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Stephanie Meiser

SPD 18.01.2023 Sitzungen 17/10

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen, liebe Saarländer! Ich will zunächst einen Blick zurückwerfen, zurück in die Zeit der Einführung von G8. Es waren die frühen 2000er Jahre. Die sogenannte „Ruck-Rede“ von Roman Herzog lag noch nicht allzu lange zurück, in (Abg. Meiser (SPD)) der von gestohlener Lebenszeit die Rede war. Schlanker Staat, Flexibilisierung, Deregulierung waren die Schlagworte. Viele waren der Meinung, dass die Schulzeit in Deutschland viel zu lang dauert. Es war auch der Zeitgeist der damaligen Landesregierung, die Einführung von G8 sollte Handlungsfähigkeit demonstrieren. Das Saarland sollte Pionier sein, erstes westdeutsches Bundesland mit G8. Liebe Kolleginnen und Kollegen, nach 21 Jahren können wir klar sagen: Das war ein Fehler! (Beifall von der SPD.) G8 war ein Fehler. Und wir werden diesen Fehler jetzt korrigieren! Ich spreche heute auch als Mutter. Ich habe es erlebt, wie sich die Belastung unserer Kinder massiv erhöht hat. Ich habe es erlebt, welchen Druck die vollgestopften Lehrpläne erzeugen, die vermehrten Unterrichtsstunden am Nachmittag. Ich habe es erlebt, wie nach der Einführung von G8 an jeder Ecke ein Nachhilfestudio eröffnet wurde. Das konnte sich auch nicht jeder leisten. Ich habe auch erlebt, wie kaum noch Zeit war für den Musikverein, das Fußballtraining, für Freunde. Ehrenamt und Engagement sowohl im sozialen, im kulturellen als auch im politischen Bereich wurden stark eingeschränkt. Wundert es uns heute wirklich, 20 Jahre später, dass wir in unseren Vereinen und Vereinsvorständen keinen Nachwuchs mehr haben? Mich wundert es nicht. Liebe Kolleginnen und Kollegen, nicht das Gymnasium nach neun Jahren hat unseren Kindern Lebenszeit gestohlen, sondern G8 hat ihnen Lebenszeit gestohlen! (Beifall von der SPD.) Auch das gehört zu einer kritischen Bestandsaufnahme dazu. Welche Hoffnungen waren damals mit der Reform verbunden? Es ging um internationale Wettbewerbsfähigkeit. Es ging darum, dass unsere Kinder schneller studieren und schneller arbeiten gehen können. Es ging darum, dass dem Arbeitsmarkt schneller gut ausgebildete Arbeitskräfte zur Verfügung gestellt werden. Man muss es schon klar formulieren, damals standen nicht die Kinder und Jugendlichen im Fokus, damals stand die Wirtschaft im Fokus. Auch das war ein großer Fehler. Und was sehen wir heute? Die größten Befürworter von G8 beklagen sich jetzt darüber, dass frisch gebackene Abiturientinnen und Abiturienten zu wenig Lebenserfahrung hätten, sie beklagen einen Mangel an Kernkompetenzen. Wir erleben das auch an den Unis und Hochschulen. Viele, die mit knapp 17 Abitur machen, fühlen sich bei der Studienwahl überfordert. Viele haben den Eindruck - wer kann es ihnen verübeln -, während G8 kaum gelebt zu haben. Viele wollen deshalb erst einmal ein Jahr aussetzen, gehen jobben oder auf Reisen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, es geht nicht darum, die junge Generation schlechtzureden, ganz im Gegenteil. Es geht darum, die kühnen Versprechungen von damals einem Praxistest zu unterziehen. Ich muss ganz klar sagen, die Versprechen wurden nicht gehalten. Diejenigen, die schon damals sagten - ich benutze das Wort meiner Kollegin -, G8 ist Murks, hatten recht. Mit dem neuen G9 gehen wir neue Wege. Wir sorgen für mehr Zeit, mehr Zeit zum Lernen, mehr Zeit zum Üben und Vertiefen, mehr Zeit für individuelles Fördern und Fordern und auch mehr Zeit für die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit. (Beifall von der SPD.) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir geben unseren Schülerinnen und Schülern Lebenszeit zurück und wir nutzen G9 wie schon erwähnt für ein Update des Lehrplans. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, was junge Menschen für ein gutes und selbstbestimmtes Leben im 21. Jahrhundert brauchen. Im 21. Jahrhundert geht es nicht mehr darum, das Lexikon auswendig zu lernen. Ich sage das auch klar zu denjenigen, die jetzt von einem „Gymnasium light“ reden. Das ist nicht unsere Vorstellung von der Schule der Zukunft. Es geht darum, Schlüsselkompetenzen zu entwickeln und sich in neue Themen einarbeiten zu können. Wir haben auch heute bereits mehrfach davon gesprochen, worum es geht, nämlich darum, neue Sprachen zu lernen, Französisch, Englisch, im besten Falle auch eine Programmiersprache. Es geht auch darum, dass man demokratische Entscheidungen in einer so komplexen Welt wie heute erlernt. Es geht darum, Demokratie erlebbarer zu machen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, all das findet sich im vorliegenden Gesetzentwurf wieder. Ich finde, es ist ein sehr guter Aufschlag. Wir werden jetzt die Anhörung nutzen, um den engen Austausch mit Eltern, Schülern und Fachkräften weiterzuführen. Denn ich bin mir sicher, am Ende können wir gemeinsam das neue G9 zum Erfolg machen. Wir wollen diese Chance gemeinsam nutzen. Ich bitte um Zustimmung zum vorliegenden Gesetzentwurf. (Beifall von der SPD.)

Alle Reden von Stephanie Meiser Protokoll ↗