschränken. Im Zersetzungsprozess bindet es Feuchtigkeit und kann dadurch Bodenfeuer bremsen. In diesem Zersetzungsprozess bildet es auch Lebensräume für Vögel und Insekten oder dient als Nährboden für Pflanzen. Darüber hinaus bilden sich Nährstoffe, die an den Boden abgegeben werden und so Mikroorganismen versorgen. Diese Mikroorganismen (Abg. Raber (SPD)) dienen wiederum der Auflockerung und Durchlüftung des Bodens, was das Wachstum von Bäumen begünstigt. Unbestritten ist aber auch, dass bei diesem Prozess CO freigesetzt wird. Allerdings geschieht dies in kleinen Mengen über eine relativ lange Zeit, in der auch wieder CO im Mineralisierungsprozess gebunden wird. Durch die positive Wirkung auf den Boden und die dadurch verbesserten Bedingungen für den Aufwuchs von Bäumen wird der Ausstoß durch den Holzzuwachs und die abermalige Bindung mengenmäßig mindestens aufgewogen. Man spricht deshalb von einem System im Gleichgewicht. Abgesehen davon ist auch das implizierte Bild leider falsch. Die Streuschicht in naturnah bewirtschafteten Wäldern wird nicht mehr ausgeräumt. Dieses Bild der Waldwirtschaft ist seit Jahren nicht mehr zeitgemäß. Konkret heißt das: Der Verbleib im Wald wirkt sich positiv auf das Ökosystem aus und bindet so mehr CO , als bei der Zersetzung frei wird. Bei Verbrennung wird hingegen umgehend CO in größeren Mengen freigesetzt. (Abg. Theis (CDU): Also sind Sie jetzt doch dagegen?) An dieser Stelle möchte ich mit einem weiteren Punkt im Papier aufräumen. Das Zuheizen mit Holz wird weiterhin möglich sein. Das geschieht sowieso in den meisten Fällen durch eine sogenannte handbeschickte Einzelraumfeuerungsanlage, beispielsweise einen Kamin oder Kachelofen. Diese Anlagen sind im Gesetzentwurf explizit ausgenommen. Darüber hinaus können auch sonstige Holzheizungsanlagen weiter betrieben werden. Dieser im Antrag als soziale Notwendigkeit bezeichneten Gegebenheit wird bereits Rechnung getragen. Das Stück Lebensqualität bleibt also weiterhin erhalten. Die Nachfrage nach Holz geht jedoch mit der Preisentwicklung am Markt einher. Erhöht sich bei gleichbleibender verfügbarer Menge die Nachfrage, steigen nach den landläufigen Marktbedingungen auch die Preise, denn Holz wird nicht nur als Brennstoff benötigt. Als nachwachsender Rohstoff dient es auch verschiedenen Industriezweigen. Kohlenstoff wird in Holzprodukten langfristig gebunden. Besonders die Baubranche hat den Werkstoff Holz für sich entdeckt. Holzbauten boomen auf der ganzen Welt, die Nachfrage steigt. Diese Nachfrage kann bereits jetzt nicht mehr aus heimischen Wäldern gedeckt werden. Dies betrifft auch den Verkauf von Brennholz und führt zu Kontingentierungen der Abgabe. Ziel der Verteilung des unter naturnaher Bewirtschaftung geschlagenen Rohstoffes ist es, diesen möglichst vielen Menschen zur Verfügung zu stellen. Dennoch sind die Bestände endlich und eine reine Fokussierung auf Brennholz, gerade aus Sicht der Beziehenden von Bau- und Industrieholz, ist wohl weniger sinnvoll. (Zuruf des Abgeordneten Theis (CDU).) Meine Damen und Herren, unser erklärtes Ziel ist es, unsere heimischen Wälder zu schützen und für unsere Kinder und Kindeskinder zu erhalten. Dazu müssen wir unseren Wald klimaresilient machen und an die sich ändernden Bedingungen anpassen. Mit der naturnahen Waldbewirtschaftung gehen wir bereits einen guten Schritt in die richtige Richtung. Verlassen wir diesen Weg nicht, sondern gehen ihn weiter. - Herzlichen Dank und Glück auf! (Beifall von der SPD.)

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