Martina Holzner
Schreiben, Lesen und Rechnen sind die Grundlagen, auf denen alle anderen Fächer aufbauen. Deshalb erhöhen wir die Jahreswochenstunden um 19 von 159 auf 178 Stunden, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall von der SPD.) Lassen Sie uns darüber reden, wie diese Stunden optimal genutzt werden können, denn am Ende zählt die Qualität des Unterrichts, und genau das ist es, was Christine Streichert-Clivot mit der Modernisierung der Lehrpläne plant. Das ist der richtige Weg, davon bin ich überzeugt, Kolleginnen und Kollegen! (Beifall von der SPD.) Ich will etwas zur verpflichtenden Grundschulempfehlung sagen, die in Ihrem Antrag enthalten ist und die Sie wieder aus Ihrer konservativen Mottenkiste herausgekramt haben. (Abg. Wagner (CDU): Lesen Sie den Antrag, da steht was anderes drin.) Zunächst einmal aus pädagogischer Sicht: Was sagen Sie denn zur Studienlage, dass bei verpflichtenden Grundschulempfehlungen Kinder eine deutlich erhöhte Noten- und Zukunftsangst und eine geringere Lernfreude zeigen? Ich finde, das müssen wir unseren Zehnjährigen nicht antun. Und ganz grundsätzlich: Ich bin froh, dass heute nicht mehr nach Klassenstufe 4 der Lebensweg eines kleinen Menschen vorentschieden wird. (Zuruf des Abgeordneten Theis (CDU).) Auch hier lohnt der Blick in die Schulpraxis. In diesem Jahr waren die Schulleitungen der Gymnasien, aber auch der Gemeinschaftsschulen in den Elternabenden der Grundschulen und haben ihre Konzepte vorgestellt. Das ist für mich eine gute und richtige Beratung, die Eltern und Kinder brauchen und die wirklich weiterhilft. (Beifall von der SPD.) Aber Panik auch hier; es kommen ja schon Rufe aus Ihren Reihen, die vor einem Überlaufen der Gymnasien warnen. Auch hier wäre es sicher klug gewesen, erst mal die Anmeldezahlen abzuwarten, denn diese zeigen ganz klar, dass (Abg. Holzner (SPD)) Eltern sehr wohl in der Lage sind, die Entscheidung zu treffen, die zu ihrem Kind passt. (Beifall von der SPD.) Zum Thema digitale Bildung. Ich würde mir wünschen, dass wir generell beim Thema Digitalisierung nicht immer nur Haare in der Suppe suchen, sondern dass wir auch Chancen erkennen. Chancen gibt es dort, wo wir unglaublich gut vorankommen, wo wir auch besser vorankommen, als viele andere Bundesländer mit deutlich robusteren öffentlichen Haushalten. In der digitalen Bildung können wir stolz sein auf den Weg, der bereits hinter uns liegt, wir können stolz sein auf die Online-Schule Saar, auf die digitale Schulbuchausleihe, auf ein Tablet in jedem Schulranzen. (Beifall von der SPD.) Das sind alles Beispiele, die die CDU immer zerredet hat, Beispiele, bei denen uns aber der Erfolg recht gibt. Auch die Rückfragen aus anderen Ländern, wie wir damals genau gearbeitet haben, zeigen uns das. Und ich bin überzeugt, so wird das auch einmal beim Informatikunterricht sein. Auch dafür steht nämlich das neue G9. Informatikunterricht als Pflichtfach an Gymnasien ab Klassenstufe 7, das bedeutet, dass unsere Kinder nicht nur Französisch, sondern bald auch vielleicht eine Programmiersprache lernen werden, dass schon in frühen Jahren Interesse geweckt wird, was hinter einem Smartphone steckt, dass Kinder nicht ins kalte Wasser der digitalen Wirklichkeit geworfen werden, sondern auch Schwimmen lernen. Gut, dass hier Chancen in den Mittelpunkt gestellt werden, Chancen, die weit über den Klassenraum