Friedrich Josef Dörr
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Als ich den Antrag gelesen habe, habe ich mich gefragt, was das nun wieder für einen Antrag ist. Und dann ist mir eingefallen - lange nicht mehr in der Deutlichkeit -, es ist ein Propaganda-Antrag. Man konnte es an den Stellen sehen, wo stand, dass mehr Geld ausgegeben wurde und dass durch die Novellierung des Schulmitbestimmungsgesetzes ein Meilenstein gesetzt wurde. Das war die eine Seite. Die andere Seite ist, dass ich gedacht habe: Moment, es könnte natürlich auch sein, dass die neue SPD-Mehrheitsfraktion - es sind viele jungen Menschen dabei - mit der Arbeit der Regierung unzufrieden ist und ihr deshalb auf diesem Wege etwas Dampf machen will. Es spricht meiner Ansicht nach einiges dafür. Das wäre auch eine gute Sache, das kann man unterstützen. Allerdings ist meiner Ansicht nach das Mittel nicht tauglich, denn wenn man alle Träume und Visionen in ein gutes Bündel fasst, kommt am Schluss nichts Handfestes dabei heraus. Besser wäre - daran kann man auch den Ernst der Angelegenheit messen ‑ , dass nachher konkrete Anträge kommen, zum Beispiel freier öffentlicher Personennahverkehr für Jugendliche, freie Eintrittsgelder in öffentlichen Einrichtungen für Jugendliche oder - das haben Sie schon einmal gebracht - 16 Jahre als Wahlalter und viele andere Dinge mehr. Sehr viele konkrete Dinge sind also möglich aufgrund dieses Pauschalantrags. Überrascht war ich von Folgendem: Ich weiß ja von meinem Beruf her, dass die Zeiten, in denen man Kind oder Erwachsener ist, sehr beweglich sind und es bei der Beurteilung auch ein bisschen auf die einzelnen Wissenschaftler ankommt. Da gibt es nur ein paar Richtlinien. Mit 18 Jahren ist man volljährig, ansonsten ist das ziemlich schwammig. Aber in diesem Antrag haben Sie 12 bis 27 Jahre für jugendliches Alter ausgewählt. Da war ich schon platt. Ich war nämlich mit 20 Jahren schon Lehrer, mit 23 Jahren war ich verheiratet. Mit 27 Jahren war ich Schulleiter, habe angefangen, ein Haus zu bauen, hatte schon zwei Kinder mit meiner Frau. Das war für mich dem Empfinden nach keine Jugendzeit mehr. Die war vorbei. Die 14-Jährigen waren in den Beruf eingetreten als Bergleute, als Hüttenarbeiter, in die Geschäfte und so weiter. Diese Festlegung 12 bis 27 Jahre halte ich für gewagt, um es einmal so zu sagen. Das Zweite ist, dass mir Dinge wie Allheilmittel begegnet sind. Wir haben in unserem Antrag gesagt, wir denken, dass eine gute Jugendarbeit schon eine gute Schule ist. Eine gute Schule ist Grundlage und wesentlicher Bestandteil einer guten Jugendarbeit. Das erschöpft sich auch nicht in der Mitbestimmung. Ich habe in meiner Jugendzeit nie das Gefühl gehabt, dass ich zu wenig mitbestimmen konnte, sowohl zu Hause in der Familie als auch in der Schule und sonst wo. Aber eine gute Schule ist sehr wichtig. Da taucht schon wieder dieser Begriff des multiprofessionellen ‑ ‑ (Abg. Braun (SPD): Multiprofessionelles Team!) Ja, Team. „Team“ ist übrigens das einzige englische Wort, das ich sehr akzeptiere, Frau Braun, weil es erstens kurz ist und zweitens wegen der Geschichte mit der „Mannschaft“. Wir haben ja „Frauenmannschaften“. Da kriege ich immer ein bisschen das Grausen. Eigentlich sind es „Frauenschaften“. Aber so kann man es dann auch wieder nicht sagen. Das ist schwierig. Da ist „Team“ ein schönes Wort. Diese multiprofessionellen Teams sind mir ein Gräuel, weil ich als Lehrer ausgebildet worden bin - das ist schon eine Weile her -, aber ich wurde nicht nur als Wissensvermittler ausgebildet, ich wurde ausgebildet als Erzieher, als Sozialarbeiter. Es waren damals auch noch viele Halbwaisen- und Waisenkinder dabei. Da war (Abg. Dörr (AfD)) man Vater oder die Lehrerin gleichzeitig Mutter. Man war vieles in einem, und zwar aus Berufung und auch von der Ausbildung her. Dafür ist man ausgebildet worden. Nachher - ich habe ja noch eine Zusatzausbildung für behinderte Kinder gemacht - hat man das Können und Wissen auch noch mitgebracht. Ich habe in meiner langen Zeit als Schulleiter viel mit solchen Dingen zu tun gehabt. Ich war einer der Ersten - ich war sogar in dem Ausschuss im Kultusministerium ‑ , die sich mit Integration befasst haben und so weiter. Es ist für viele ein Segen, dass einmal eine Lehrperson oder jemand anderes in die Klasse kommt und einem Kind hilft. In der Regel oder sehr oft wird es sogar von den Kindern, aber auch von den Kollegen, als lästig empfunden, wenn während des Unterrichts Leute da herumlaufen, der macht dieses und der andere macht jenes, und auch Vertraulichkeiten, die die Lehrperson gegenüber der Klasse hat, werden gestört, wenn immer zwei oder drei Leute da herumlaufen. Diese „Multiprofessionalität“ ist kein Allheilmittel. Es ist besser, man bildet die Lehrer so aus, dass sie das selbst können. Ich kann Ihnen einmal etwas zum Denken mitgeben: Wie ist es denn mit dem Beruf der Hausfrau? Hat die auch einen Gärtner? Hat die auch eine Wäscherin, einen Chauffeur, einen Erzieher zu Hause? - Nein. (Unruhe. - Sprechen.) Es gibt ja heute immer noch Hausfrauen. Es gibt auch Hausmänner. Die haben einen umfassenden Beruf und müssen sehr vieles können. Das wird von ihnen auch verlangt. - Herzlichen Dank. (Beifall von der AfD.)
