Friedrich Josef Dörr
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Das Saarland ist unsere Heimat, Deutschland ist unser Vaterland und Europa ist unser Schicksal. Ich komme aus Quierschied. Das liegt ungefähr in der Mitte des Saarlandes. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Quierschieder auf die Idee käme zu sagen, mit dem Saarland habe er nichts am Hut, das Saarland gehe ihn nichts an. So liegen wir auch mitten in Europa und deshalb ist Europa unser Schicksal. Wir wollen, dass die europäische Staatengemeinschaft zügig ausgebaut wird. Wir wollen ein demokratisches Europa schaffen mit einer Aufgabenverteilung, in der für die einzelnen Länder möglichst viel Selbstständigkeit vorhanden ist. Man nennt das neudeutsch Subsidiaritätsprinzip. Das ist möglichst viel Selbstständigkeit. Das bedeutet Vielfalt nach innen, aber Einheit nach außen. Das ist von den Vorrednern auch schon gesagt worden. Ich möchte das nur unterstreichen. Wir wollen den Schutz unserer Außengrenzen, damit wir unsere Innengrenzen auch öffnen können. Ich war dabei, als damals die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich nachts um 0.00 Uhr aufgehoben wurde. Wir haben uns damals vorgenommen, überhaupt nicht mehr von Grenzen zu sprechen, weil sie ja nicht mehr da waren. Es kommen aber immer mal wieder Ausdrücke wie „grenzüberschreitend“ und so weiter. Wir wollten also eigentlich nur Verwaltungsgrenzen. Es ist in Europa in den letzten fast 80 Jahre nach dem Krieg sehr viel geschehen, aber es ist bedeutend zu wenig. Das sehen wir jetzt, wo - wie gesagt - fast 80 Jahre nach dem Krieg in Europa ein neuer Krieg ist, und zwar ein Krieg, der es in sich hat, der tatsächlich die Gefahr in sich birgt, dass er sich zu einem Weltkrieg ausweitet. Wir haben immer die Vorstellung, dass ein Weltkrieg auf einmal anfängt und auch wieder aufhört. Wenn Sie sich aber einmal die Geschichte des Zweiten Weltkrieges anschauen, dann erkennen Sie, dass es mehrere Feldzüge, Kriege und so weiter waren, anfangs mit mehreren Beteiligten, am Schluss war die ganze Welt darin verwickelt. Diese Gefahr besteht. Deshalb sind wir nicht für weitere Waffenlieferungen und Kriegsunterstützung - für wen auch immer. Wir sind für absolute Einstellung sämtlicher Waffenlieferungen. Wir sind für einen Frieden sofort! Was wir tun können, müssen wir auch tun. Es gibt immer Ausreden für heilige oder gerechte Kriege, aber es gibt keine heiligen oder gerechten Kriege, es gibt Kriege mit viel Zerstörung und mit vielen Toten. Wir sind radikal dagegen! (Beifall von der AfD.) Europa muss ein Erdteil des Friedens werden. Es ist schon gesagt worden, Europas Einfluss ist alleine von der Einwohnerzahl her schon stark zurückgegangen. Europa muss ein Erdteil des Friedens werden, der seine bescheidene Stimme selbst vereinigt und in der Welt zur Geltung bringen kann für die Schaffung und Aufrechterhaltung von Frieden in der Welt. Entgegen aller Aussagen - ich will das aber nicht qualifizieren -, die AfD wäre gegen Europa, sind wir von der AfD für Europa. Wir leben Europa, wir werden uns allerdings nicht in die Angelegenheiten anderer Länder in Europa einmischen und kommentieren, wie sie gewählt oder welche Regierung sie haben. Wir haben mit unserer genug zu tun. Ich möchte mich jetzt noch an meinen Nachbarn zu Rechten wenden, an Herrn Wirtschaftsminister Barke. Es gehört zum Thema dazu. Ich habe ein Interview mit ihm in der Saarbrücker Zeitung gelesen. Ich habe mir die Mühe gemacht, es ganz zu lesen, (Vereinzelt Lachen) nachdem ich vorne auf der ersten Seite die Zusammenfassung gelesen hatte. Es sind mir einige Dinge aufgefallen, die ich nicht unkommentiert lassen möchte. Zuerst einmal, Herr Barke, so denke ich, haben Sie Nachholbedarf, was die Geschichte des Saarlandes nach dem Kriege betrifft. Zweitens, so denke ich, haben Sie gezeigt, dass Sie eine doppelbödige Moral haben, was die Facharbeiter betrifft, die aus dem Ausland zu uns kommen. Drittens haben Sie einen schwammigen Ausländerbegriff verwendet. (Sprechen bei der SPD.) Ich komme zum dritten Punkt. Sie verwenden in diesem Interview ständig das Wort Ausländer. Bei mir existiert dieses Wort gar nicht. Ich bin in allen Ländern außer in Deutschland Ausländer. Wenn ich nach Forbach gehe, 5 km von hier entfernt, bin ich schon Ausländer. Die Türken sagen: „Türk var, türk var!“. Das bedeutet, ich übersetze frei: Nicht jeder Türke ist gleich, alle Türken sind verschieden. Das gilt aber für alle, das gilt für die Deutschen oder für uns hier im Parlament. Wir haben hier denselben Job, aber wir sind grundverschieden. Deshalb kann ich nicht einfach von Ausländern reden, sondern es kommt darauf an, woher sie kommen, wie alt sie sind, welches Geschlecht sie haben, mit welcher Absicht sie hierherkommen, wie sie hierhergekommen sind. Das ist ein großer Unterschied. Zum zweiten Punkt. Doppelbödig ist, wenn ich zum Beispiel ‑ ‑ Frau Präsidentin, ich sehe gerade meine Redezeit. Wie viele Redezeit habe ich?
