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Friedrich Josef Dörr

AfD 15.02.2023 Sitzungen 17/11

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Saarländerinnen und Saarländer! Ich hatte leider schon öfter die unangenehme Aufgabe, die Schwächen - um es milde auszudrücken - des saarländischen Schulsystems aufzuzeigen. Diesmal habe ich sozusagen Verstärkung, die Kulturministerin der Bundesrepublik Deutschland hat sich niederschmetternd über die Situation des Schul- und Bildungswesen in Deutschland, also nicht nur des Saarlandes, geäußert. Von 50.000 Schulabbrechern, also Leuten, die keinen Abschluss haben, war die Rede. Da teile ich immer so grob durch 100, dann weiß ich ungefähr, wie das im Saarland ist, aber die genaue Zahl kenne ich natürlich nicht. Ich weiß auch nicht, wie viele das beim Hauptschulabschluss und sonst wo betrifft. Das ist niederschmetternd. Sie hat natürlich auch Hilfe angeboten, das ist dann aber immer dasselbe, wir sollen Kompetenzen abgeben, dann gibt es Geld. Das ist natürlich für ein selbstbewusstes Land nicht hinnehmbar. Das Thema hier ist zunächst einmal die Gesetzesänderung beim Schulordnungsgesetz. Ich habe das schon einige Male vorgetragen, deshalb wird es aber nicht falscher. Es ist immer noch das Gleiche, wir haben, was die behinderten Kinder betrifft, ein vorbildliches Schulsystem im Saarland. Ich habe am Aufbau seinerzeit selber mitgewirkt. Ich habe auch in diesem System gearbeitet und habe in meiner und in anderen Schulen gesehen, dass diese Geschichte sehr erfolgreich ist. Wir haben für unsere behinderten Kinder sehr, sehr viel getan und tun auch weiterhin etwas für unsere behinderten Kinder, aber wir vernachlässigen eine Prämisse des Schulordnungsgesetzes, nämlich dass alle Kinder anlagengemäß gefördert werden müssen. Das heißt, es müssen auch die Kinder anlagengemäß gefördert werden, die besondere Talente haben, also nicht nur Kinder, die leider Gottes besondere Mängel haben, sondern auch Kinder, die besondere Talente haben. Das sind schließlich später die Erwachsenen, die unser ganzes Gemeinwesen tragen mit dem, was sie durch ihre Schöpferkraft oder ihre Talen- (Abg. Dörr (AfD)) te, die gefördert worden sind, erarbeiten können. In der Regel wird ja von Hochbegabten gesprochen. Ich vermeide dieses Wort absichtlich von Anfang an, ich rede von Sonderbegabten. Wenn man Hochbegabte sagt, denkt man immer an diese Spitzen-Mathematiker, Spitzen-Physiker, Spitzen-Schachspieler et cetera. Das ist nicht gemeint oder, genauer gesagt, das ist nicht nur gemeint. Wir haben Begabungen in allen Bereichen und wir brauchen auch Begabungen in allen Bereichen. Ich kann Ihnen mal ein Beispiel nennen, das mich sehr gefreut hat: Ich habe in meiner Schüler- und Studentenzeit in den Ferien immer gearbeitet, habe nachher auch mein eigenes Haus gebaut. Ich habe eine Schwäche dafür, wenn Handwerker gut arbeiten. Ich habe mir jetzt einen neuen Rollladen machen lassen, der alte war schon 60 Jahre alt. Das Ding ist 3,50 m lang und aus Metall. Da sind die zwei Handwerker gekommen, die mir auch schon andere Sachen gemacht haben. Es war wirklich ein Genuss, diesen beiden Männern zuzuschauen, wie sie gearbeitet haben, wie das alles Hand in Hand gegangen ist, wie sie die richtigen Werkzeuge an der richtigen Stelle eingesetzt haben. Das war eine richtig gute, komplette Sache. Ich bewundere auch, wenn ich in Gaststätten bin, wie Köche oder Kellner arbeiten, wie das fachlich gut läuft. So gibt es Begabungen in allen Bereichen, ob das der Sport ist oder etwas anderes. Im Sport ist das wieder gegliedert, ob das Fußballspieler sind, Gewichtheber, egal was. Ob das jetzt die Musikszene ist, ob das Gesang ist oder Musik, egal welche Instrumente, da gibt es besondere Begabungen. Es gibt handwerkliche Begabungen, früher hat man auch die Metallgießer gehabt, die haben ja ganz besondere Dinge gemacht. Diese Begabungen brauchen wir. Wir haben ein Wirtschaftssystem und eine Gemeinschaft, in der viele unterschiedliche Fähigkeiten gebraucht werden. Nicht alle sind Lehrer, nicht alle sind Pfleger, wir haben verschiedene Berufe und haben dort auch verschiedene Arbeitswelten. Für alle brauchen wir Leute, das heißt, wir brauchen begabte Menschen in allen Bereichen. Diese sonderbegabten Menschen sollten auch sondergefördert werden, und zwar nicht nur sporadisch