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Friedrich Josef Dörr

AfD 18.01.2023 Sitzungen 17/10

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren Gäste! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Frau Rehlinger hat zu Recht von der angeblichen Erbfeindschaft zwischen Deutschen und Franzosen gesprochen. Ich sage „zu Recht“, weil diese Erbfeindschaft nach meinem Empfinden und (Abg. Dörr (AfD)) nach dem, was ich im Leben erfahren habe, niemals bestanden hat. (Vizepräsidentin Heib übernimmt den Vor- sitz.) Es sind sehr viele Dinge von meinen Vorrednern aufgeführt worden, die aufzeigen, wie die kulturellen Bande doch sehr fest waren, gar nicht so dünn. Diese Erbfeindschaft ist ein politischer Propagandabegriff gewesen von denen, die gerne Krieg zwischen diesen beiden Völkern - Deutschen und Franzosen - gesehen hätten. Dieser Begriff gilt für uns nicht. Das hat es nie gegeben. Es ist aber trotzdem sehr wichtig, dass man die Freundschaft der Länder deklariert und festigt. Das ist vor 60 Jahren geschehen unter Führung zweier großer Staatsmänner, nämlich dem Franzosen Charles de Gaulle und dem Deutschen Konrad Adenauer. Es sind eben ein paar Anekdoten vorgebracht worden, dann trage ich auch etwas dazu bei: Heute Morgen, kurz vor sechs, habe ich im französischen Rundfunk, bei France Inter, die Stimme Charles de Gaulles gehört in der berühmten Rede aus dem Jahr 1940 bei der BBC. Da hat man gesagt - das habe ich mit Erstaunen festgestellt -, dass das gar keine Originalaufnahme ist - damals ist gar nichts aufgenommen worden-, sondern das ist eine synthetische Nacharbeitung. Auch der Text ist ein wenig geändert worden. Charles de Gaulle hat nicht gesagt: „La France a perdu une bataille. Mais la France n ̕ a pas perdu la guerre.“ Also, Frankreich hat eine Schlacht verloren, nicht den Krieg. Tatsächlich hat er gesagt: „La France n ̕ est pas seule.“ Also, Frankreich ist nicht allein. Es ist aber egal, was er gesagt hat, es ist ein denkwürdiger Tag gewesen. Es ist vor allem auch eine denkwürdige Entscheidung, dass sich die beiden Männer getroffen und eine Freundschaft deklariert und mit einem Vertrag festgelegt haben. Allerdings, das ist bei meinen Vorrednerinnen und Vorrednern schon angeklungen, hat ein wichtiger Punkt dazu beigetragen, der uns hier persönlich betrifft, und das ist die Rückkehr des Saarlandes nach Deutschland. Ich habe selbst als Kind den Krieg erlebt und als Jugendlicher die Nachkriegszeit. Ich habe es als schmerzhaft empfunden, dass mein Heimatland, das Saargebiet oder Saarland, von Deutschland getrennt war. Angenehm war natürlich, dass wir an Frankreich angeschlossen waren, da brauchten wir nach Forbach nicht den Pass vorzuzeigen. Das hat mich schon geschmerzt und ich war eher franzosenkritisch. Als diese Abstimmung stattgefunden hat, bei der es dem Text nach gar nicht um Deutschland oder Frankreich ging, sondern bei der ein europäisches Saarstatut zur Rede stand, haben die französischen Politiker es so ausgelegt, wie es auch war, es war eine Entscheidung für Deutschland. Und sie haben sofort die Konsequenzen gezogen und in dem Moment hat sich bei mir alles, was Frankreich und die Franzosen betrifft, sofort gewandelt. Ich bin seither ein glühender Franzosenfreund. Meine vier Söhne haben alle neben dem deutschen auch das französische Abitur. Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass es wichtig ist, dass wir, wenn wir eine Freundschaft mit Frankreich pflegen wollen, auch daran denken, dass wir die Franzosen verstehen müssen und die Franzosen auch uns. Da genügt es nicht, wie es vorgetragen wurde, dass man sich verständigen kann. Darunter verstehe ich das, was die Leute so machen, wenn sie ins Gasthaus gehen oder so. Das brauchen wir nicht. Wir brauchen eine wirkliche gegenseitige kulturelle Befruchtung. Frau Rehlinger hat auch gesagt, dass auf den ersten Blick - das hat sie gut ausgedrückt - viele Erfolge zu verzeichnen sind. - Aber wirklich auch nur auf den ersten Blick, denn wenn man etwas tiefer schaut, stellt man fest, dass auch einige Misserfolge da sind, vor allen Dingen auch durch Unterlassung. Es ist eben schon angeführt worden, dass es Rückschläge gegeben hat, eher gefühlsmäßiger oder optischer Natur, und das war die Grenzschließung zu Zeiten von Corona. Da hat so ein unguter Reflex die Macht ergriffen und die Grenzen wurden geschlossen. Herr Commerçon und auch Herr Theis, ich muss Ihnen sagen: Wir von der AfD waren von Anfang an radikal gegen diese Grenzschließung. Wir haben gesagt, das Virus bleibt nicht an der Grenze stehen. Wenn man irgendwo eine Quarantäne verhängt, dann kann man das an Orten machen, wo das wesentlich auftritt, aber man kann nicht eine nationale Grenze schließen. Wir waren von Anfang an radikal dagegen. Ich habe an Ihrer Rede, Frau Rehlinger, zu bemängeln, dass Sie im Zusammenhang mit der Grenzschließung gesagt haben: „Bei diesen Zerreißproben denke ich aber auch an den Zuspruch, den extreme Kräfte bei den Parlamentswahlen in Frankreich für sich verbucht haben, gerade in unserer Nachbarschaft.“ Dazu muss ich doch sagen: Zuerst einmal ist es immer schlechter Stil, Wählerschelte zu betreiben. Ganz schlechter Stil ist es und überhaupt nicht annehmbar, wenn man auch noch die Wähler eines Nachbarlandes oder einer Nachbarschaft kritisiert, zumal es gar keine Alternative gibt. Man muss mit diesen Menschen, die da gewählt worden sind, auch zusammenarbeiten. Wie wollen wir denn Europa schaffen, wenn wir schon gleich Grenzen setzen: Mit denen können wir, mit denen können wir nicht. Das heißt also, wenn ich von Extremisten rede - ich denke schon, dass das Rassemblement National gemeint ist , dann ‑ sind das Leute, die gebietsweise immerhin die Hälfte der Wählerstimmen haben. Diese Dinge können wir nicht gebrauchen. (Abg. Dörr (AfD)) Noch etwas zur Zweisprachigkeit oder Mehrsprachigkeit, weil ja auch Englisch immer noch dazugehört. Es ist viel Propaganda dabei. Ich stelle mit Traurigkeit fest, aber nicht seit gestern oder seit vorgestern, sondern seit mindestens 50, 60 Jahren: Bei uns im Saarland - und ich bin froh um jedes Pflänzchen, das hier wächst, und das Schengen-Gymnasium und das Deutsch-Französische Gymnasium und auch anderes sind ja ganz toll - ist kein Fortschritt zu verzeichnen, eher ein Rückschritt, denn vorher, in der autonomen Zeit, haben viele Lehrer ein Praktikumsjahr in Frankreich gemacht, sie haben die Sprache hierhergebracht. In Frankreich ist die deutsche Sprache radikal zurückgegangen. Vor 50 Jahren war es ein Leichtes, sich in Forbach zu verständigen. Viele der Immigranten, die von Herrn Commerçon angeführt wurden, sind 1935 nach Forbach gegangen, weil sie dort genauso Deutsch sprechen konnten wie in Saarbrücken. Aber das ist vorbei. Die junge Generation spricht nicht mehr Deutsch, außer ein paar Leute, die hier arbeiten. Eines will ich noch sagen, denn das ist wichtig. Ich habe jetzt nicht mehr viel Zeit, also: Ich bin der Ansicht, dass dieser Krieg, den wir hier haben, nicht unser Krieg ist. Das ist ein Krieg in der Ukraine - es ist ganz schlimm, dass er dort ist -, aber das ist nicht unser Krieg. Wenn wir sagen, wir müssen alles Menschenmögliche tun, damit die Ukraine diesen Krieg gewinnt, dann frage ich mich: Was ist das denn noch alles, dieses „Menschenmögliche“? Sind das nur die Panzer, ist dann Schluss? Oder müssen auch noch unsere Kinder dorthin? Das heißt, man sollte mit seiner Wortwahl sehr vorsichtig sein. Jede Wahrheit hat zwei Seiten. Ich muss leider schließen, ich sage deshalb nur noch eines: Selbstverständlich geht an Europa für uns überhaupt nichts vorbei und wir werden natürlich jede Initiative, die nach vorne führt, mittragen. Wir sagen: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es! - Danke schön. (Beifall von der AfD.)

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