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Flora - Elisa Schröder

SPD 07.12.2022 Sitzungen 17/9

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Mein Name ist Flora, und ich spreche heute zur Fauna. (Heiterkeit. - Beifall von SPD und CDU.) Nur wenige Wochen alt, wurde mein Hund Timo in einem Müllsack gefunden. Kaum auf der Welt, sah er erst mal nichts. In einem dunklen, nassen und stinkenden Müllsack wurde er entsorgt. Diese Handlung zeigte ihm gleich, dass er nicht gewollt ist, nicht wertgeschätzt wird, und dass er Glück braucht, um gefunden zu werden. Timo hatte Glück, er wurde gefunden. Er durfte direkt in sein neues Zuhause ziehen. Heute lebt er seit 10 Jahren mit und bei meiner Familie. Als Familienhund wird er von allen Seiten verwöhnt und geliebt. Die Geschichte von Timo, dem Hund, hat ein Happy End - doch viele Tiere haben nicht so viel Glück. Nicht jedes Tier findet seine Familie. Für ein Haustier bedeutet „Glück haben“ heutzutage schon, dass es im Tierheim abgegeben wird oder dort landet, nachdem es ausgesetzt wurde. Vier Tierheime zählt das Saarland. Wir haben das Tierheim Bertha Bruch in Saarbrücken, das Tierheim Linxbachhof in Oberlinxweiler, das Tierheim Ria Nickel in Homburg und das Tierheim Hedwig Trampert in Dillingen. Unsere Tierheime nehmen all die Tiere auf, die ihr Zuhause aus unterschiedlichsten Gründen verloren haben, egal ob ihre Bezugspersonen krank wurden, sich getrennt haben oder gestorben sind. Sie sind aber auch Rettungsstationen für Tiere, die zu Hause misshandelt oder vernachlässigt wurden, und für Fundtiere, die einfach am Straßenrand, im Wald ausgesetzt wurden, oder wie Timo im Müll entsorgt wurden. Unsere Tierheime geben all diesen Tieren ein Dach über dem Kopf, füttern sie und versorgen sie medizinisch. Wenn möglich, trainieren sie sie auch - damit sie zum Beispiel wieder Zutrauen zu Menschen fassen können, obwohl diese ihnen Leid zugefügt haben. Unsere Tierheime werden von gemeinnützigen Tierschutzvereinen betrieben und sind - wie alle Vereine - auf ehrenamtliche Mitarbeit angewiesen. An dieser Stelle möchte ich, und ich denke, ich kann das stellvertretend für uns alle sagen, diesen engagierten Menschen danken. (Beifall von der SPD.) Danke für eure Fürsorge, für eure Zeit, für Euer Herzblut, das ihr tagtäglich für all die Tiere aufbringt. - Aber wir müssen auch über Geld reden, also schauen wir auf die finanziellen Mittel der Tierheime. Sie werden, wie bereits erwähnt, von gemeinnützigen Tierschutzvereinen geführt und sind somit auf Spenden angewiesen. Die Rechnung ist einfach: Je mehr Geld vorhanden ist, desto besser können die Tiere vor Ort versorgt und auf ihr neues Zuhause vorbereitet werden. Deswegen ist es uns, der SPD, wichtig das Tierwohl zu gewährleisten. Als tierschutzpolitische Sprecherin bin ich - zusammen mit dem Arbeitskreis Umwelt der SPD-Fraktion - in Gesprächen mit den Tierheimen; insbesondere mit Homburg, das vor großen Herausforderungen steht, stehen wir in engem Austausch. Wir unterstützen die Tierheime! Wir wollen das ehrenamtliche Engagement sinnvoll unterstützen und natürlich die drängendsten Maßnahmen ermöglichen. Deshalb haben wir als SPD-Fraktion die bereits vorgeschlagenen Mittel um 50 Prozent erhöht - insbesondere für die Unterstützung bei den anstehenden Investitionen. Mit diesen Mitteln geben wir den Tierheimen Planungssicherheit, und zwar dahingehend, dass Projekte auch bereits im Jahr 2023 umgesetzt (Abg. Schröder (SPD)) werden können. Denn, liebe Kolleginnen und Kollegen, eines ist auch klar: Jetzt einen beliebig hohen Betrag einzustellen, dessen Summe nur auf dem Papier gut aussieht, bringt wenig. (Beifall von der SPD.) Besonders, wenn die Mittel nicht innerhalb eines Jahres verausgabt werden können. Genau deshalb halten wir Rücksprache mit den tätigen und betroffenen Personen. Ist Tierschutz in der Gesellschaft angekommen? Ja und nein; Menschen sind sensibler geworden, wenn es ums Tierwohl geht. Massentierhaltung zum Beispiel ist nur schwer mit