durch ein Sommercamp oder solche Sachen, sondern systematisch in einem Schulsystem, in dem die einzelnen Sonderbegabungen gefördert werden können. Nun habe ich das nicht nur hier, sondern auch schon anderswo vorgetragen. Ich habe es auch im privaten Kreise vorgetragen. Da ist mir eine Sache entgegengehalten worden, weshalb Sie das vielleicht nicht so wollen. Daran hatte ich gar nicht gedacht. Früher, zu meiner Zeit haben 2 bis 3 Prozent der Schüler Abitur gemacht. Ein paar Prozent der Schüler haben die Mittelschule abgeschlossen und der Rest waren Volksschüler beziehungsweise Hauptschüler. Inzwischen haben über 40 Prozent der Schüler Abitur. Viele Eltern können sich glücklich schätzen, dass der Sohn oder die Tochter das Abitur haben. Wenn das nicht mehr die Spitze wäre und andere besser wären - beispielsweise in Musik, Sport oder Mathematik ‑ , wäre das eigene Kind nicht mehr bei den Besten dabei. Das ist mir so gesagt worden. Ich habe darüber nachgedacht und gedacht, hoffentlich stimmt das nicht, denn wir sind für alle Kinder verantwortlich. Wir sind auch für das Gesamtgemeinwesen verantwortlich. Deshalb beantragen wir, in das Schulordnungsgesetz aufzunehmen, dass ein Schulsystem für Sonderbegabte geschaffen wird, und zwar analog zu dem Schulsystem, wie wir es für behinderte Kinder haben. Zweitens haben wir eine Überprüfung des Schulordnungsgesetzes insgesamt beantragt. Zum Beispiel stellen wir von der AfD fest, dass die Sache mit den Sonderbegabten noch fehlt. Es fehlen weitere Dinge. Es ist auch viel zu viel reglementiert. Beispielsweise wird die Aufsichtsbehörde beauftragt, Klassenbildungserlasse zu machen. So gibt es Klassenbildungserlasse, die den Lehrereinsatz erschweren und so weiter. Man stellt sich die Frage, ob es nicht einmal an der Zeit ist, nachzuprüfen, was man an diesem Schulordnungsgesetz allgemein besser machen kann. An der Stelle komme ich auf den Beitrag von Frau Schmitt-Lang, die von Wertschätzung et cetera gesprochen hat, zurück. Ich finde das alles sehr gut. In dem Schulordnungsgesetz ist beispielsweise von Lehrkräften die Rede. Eigentlich müsste es Lehrpersonen heißen, denn als Person möchte ich nicht als Kraft abgewertet werden. Es sind noch ein paar andere Klöpse enthalten. Man könnte einmal gucken, ob noch etwas verbessert werden kann. Insgesamt stellt sich wirklich eine Frage. Die meisten unter uns, liebe Kolleginnen und Kollegen - ich gendere gerade -, sind nach 1965 geboren. Das Schulordnungsgesetz ist von 1965. Zu der Zeit war ich noch Lehrer, ein Jahr später war ich Schulleiter. Bis dahin hatten wir ein wunderbares Schulsystem im Saarland. Es gab auch keine Klagen derart, dass Kinder nicht gut genug rechnen oder lesen können. Die hatten wir nicht. Wir hatten kein Schulordnungsgesetz, es hat aber alles hervorragend geklappt. Es stellt sich tatsächlich die Frage, ob wir ein solches Gesetz brauchen. Das könnte einmal überprüft werden. Ein paar Leute könnten sich daransetzen. Man könnte schauen, ob man das Gesetz vereinfachen und verbessern kann beziehungsweise ob wir es gar nicht brauchen. Das ist unser zweiter Antrag. (Abg. Dörr (AfD)) Ich sage noch etwas zu der Sache. Wenn die Ministerin von Schulabbrechern spricht, denke ich sofort an Menschen, die nicht lesen und schreiben können, die sogenannten Analphabeten oder wie auch immer man sie nennen will. Das ist eine Katastrophe. Sie verstecken ihren Mangel. Ich habe seinerzeit, als wir als Partei zum ersten Mal bei Wahlen in Gemeinden angetreten sind, Unterschriften sammeln müssen. Es gab viele Leute, die sagten, sie hätten ihre Brille vergessen oder irgendetwas an den Augen. Da ich mich ein bisschen auskenne, habe ich sofort gewusst, dass das Leute sind, die nicht lesen und schreiben können. Das bedeutet starke Einschränkungen im Alltag. In meiner Schule - heute sagt man Förderschule, damals Sonderschule für Lernbehinderte - ist kein Schüler und keine Schülerin aus der Schule entlassen worden, ohne dass er oder sie lesen und schreiben konnte. Das können Sie nachprüfen. Es wäre eine wichtige Aufgabe unseres Kultusministeriums, dafür zu sorgen, dass kein Kind die Schule verlässt, ohne lesen und schreiben zu können. Das ist möglich, das ist notwendig und müsste unbedingt gemacht werden. - Herzlichen Dank. (Beifall von der AfD.)

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