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Friedrich Josef Dörr

AfD 18.01.2023 Sitzungen 17/10

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Die SPD-Regierung hat jetzt ein Gesetz zur Einführung von G9 vorgebracht. Wir haben auch ein Gesetz vorgebracht, weil uns das Gesetz der Regierung zu umständlich erscheint. Wir denken ebenfalls, dass es ein wichtiges Thema ist, aber wir möchten es für die Benutzer - das sind die Kinder und Eltern - einfacher und wirkungsvoller machen. Ich werde es begründen, obwohl es eigentlich offensichtlich ist. Die Ministerin hat selbst vorgetragen, dass G8 ein Fehlversuch war. Der Fehlversuch hat immerhin über 20 Jahre angedauert und dauert (Abg. Dörr (AfD)) nach den Vorschlägen der Regierung weiterhin an, nämlich bis 2028 beziehungsweise 2030. Das passt nicht zusammen. Ich denke, wenn man die Ansicht vertritt - die auch richtig ist -, dass G9 angeboten werden muss, dann muss es sofort möglich sein. Ich erinnere mich noch gut an die Diskussion damals, als G8 eingeführt wurde. Die Argumente waren in dem Antrag der Regierung aufgeführt worden. Es ging darum, was man alles erreichen wollte. Es war klar, dass man das wahrscheinlich nicht erreicht. Die negativen Seiten hat man jetzt erfahren. Sie sind eingetreten. Das war absehbar. Wenn man jetzt der Ansicht ist, dass das geändert werden muss, frage ich mich, warum dann nur zwei oder drei Jahrgänge in den Genuss kommen und alle anderen warten müssen. Das ist gegenüber diesen Jahrgängen doch eigentlich - so sage ich es einmal - unverschämt. Wenn man einerseits die Nachteile aufführt und es andererseits nicht möglich macht, dass alle Kinder in den entsprechenden Genuss kommen, ist das widersinnig. Das passt nicht zusammen. Unser Vorschlag ist zuerst einmal, dass man jeder Schülerin und jedem Schüler sowohl G8 als auch G9 ermöglicht. Die Ministerin hat richtig gesagt, sie wolle die Kinder individuell fördern. Es gibt Kinder - das ist eine Tatsache, weshalb auch G8 aufgekommen ist -, die sich nicht in Vereinen organisieren und keine Musik oder sonstiges machen, sondern in möglichst kurzer Zeit ihr Abitur machen wollen. Das muss man auch respektieren, wenn man kinder- und elternfreundlich sein will. Man muss unserer Ansicht nach also die Eltern und Kinder befragen. Das ist eigentlich ganz klar, denn wenn ich etwas anbieten will, muss ich zuerst den Willen der Kunden erfahren. Und was ist einfacher, als die Eltern zu fragen? Davor hat die Regierung aber anscheinend Angst. Es wird immer von Demokratie und Mitbestimmung gesprochen. Dann werden aber nur die Verbände und nicht die Kunden selbst gehört. Es wäre doch gar kein Problem, in jeder Schule nachzufragen, wie viele Kinder und Eltern der Jahrgänge, die jetzt nicht zum Zuge kommen, auch G9 haben möchten. Das ist Demokratie, und nicht flächendeckend alles gleichzeitig und einheitlich zu machen, das haben wir bei Corona gesehen: Wenn in Kleinblittersdorf ein Corona-Fall aufgetreten ist, sind in Weiskirchen die Schulen geschlossen worden. Wenn man das wirklich demokratisch und individuell macht, stellt man auf dieser Grundlage fest: Im Theodor-Heuss-Gymnasium in Sulzbach gibt es eine gewisse Anzahl Kinder aus den jeweiligen Klassenstufen, die gern sofort G9 machen möchten. Dann muss man sehen, wie man das organisiert. Das ist - das sage ich Ihnen, ich habe 40 Jahre lang Schulen organisiert - eine der leichtesten Aufgaben. Wenn man aber zu bequem ist, sich ein bisschen anzustrengen, und auch nicht den Mut hat, etwas zu machen, dann ist das schwierig. Im Grunde ist es aber sehr leicht. Man kann aber auch hingehen und es wie die Vorgänger vor zig Jahren machen, als in der damaligen Volksschule einfach an die achte Klasse eine neunte Klasse angehängt worden ist. Hinterher waren alle neunklassig. Dasselbe habe ich im Lehrerseminar in Lebach erlebt. Da sind aus sechs Klassen sieben geworden. Man hat eine Klasse dazwischengeschoben, damit war die Sache erledigt. Das war eine Sache von einer Woche. Das ist alles ganz einfach. Die Lehrinhalte, die jetzt ganz anders sein sollen, sind nicht aus der Luft gegriffen, sondern schon länger da. Beim Digitalunterricht haben wir schon moniert, dass man erst ab Klassenstufe 7 anfängt. Auch das hätte man sofort allen anbieten müssen. Man hätte nachfragen müssen, wer das will, und feststellen müssen, wer in der Lage ist, solchen Unterricht zu erteilen, und wie man diesen organisieren kann. Das wird im Kultusministerium ausgeheckt. Dann werden Verbände gefragt, die im Grunde genommen die Interessen ihrer Kunden vertreten. Ich war selbst Lehrer und auch in einem Lehrerverband. Da habe ich immer nur dasselbe gehört: kleinere Klassen, mehr Geld und so weiter. Es sind immer dieselben drei oder vier Forderungen und damit hat es sich. Hier geht es um die Kinder und darum, festzustellen, was für die Kinder das Beste ist. Noch etwas zur Demokratie: Ich habe zig Jahre Sozialunterricht erteilt. Seinerzeit - ich weiß nicht, wie es heute heißt - hieß das politischer Gemeinschaftsunterricht. Das ist ein sehr interessantes Fach und die Kinder machen auch sehr gerne mit. Damit kann ich aber nicht zur Demokratie erziehen. Ich kann nur zur Demokratie erziehen, wenn ich eine demokratisch geführte Schule habe. Es gibt ein Schulmitbestimmungsgesetz, das überreglementiert ist. Da werden schon Aktivitäten unterbunden. Es braucht aber vor allen Dingen die selbstständige Schule nach außen, und zwar bis zum letzten Punkt, an dem die Schulen Lehrer selbst einstellen und Profile erarbeiten können. Das gibt es anderswo, das ist keine neue Erfindung. Nur wir machen es nicht. Lange Rede, kurzer Sinn: Demokratie gibt es nur, wenn man Demokratie lebt, und nicht, wenn man sie unterrichtet. An diesem Punkt könnte man Demokratie leben, indem man die Leute befragt, was sie gern möchten, und dann auch versucht, das zu organisieren. - Das wäre es fürs Erste. - Herzlichen Dank. (Beifall von der AfD.)

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