Hermann-Josef Scharf
Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Pandemie ist vorbei, das Virus bleibt. Herr Dörr, Ihre romantische Darstellung der letzten drei Jahre zeigt, Sie haben es einfach nicht verstanden. (Beifall von der CDU und der SPD.) Zwischenzeitlich können wir feststellen, dass über 493.000 Menschen in unserem Lande an Corona erkrankt waren. (Abg. Dörr (AfD): Das habe ich ja gesagt.) Verstorbene sind es 2.141. Jeder, glaube ich, kennt einen Menschen, der verstorben ist. Ich habe so einige, die mir bis zum heutigen Tage sehr fehlen, die gerne noch gelebt hätten, aber Corona hat ihnen den Garaus gemacht. Deswegen ist das despektierlich, wie Sie Ihre Anträge hier begründen. Sie versuchen ja sonst immer, das ernsthaft zu machen. Mir war das heute ein Stück weit zu lächerlich. Fragen Sie einmal Ihren Stellvertreter im Ausschuss! Wir können für den Gesamtausschuss, glaube ich, sagen, dass wir sehr ernsthaft dabei sind, uns mit Corona und den Folgen zu beschäftigen. Das ist meiner Meinung nach das Entscheidende. Ihr Antrag hilft uns in keiner Art und Weise. Er verunsichert die Menschen umso mehr. Deswegen ist Folgendes ganz wichtig: Aus diesen drei Jahren Ausnahmezustand geprägt von Ungewissheit, sinnvollen und sinnlosen Maßnahmen, Warnungen, Mahnungen und Überspitzungen werden wir lernen und diese Zeit aufarbeiten müssen, nicht zuletzt, um uns für künftige Pandemien oder Krisen besser vorzubereiten. Für die notwendigen und richtigen Schlussfolgerungen ist eine faire, ehrliche, aber auch konsequente Aufarbeitung von Fehlern und Versäumnissen in der Corona-Krise essenziell. Ich (Abg. Scharf (CDU)) glaube, das ist das Wesentliche. Dabei geht es nicht um Anklage, es geht um Aufrichtigkeit, denn nur so können wir vermeintlich unversöhnliche Positionen - die gibt es sogar in Familien, wo Menschen geimpft sind und andere nicht geimpft sind - wieder auf den nötigen Pfad eines offenen, diskussionsfreudigen und versöhnlichen Diskurses führen. Lehren aus der Pandemie zu ziehen, braucht Zeit und Abstand, denn um eine ganzheitliche Bewertung zu treffen, müssen wir erkennen, die Pandemie ist mehr als die Summe ihrer Infektionen. Sie ist eine medizinische, politische und gesellschaftliche Herausforderung. Wie bei jeder Medizin müssen wir die Behandlung in der Gesamtschau der Wirkungen und Nebenwirkungen einordnen. Wir haben einiges gelernt, aber das wird nicht ausreichen. Deswegen bin ich sehr froh, dass wir beschlossen haben, mit dem Virologen Dr. Jürgen Rissland nach der Sommerpause eine zweitägige Anhörung zu machen. Die Kollegin Réka Klein und ich werden sie mit Dr. Rissland vorbereiten. Wir werden sie im Hohen Hause durchführen, um das Genannte in aller Ruhe und Sorgfalt zu tun. Wenn wir das machen, sind wir auf dem richtigen Wege. Deswegen bitte ich Sie heute schon alle sehr herzlich, dass wir eine gute Auswahl treffen für die Menschen, mit denen wir diese Dinge diskutieren wollen, und dass wir uns ernsthaft mit den Dingen beschäftigen, auch mit Blick auf die 2.141 Menschen, die durch Corona gestorben sind, damit wir im Besonderen aus vielen Fehlern, die vielleicht gemacht worden sind, lernen. Das wünsche ich mir. Das ist das, was ich heute für die CDU hier sagen darf. Dann sind wir auf einem guten Wege. Den sollten wir beschreiten. - Herzlichen Dank. (Beifall von der CDU und der SPD.)
