landtag-saar.de ↗

Julia Harenz

SPD 15.03.2023 Sitzungen 17/12

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Eltern, liebe Schülerinnen und Schüler! Leon besucht die siebte Klasse eines Gymnasiums und geht morgens um 7 Uhr aus dem Haus. Um 7.45 Uhr beginnt der Unterricht und dauert heute bis 15.45 Uhr. Bis er mit dem ÖPNV zu Hause ankommt, ist es 16.30 Uhr. Leon ist müde und würde sich eigentlich gerne zu Hause etwas ausruhen. Aber da sind noch die Hausaufgaben und die Englischvokabeln müssen auch noch gelernt werden. Also geht es zu Hause wieder an den Schreibtisch. Um 18.30 Uhr sind dann die Hausaufgaben erledigt und die Vokabeln gelernt. Aber der Tag ist eigentlich gelaufen, denn um 19.00 Uhr gibt es Abendessen. So sieht der Alltag von viel zu vielen Kindern und Jugendlichen bei uns im Saarland aus. Wenn es mit den Hausaufgaben einmal nicht so gut läuft oder noch für einen Leistungsnachweis gelernt werden muss, kann der Arbeitstag einer Schülerin oder eines Schülers durchaus auch einmal bis 19.30 Uhr oder länger andauern. Damit sind unsere Schülerinnen und Schüler häufig länger am Arbeiten als ein Arbeitnehmer oder eine Arbeitnehmerin im Vollzeitjob. Zeit für Freunde, Hobbys, Entspannung oder auch Persönlichkeitsentwicklung Fehlanzeige! Liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist nicht der Alltag, den wir uns für unsere Kinder und Jugendlichen wünschen. (Beifall von der SPD.) Genau deshalb hat unsere Ministerpräsidentin in ihrer ersten Regierungserklärung, wie heute schon häufig gesagt wurde, angekündigt, dass das neunjährige Gymnasium wiedereingeführt wird. Es gilt, die Kinder und Jugendlichen zu entlasten und neue Räume zu schaffen. Denn darauf kommt es an. Erst gestern habe ich noch mit einer Schülervertretung gesprochen. Alle haben gesagt, wie froh sie sind, dass zukünftig nicht Nachmittagsunterricht die Regel sein wird. Eine Entlastung kann nur dann erfolgen, wenn die Jahreswochenstundenzahl in der Sekundarstufe I nicht explodiert. Welche Entlastung bringt es, wenn die Schülerinnen und Schüler weiterhin fast jeden Nachmittag bis 15.30 Uhr oder 16.00 Uhr in der Schule sitzen, nur eben ein Jahr länger als bisher? - Genau, überhaupt keine, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall von der SPD.) Mit dem neuen G9 wurde eine angemessene Stundentafel ausgearbeitet, die neben dem Schwerpunkt der Kernfächer auch noch Raum für ein weiteres, neues, sehr wichtiges Fach lässt, nämlich Informatik als Pflichtfach. Auf der Tagung der Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung wurde ich von vielen dafür beneidet, dass bei uns im Saarland Informatik jetzt als Pflichtfach eingeführt wird. Der Umgang mit digitalen Medien und die Bedeutung von Risikokompetenz wurden auf dieser Tagung ausführlich diskutiert. Ich bin mir sicher, die werden wir morgen auch noch einmal diskutieren. Für uns als SPD-Fraktion ist klar, Informatik ist längst Teil der Allgemeinbildung und muss deshalb auch in der Schule unterrichtet werden. (Beifall von der SPD.) „Allen Kindern alle Chancen jederzeit!“ gilt auch hier. Denn die Einführung von Informatik ermöglicht allen Schülerinnen und Schülern einen gleichwertigen Zugang zu digitaler Bildung. Das fördert echte Chancengerechtigkeit, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall von der SPD.) (Abg. Harenz (SPD)) Erst letzte Woche war Equal Pay Day. Fakt ist, Frauen verdienen immer noch 18 Prozent weniger pro Stunde als Männer. Der Informatikunterricht an unseren Schulen kann für Frauen ein Türöffner in die IT-Branche sein und somit auch den Gender Pay Gap senken - ein wichtiger Beitrag auf dem Weg zur Geschlechtergerechtigkeit. (Beifall von der SPD.) Der Informatikunterricht bedeutet für unsere Jugendlichen bessere Einkommens- und Aufstiegschancen, und zwar unabhängig von Herkunft oder Geschlecht. Deshalb können wir stolz darauf sein, Informatik ab dem kommenden Schuljahr als Pflichtfach an den Gymnasien und Gemeinschaftsschulen einzuführen. Das neunjährige Gymnasium bietet den Schülerinnen und Schülern mehr Zeit für die Entfaltung persönlicher Interessen, mehr Zeit zum Lernen. Es gibt mehr Unterricht und mehr Zeit für Freunde, Zeit, die die Jugendlichen in einen Verein oder ein Ehrenamt investieren können. Sie lernen, Verantwortung zu übernehmen und erfahren Selbstwirksamkeit. Mit der höchsten Vereinsdichte in ganz Deutschland zeigen wir im Saarland, wie wichtig Vereine und auch das Ehrenamt für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft sind. Um das zu erhalten, brauchen wir unsere Kinder und Jugendlichen. Denn sie sind die Zukunft der Vereine und des Ehrenamts. (Beifall von der SPD.) Bei der Einführung des „MUT macht Schule“-Gesetzes habe ich gesagt, dass sich die Gesellschaft verändert und dass sich deshalb auch Schule verändern muss, dass es ein Prozess ist, dem die Schullandschaft Rechnung tragen muss. Genau das tun wir jetzt. Ich bitte daher um Zustimmung in Zweiter und letzter Lesung. (Beifall von der SPD.)

Alle Reden von Julia Harenz Protokoll ↗