hinausgehen. (Beifall von der SPD.) Informatikunterricht soll Lust machen, vielleicht sogar auf ein späteres Studium an der UdS. Es soll Chancen eröffnen für einen guten Arbeitsplatz, egal ob beim CISPA, bei INEXIO, Airbus oder den vielen KMUs im IT-Sektor. Auch das ist ein Baustein für einen erfolgreichen Strukturwandel. Nicht nur von neuen Arbeitsplätzen reden, sondern Kinder fit machen, damit sie diese Chancen nutzen können, darum geht es, liebe Kolleginnen und Kollegen! (Beifall von der SPD.) Ich muss an dieser Stelle auch noch einmal auf die Tablet-Diskussion eingehen. Die Diskussion, die hier geführt wird, sollte meiner Meinung nach sachlich geführt werden und vor allem nicht pauschalisiert werden. Die Schulen haben gute Medienkonzepte, die sicherlich dazu beitragen, dass Tablets ordnungsgemäß genutzt werden. (Zurufe der Abgeordneten Schmitt-Lang und Wagner (CDU).) Und im Unterricht, Frau Schmitt Lang, das sollte Ihnen bekannt sein, haben die Lehrkräfte jederzeit die Möglichkeit, sich in die Bildschirme der Kinder einzuwählen. Also, weniger Überschriften und pauschale Skandalisierungen und stattdessen mehr Fakten, Herr Wagner, das würde der Debatte guttun. (Abg. Wagner (CDU): Wir reden morgen noch darüber.) Ja, wir reden morgen darüber. - Aber sprechen Sie doch mal mit den Experten. Sprechen Sie mit Verena Wolf und Kevin Baum, beide Informatik-Professoren an der Uni des Saarlandes. Sie werden Ihnen bestätigen, dass die Gefahren auf den privaten Handys lauern, nicht auf den Schultablets. Wir setzen weiter auf Medienpädagogik und Aufklärung, anstatt auf Panikmache. Mit Bedenkenträgern schafft man keine Zukunft, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall von der SPD.) Ein letzter Punkt, den ich hervorheben will, ist das Thema Demokratiebildung in Schulen. Kinder brauchen Prozesse, aber auch Fächer, in und mit denen sie sich aktiv auseinandersetzen können. Wir befürworten ausdrücklich, dass Sozialkunde künftig ab Klassenstufe 8 unterrichtet wird. Der Klassenrat, aber auch die Mitbestimmungsgremien sind ebenfalls wichtige Bestandteile des schulischen Alltags, die demokratisches Miteinander und Partizipation fördern. Denn nur so können Schülerinnen und Schüler erfahren, wie sie sich beteiligen, aber auch Verantwortung übernehmen können, wenn beispielsweise die Sitzordnung in der Klasse verändert oder der nächste Ausflug geplant wird. Sich in der Klassengemeinschaft einigen, neue Ideen entwickeln, aber auch auf Grenzen stoßen, das ist gelebte Demokratie, die Kinder sicherlich auf ihrem weiteren Weg prägt. Deshalb wird uns bei der Lehrplangestaltung wichtig sein, dass neben der fest verankerten Stunde Klassenrat in der Klassenstufe 5 den Schulen zusätzlicher Raum in weiteren Klassenstufen ermöglicht wird. Dies sollte Teil der Lehrplangestaltung sein. (Beifall von der SPD.) Frau Präsidentin, ich komme zum Schluss. Wir schlagen mit dieser Reform nach 23 Jahren ein neues Kapitel in der saarländischen Bildungspolitik auf. Wir schneiden alte Zöpfe ab und schaffen ein neues G9. Das neue G9 steht für mehr Zeit zum Lernen und Vertiefen, aber auch mehr Zeit für Freunde und Engagement. Es steht für starke Kernfächer, für die flächendeckende Einführung von Informatik und damit für neue Chancen für unsere Kinder. Wir bitten daher um Zustimmung. - Vielen Dank. (Anhaltender, lebhafter Beifall von der SPD.)
