Friedrich Josef Dörr
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Zunächst einmal möchte auf die Frage des Kollegen Schmitt antworten. Er hat gefragt, wann ich zuletzt mit dem öffentlichen Personennahverkehr gefahren sei. Nun könnte ich ja lügen und sagen, heute Morgen. Ich habe tatsächlich, seitdem es das gibt, ein saarlandweit gültiges Ticket. Das kostet mich derzeit, weil ich älter als 60 Jahre bin, 59 Euro. Das habe ich auch früher aus, so möchte ich einmal sagen, weltanschaulichen Gründen intensiv genutzt, wo immer es ging. Ich muss aber sagen, seitdem ich hier im Landtag bin, fahre ich nur sehr selten Bahn oder Bus. Das letzte Mal bin ich, so meine ich, vor vier Wochen von der Johanniskirche zum Bahnhof gefahren. Ich benutze das Ticket also aus Zeitgründen sehr selten. Wir sprechen hier über den öffentlichen Personennahverkehr und die Mobilitätswende. Der öffentliche Personennahverkehr ist bei uns hier im Saarland ein Krankheitsfall, das ist ganz klar. Sie können reden, mit wem Sie wollen. Es gibt Schwierigkeiten, ich habe das selbst ausprobiert; im Wahlkampf vor fünf Jahren bin ich gewandert und habe dann immer den Heimweg mit dem öffentlichen Personennahverkehr gemacht, da war es manchmal schon schwierig, nach Hause zu kommen. Was braucht man überhaupt, damit der öffentliche Personennahverkehr in irgendeiner Weise anziehend ist? Zunächst braucht man mal einen niedrigen Preis, dann muss man an die Orte, an die man möchte, auch hinkommen, und der Takt muss einigermaßen vernünftig sein, es darf nicht nur ein Mal alle fünf Stunden oder ein Mal am Tag ein Bus fahren, das geht nicht. Ich habe mit Eisenbahnern gesprochen, die ja schon seit ewigen Zeiten Freifahrt haben, die haben mir übereinstimmend gesagt, je nachdem, wo sie gewohnt haben - Uchtelfangen oder wo auch immer -: Wenn ich meiner Frau, die zum halben Preis fahren kann, sage, wir fahren mit der Bahn nach Saarbrücken, erschlägt die mich. Da muss man nämlich erst mal zum Bus und mit dem zur Bahn fahren, dann muss man abwarten, bis der nächste Zug fährt, dann muss man vielleicht noch umsteigen, man steigt in Saarbrücken aus, geht zu Fuß, kauft etwas ein, man schleppt dann das Zeug rum und muss denselben Weg wieder zurück machen. Ins Auto setzt man sich rein, ist in 20 Minuten in Saarbrücken, wenn man was einkauft, tut man es in den Kofferraum, trinkt noch einen Tee oder Kaffee und fährt dann gemütlich nach Hause. Sie sehen, selbst wenn der öffentliche Nahverkehr funktionieren würde, wäre es immer noch schwierig, die Leute vom Auto auf den öffentlichen Personennahverkehr zu bringen. In der Regel fahren nur solche Leute mit dem öffentlichen Personennahverkehr, die es müssen: Schüler, Studenten, wenn sie noch kein Auto haben, oder ältere Leute, die nicht mehr fahren können. Wir haben ja jetzt die Gelegenheit, zu studieren, wie es geht, wenn die Preise sehr, sehr niedrig sind und sehr übersichtlich, das ist nämlich in unserem Nachbarland Luxemburg der Fall, da ist der öffentliche Nahverkehr kostenlos. Besser geht es nicht, ich brauche nicht nach Waben zu fragen und nicht nach dem Alter; das kostet nichts. Ich beobachte das ziemlich genau und ich habe im französischen Rundfunk gehört, dass Nachbarstädte von Luxemburg in Frankreich oder Belgien schon in Zugzwang kommen, da gibt es Diskussionen und Modelle. Aber Luxemburg selbst, das haben Sie vielleicht auch in der Zeitung gelesen, hat neue Fahrzeuge bestellt. Also ist wahrscheinlich das Verkehrsaufkommen etwas gestiegen und man braucht mehr Fahrzeuge. Wenn das klappt, wird vielleicht der Takt auch noch enger, dann wird man vielleicht noch mehr Fahrzeuge brauchen, um diese engeren Takte bedienen zu können. Dann ist ein ein ziemlich idealer Zustand erreicht, und dann wird man feststellen, wie viele Leute das Auto stehen lassen und den ÖPNV nutzen. Und wenn das klappt und selbst wenn es nur 10 Prozent sind, die das Auto stehen lassen und mit dem ÖPNV fahren, dann ist die Straße freier für die Autofahrer, und dann ist der Umwelt auch gedient. Das wäre schon ein großer Vorteil; das bleibt aber abzuwarten. Ich habe da Hoffnungen, aber ich habe auch meine Zweifel. Was die Regierung vorhat, so muss man sagen, ist vor dem Hintergrund dessen, was ich eben geschildert habe, noch sehr wenig, aber es ist (Abg. Dörr (AfD)) wenigstens etwas. Aus diesem Grunde stimmen wir von der AfD-Fraktion zu. - Herzlichen Dank. (Beifall von der AfD.)
