landtag-saar.de ↗

Martina Holzner

SPD 15.03.2023 Sitzungen 17/12

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Aber vor allem: Liebe Eltern und liebe Schülerinnen und Schüler! Es war im April letzten Jahres, ein Monat nach der Landtagswahl: die erste Regierungserklärung unserer Ministerpräsidentin. Anke Rehlinger kündigte damals an, die G9-Reform komme noch im ersten Jahr der neuen Regierung. Das war ambitioniert. Nach elf Monaten darf ich nun feststellen: Wir haben Wort gehalten. Wir haben unsere Chance genutzt. Weniger Streit und Show, stattdessen Ergebnisse - dafür steht diese neue Landesregierung. Und so machen wir weiter, liebe Kolleginnen und Kollegen! (Lebhafter Beifall von der SPD.) Ich will gerne noch mal daran erinnern, wo wir herkommen. Es war 1999, die CDU hatte die Landtagswahl gewonnen, und auch Peter Müller nutzte seine erste Regierungserklärung, um etwas anzukündigen. (Zuruf des Abgeordneten Wagner (CDU).) Man wollte Vorreiter bei G8 sein, Vorreiter beim Turbo-Abi, mit dem unsere Kinder schneller dem Arbeitsmarkt zugeführt werden sollten. Ja, und zwei Jahre später fiel der Startschuss im Zeltpalast bei mir in Merzig (Fortgesetzte Zurufe von der CDU) im Beisein von Roman Herzog. Mit viel Tamtam und Brimborium sollte der Start von G8 gefeiert werden. Der DGB sprach damals spöttisch von einem Zirkus. Roman Herzog wiederholte damals, was er 1997 in seiner Ruck-Rede schon gesagt hatte: Ein Abitur nach neun Jahren sei gestohlene Lebenszeit. - Liebe Kolleginnen und Kollegen, nicht das Abitur nach neun Jahren hat unseren Kindern die Zeit gestohlen, sondern G8 hat ihnen die Zeit gestohlen! (Beifall von der SPD.) Es fehlte die Zeit zum Lernen und Vertiefen, aber auch die Zeit, um Freunde zu treffen, Zeit für Handball oder den Musikverein, Zeit, um Kind zu sein. Man hätte früher als nach 23 Jahren einen Schlussstrich ziehen können, und ich finde auch persönlich als Mutter, man hätte ihn früher ziehen müssen. Aber das wollte die CDU ja nicht. Man blieb stur, obwohl man nach kurzer Zeit kaum noch jemanden hatte, der für G8 war. Die Gewerkschaften waren immer kritisch, aber auch die Wirtschaft erkannte schnell, dass sich die eigenen Erwartungen nicht erfüllt hatten. Mehr noch, fast alle Länder, die uns damals gefolgt waren, hatten G8 längst wieder abgewickelt. Die Saar-CDU war trotzdem nicht bereit dazu - nicht 2017 nach der Landtagswahl und (Abg. Holzner (SPD)) auch nicht danach. Schließlich kam zweieinhalb Monate vor der Landtagswahl die Wende um 180 Grad. (Mehrere Zurufe von der CDU.) Nach 23 Jahren! Da kommen wir her, liebe Kolleginnen und Kollegen! (Lebhafter Beifall von der SPD. - Zuruf von der CDU.) Heute ziehen wir einen Schlussstrich unter diese Murksreform, mit dem neuen G9 geben wir unseren Kindern Zeit zurück. Für mich ist das auch das wesentliche Ergebnis der Anhörung. (Zurufe der Abgeordneten Wagner und Schä- fer (CDU).) Alle Verbände waren sich einig: Diese Reform ist überfällig! Und wenn jetzt ausgerechnet die CDU von einem Schmalspurgymnasium fantasiert, will ich darauf antworten: Wer mit einem Finger auf andere zeigt, Herr Wagner, auf den zeigen drei Finger zurück! (Zuruf der Abgeordneten Schmitt- Lang (CDU). - Weitere Zurufe.) Die Saarländerinnen und Saarländer wissen, wer jetzt vorangeht und wer sich hier mit der Vergangenheitsbewältigung beschäftigt! (Lebhafter Beifall von der SPD. - Unruhe.) Und deshalb gilt es, sich substanziell mit dem Kern der Kritik an G8 auseinanderzusetzen. Das heißt in der Konsequenz, dass wir die Stundenpläne gerade nicht mehr so vollpacken wie damals, dass wir den Schülerinnen und Schülern statt einem Mehr an Unterricht auch ein Mehr an Zeit geben, auch für außerschulisches Engagement, zum Beispiel in Vereinen oder Organisationen. Das ist genauso wichtig wie der Satz des Pythagoras oder die Frage, wann Rom aus dem Ei geschlüpft ist. Es braucht mehr Zeit zum Lernen, mehr Zeit zum sozialen Lernen, auch darum geht es, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Lebhafter Beifall von der SPD.) Auch beim Thema Studierfähigkeit habe ich mich über die Äußerungen der CDU gewundert. Ja, Gymnasien müssen zu einem Studium befähigen. Aber Sie tun so, als müsste jeder mit Abitur auch studieren. Wir sind anderer Meinung. (Zuruf der Abgeordneten Wagner, Schäfer und Schmitt-Lang (CDU).) Für uns zählt der Meister genauso wie der Master, lesen Sie Ihre Vorlage! Wer nach dem Abitur lieber ins Handwerk wechselt, ist nicht gescheitert, Kolleginnen und Kollegen! (Lebhafter Beifall von der SPD. - Weitere Zu- rufe.) Um Ihre Frage zu beantworten: Wofür steht das neue G9? Es steht für eine deutliche Stärkung der Kernfächer. Mathe, Deutsch und Fremdsprachen werden in der Zukunft länger und intensiver unterrichtet, und das ist gut so.

Alle Reden von Martina Holzner Protokoll ↗