Stephanie Meiser
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! „Viel geschafft, noch viel vor“ - so beginnt der Titel unseres heutigen Antrags zum Thema Start-ups. Das ist gut so, denn wir haben noch ordentlich viel vor. Um den Wirtschaftsstandort Saarland in den nächsten Jahren und Jahrzehnten attraktiv zu halten und noch attraktiver zu gestalten, brauchen wir viele zündende Ideen und Pioniergeist. Wir brauchen kluge Köpfe, brauchen Macher und Anpacker. Aber für all das brauchen wir die passenden Rahmenbedingungen. Denn was nützt es, wenn die guten Ideen in den Köpfen bleiben, der ausgeklügelte Prototyp in der Garage verstaubt oder ein fast zu Ende gedachter Plan an der Finanzierung scheitert? Wer sich auf eine Gründung einlässt, geht oft „all in“ in dieses Vorhaben. Aber ist volles Risiko tatsächlich auch die Voraussetzung für Erfolg? Wer gründen will, muss gut beraten sein. Aus der Idee muss ein Geschäftsmodell entwickelt, ein Business-Plan erstellt und nicht zuletzt die Finanzierung gesichert werden. Viele Fragen beschäftigen Gründerinnen und Gründer in dieser Phase, ob ihre Geschäftsidee gut ist, woher sie Geld für ihr Unternehmen bekommen, wer ihnen bei der Buchhaltung hilft oder sie bei Behördengängen berät, wie sie sich oder ihr Unternehmen zukünftig absichern müssen, wie es mit der Altersvorsorge aussieht. Diese Fragestellungen sind vielfältig und zahlreich. Die Schlussfolgerung daraus ist: Die Beratung muss umfassend, professionell und individuell (Abg. Meiser (SPD)) zu sein. Das ist eine Voraussetzung, die wir im Saarland bieten, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall von der SPD.) Bereits seit mehreren Jahren unterstützt das Wirtschaftsministerium unter anderem die Gründungslandschaft im Umfeld der saarländischen Hochschulen mit einem ausgefeilten Sensibilisierungs-, Beratungs- und Qualifikationsangebot für angehende Gründerinnen und Gründer und junge Start-ups. Auch durch eine Vielzahl an regionalen Kooperationspartnern des Wirtschaftsministeriums wie der Technologietransfer-Stelle, KWT, bei der Universität des Saarlandes, der Technologietransfer-Agentur FITT bei der htw oder der Wirtschaftsförderungseinrichtung saaris e.V. wird jungen Ideenfindern und Gründern ein breiter Expertenpool für Gründungsangelegenheiten geboten. Wir wollen wieder 1 Million Saarländer werden, deshalb möchten wir nicht nur unsere Landeskinder ermutigen, im Saarland zu bleiben, ihre guten Ideen zu verwirklichen, Firmen zu gründen und dadurch attraktive Arbeitsplätze zu schaffen. Das Start-up- und Gründerland Saarland soll auch für Menschen mit innovativen Ideen aus nah und fern interessant sein. (Beifall von der SPD.) Mit der Förderung dieser vielfältigen Ideen sichern wir den Mittelstand von morgen und somit zahlreiche Arbeitsplätze. Wir wollen den Startups eine Heimat geben, eine Umgebung schaffen, in der sie heranwachsen und wurzeln schlagen können. So wird unser Bundesland auch attraktiv für Fachkräfte aus dem In- und Ausland. Liebe Kolleginnen! Ein großes Potenzial und noch nicht gehobene Schätze sehe ich bei uns Frauen. Wir Frauen haben gute Ideen, sind hervorragende Netzwerkerinnen, überzeugen durch Eigeninitiative, Belastbarkeit, Selbstentwicklung und Ergebnisorientierung. Und trotzdem ist die Zahl der Frauen in der Start-up-Szene verschwindend gering. Zwar ist der prozentuale Anteil der Gründerinnen in den letzten beiden Jahren von 16 auf 20 gestiegen, allerdings sind nach Angaben des KfW-Start-up-Reports 2022 nur 12 Prozent aller Gründerinnen bereit, Wagniskapital aufzunehmen, wohingegen sich der Anteil bei Gründern auf 88 Prozent beläuft. Woran liegt das? - Unter anderem daran, dass bei den Start-up-Gründungen immer noch typisch männliche Studienfächer wie Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften und Informatik dominieren, welche von Frauen leider immer noch selten gewählt werden. Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass Frauen, die bereits eine berufliche Lücke aufgrund von Erziehungszeiten haben, oder junge Frauen mit Kinderwunsch durch die sozialen Sicherungssysteme immer noch benachteiligt sind. Einen Schritt in die richtige Richtung gibt es durch die Absenkung und die zukünftig komplette Abschaffung der Kita-Gebühren. Dadurch fällt Frauen der Weg ins Erwerbsleben und somit der Weg in eine Gründung leichter und die partnerschaftliche Aufgabenteilung in den Familien wird zunehmend gerechter. (Beifall von der SPD.) Gute Kinderbetreuung in Krippe, Kita und im Anschluss in der Ganztagsschule bilden den Rahmen, den Gründerinnen brauchen, um ihre guten Ideen in Start-ups fließen zu lassen. Trotzdem gibt es in den kommenden Jahren hier noch viel zu tun. Aber eines ist auch schon klar: Frauen brauchen keine Start-up- und Gründerberatung von der Stange, sie brauchen individuelle, noch besser zugeschnittene Lösungen. Auch was das betrifft, haben wir im Saarland spezielle Vernetzungs- und Beratungsangebote, doch hier wollen und müssen wir noch besser werden, liebe Kolleginnen und Kollegen! (Beifall von der SPD.) Ich denke, es ist unstrittig: Start-ups sind ein Innovationsmotor für die Zukunftsfähigkeit unserer saarländischen Wirtschaft. Den Gründerinnen und Gründern, die oft ihr komplettes Lebensmodell an ihren Traum anpassen, gehört an dieser Stelle höchster Respekt. Wir wollen diese Menschen bestmöglich unterstützen. Daher bitte ich um Zustimmung zu unserem Antrag. (Beifall von der SPD.)
