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A. Becker

SPD 17.05.2023 Sitzungen 17/14

Auf Emotionen komme ich gleich noch zu sprechen. Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe KollegInnen! Eine europäische Gemeinschaft wurde vor vielen Jahren nicht nur in der Industriepolitik besiegelt, sondern auch in der Wissenschaft. Den 75. Geburtstag der Universität, den wir jetzt feierten, haben wir nicht zuletzt unseren französischen Nachbarn aus Nancy zu verdanken. Wir haben bereits mit den Erasmusprogrammen Grenzen abgebaut und eine europäische Gemeinschaft für Forschung und Wissenschaft geschaffen. Daran wollen wir anknüpfen. Als Grundpfeiler dafür fungieren Projekte wie Transform4Europe und der Verbund der Universitäten der Großregion. Das Europainstitut hat über die Grenzen hinweg Renommee. Mit den kürzlich eingerichteten Europawissenschaften gehen wir einen weiteren Schritt in Richtung Europauniversität. Wir tun alles, damit dies auch gelingt, liebe KollegInnen. (Beifall von der SPD.) Man sagt so schön, je jünger man ist, desto einfacher lässt es sich lernen. Weil die sprachliche Verständigung der wichtigste Grundstein für eine Zusammenarbeit ist, fangen wir schon bei den Kleinsten an. Der Startschuss für bilinguale Élysée-Kitas ist gefallen. Es ist ein absoluter Meilenstein in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, in der wir als Saarland mit rund 40 Prozent aller Élysée-Kitas eine Vorreiterrolle einnehmen. Wir setzen uns dafür ein, dass dieses Angebot weiter ausgebaut wird - auch im gesamten Bundesgebiet. Während der Schulzeit gibt es zwar zahlreiche Austauschprogramme, allerdings gibt es hier noch weitere (Abg. A. Becker (SPD)) Ausbaumöglichkeiten. Wir müssen daran arbeiten, die Programme bekannter und einfacher zu machen und vor allem im Berufsschul- und Ausbildungsbereich noch auszuweiten. Zusätzlich ist es aber auch wichtig, dass die Lehrerinnen und Lehrer verschiedener Länder verstärkt in den Austausch kommen, um grenzüberschreitende Treffen überhaupt erst zu initiieren und zu erleichtern. Ein asiatisches Sprichwort sagt: „Es ist besser, etwas einmal selbst zu sehen, als tausendmal davon zu hören“. Deshalb ist die Mobilität so wichtig. Europa entsteht durch Begegnungen, Europa muss erlebbar sein. (Beifall von der SPD.) Neulich hatten wir hier im Landtag die Europaklassen zu Besuch. Ich fragte sie, ob sie öfter einmal rüber nach Frankreich oder Luxemburg fahren. Ich bekam vor allem die Antwort: „Höchstens mal zum Einkaufen“. - Das ist ein Klassiker. Ich bin fest davon überzeugt, hier kann die Kultur helfen. Kultur kann der Kleister sein, der die Menschen in Europa zusammenbringt. Mit Kultur löst man Emotionen aus und Emotionen möchte man teilen. Emotionen bauen Hemmungen ab und sie verbinden. Das sehen wir auch bei der Fußball-WM. Wenn das eigene Land schon raus ist, fiebert man eben für den Nachbarn mit. Deshalb ist es auch so wichtig und gut, dass wir mit Anke Rehlinger eine Kulturbevollmächtigte haben, die genau das weiß. Sie weiß, was sie tut. Sie kommt aus dem Saarland beziehungsweise aus der Großregion. Sie baut Grenzen zwischen Ländern und Grenzen in den Köpfen ab, zum Beispiel beim Festival Perspectives, das nächste Woche stattfindet. Das fest etablierte deutsch-französische Kulturfestival zieht auch viele junge BesucherInnen an. Als Anschubhilfe sollten wir das französisch inspirierte Förderinstrument des Kulturpasses nutzen und zu einem deutsch-französischen Kulturpass ausweiten, perspektivisch vielleicht sogar einen europäischen Kulturpass daraus machen. Mit Begegnungen schafft man gegenseitiges Verständnis und Integration verschiedenster Kulturen. Damit schafft man das Gegenteil von dem, was Rechte machen, nämlich die Gesellschaft spalten. Kultur und Bildung sind wichtige Grundpfeiler unserer Demokratie. Deshalb müssen wir den Ausbau von Initiativen, die sich mit grenzüberschreitender Demokratiebildung auseinandersetzen, fördern und unterstützen. Das ist in Zeiten wie heute wichtiger denn je. (Beifall von der SPD.) Jetzt haben wir eine Stunde über ein gemeinsames Europa gesprochen. Es gibt viele ähnliche Positionen, aber leider konnte sich die CDU nicht zu einem gemeinsamen Antrag durchringen. Man macht lieber Politik gegen die SPD als gemeinsam für Europa. Das finde ich sehr schade. (Beifall von der SPD. - Zurufe des Abge- ordneten Theis (CDU) und der Abgeordne- ten Schmitt-Lang (CDU).) Ich bin fest davon überzeugt, alle Menschen im Saarland und in der gesamten Großregion tragen Europa im Herzen. Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass sie Europa auch in den Köpfen tragen. - Glück auf und vive l'Europe. (Beifall von der SPD.)

Protokoll ↗