Tierwohl vereinbar. Lange Tiertransporte sind stressig, Schlachtungen ohne Richtlinien und Betäubung fügen Tieren großes Leid zu. Für diese Punkte hat die Gesellschaft mittlerweile ein Bewusstsein. Aber geht es um das Tierwohl von Haustieren, gibt es noch große blinde Flecken. Und dies hat gerade die Pandemie gezeigt. Seit Corona sind die Tierheime voller denn je. Wir alle haben es erlebt: Wir waren einsam; Spazieren war gefühlt das Einzige, was noch möglich war. Natürlich kommt da schnell der Wunsch auf, einen fellnasigen Begleiter zu haben. Und durch Homeoffice war plötzlich auch die Zeit dafür da. Leider wurde dann viel zu oft ein Tier angeschafft, ohne die Konsequenzen zu bedenken. Diese Tiere sitzen nun in unseren Tierheimen. Deshalb an dieser Stelle ein persönlicher Appell: Wir sollten es uns gründlich überlegen, ob wir ein Tier in unserer Familie aufnehmen. Gerade jetzt, da Weihnachten vor der Tür steht, sollte diese Überlegung doppelt und dreifach angestellt werden. (Beifall von der SPD.) Zu Weihnachten werden immer noch lebendige Tiere verschenkt, obwohl Tierschützer*innen seit Jahren davor warnen. Ja, zur besinnlichen Zeit ist es besonders schön, einem Lebewesen ein Zuhause zu schenken. Ja, ein Welpe ist ein süßes Geschöpf. Und ja, ein Tier mit Schleife oder im Geschenkkarton hat leider immer noch den Status eines besonderen Geschenks. Was dazu führt, dass alle Jahre wieder zu Beginn des neuen Jahres Tiere in Tierheimen abgegeben werden, denn dann sind die Ferien vorbei und damit auch die Zeit für das Tier. Deswegen haben unsere Tierheime um die Weihnachtszeit einen Vermittlungsstopp, um den Tieren eine kurzzeitige „Ausleihe“ und das damit einhergehende Trauma zu ersparen. Das hat unsere vollste Zustimmung! (Beifall von der SPD.) Liebe Kolleginnen und Kollegen, jedes Leben ist wertvoll, das gilt umso mehr in der heutigen Zeit. Wir befinden uns in einer Triple-Krise: Klimakrise, Pandemien, Artensterben. Unser Ökosystem ist in einem solch empfindlichen Gleichgewicht, dass jede Art geschützt werden muss. Redet man von Tierschutz, ist Artenschutz oft inbegriffen. Diese wichtige Arbeit von Tier- und Artenschutz zugleich findet in der Wildvogel-Auffangstation - kurz WiVo - in Püttlingen statt. Dort werden hilflose Jungvögel oder erkrankte und verletzte Wildvögel aufgepäppelt. Die Wi-Vo ist somit nichts anderes als das Krankenhaus oder die Pflegestation der Wildvögel im Saarland. Sie ist mittlerweile eine Institution geworden. Egal, wen Sie im Saarland fragen, ich garantiere Ihnen, dass 90 Prozent der Saarlander*innen mindestens schon einmal von ihr gehört haben. Ich bin mir sicher, dass sehr viele Personen schon mal einen Vogel dort hingebracht haben. Ich selbst war vor Ort und habe ein buntes Sammelsurium von unterschiedlichsten Vögeln gesehen: Mauersegler, Mäusebussarde, Eisvögel, sogar eine Möwe wurden dort gepflegt. Die Menschen, die sich hingebungsvoll um all diese Vögel kümmern, machen einen wunderbaren Job. (Beifall von der SPD.) Deshalb haben wir uns als SPD-Fraktion für die WiVO stark gemacht. Wir haben den Betrag im Haushalt erhöht, weil jedes Leben wertvoll ist. Sie sehen also, liebe Kolleginnen und Kollegen, Artenschutz ist uns wichtig, Tierschutz ist uns wichtig! Ich werde mich innerhalb meiner Fraktion, innerhalb meiner Partei, innerhalb des Landtages immer für dieses Thema stark machen. Ich weiß meine Fraktion an meiner Seite, an der Seite der Tierheime, der Tierpflegeeinrichtungen und, am wichtigsten, an der Seite der Tiere. (Beifall von der SPD.) Zum Abschluss möchte ich mich erneut persönlich bei allen Menschen bedanken - auch bei Ihnen, Frau Fretter -, die sich im Ehrenamt, aber auch hauptamtlich für das Tierwohl in vielfältigen Facetten, für Hunde, Katzen, Vögel, Wildtiere, exotische Tiere, große Tiere und kleine Tiere mit so viel Energie und Leidenschaft engagieren und einsetzen. Mit und durch euch haben die Tiere eine Stimme! - Danke. (Beifall von der SPD.)

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