landtag-saar.de ↗

Mücklich-Heinrich

CDU 07.12.2022 Sitzungen 17/9

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Saarland der Zukunft braucht eine gesunde, anpassungsfähige Industrie und vor allem einen starken Mittelstand. Wenn man mit dem Auto durch Bayern oder Baden-Württemberg fährt, dann sieht man mit bloßem Auge, welchen Nachholbedarf wir im Saarland haben. Wir haben im Saarland eine exzellente Forschungsgemeinschaft mit Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Die drei Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts sind Informatik, Biotechnologie und Materialwissenschaften - alle im Saarland prominent vertreten. Das sind ideale Voraussetzungen für neue Technologien und neue Geschäftsmodelle. Deshalb haben Gründungen - Start-ups - eine besondere Bedeutung. Damit der Strukturwandel an der Saar gelingt, brauchen wir unter anderem jetzt Start-ups mit hohem Wachstumspotenzial und einer hohen Wertschöpfung. Wieso liegen wir hier unter dem Bundesdurchschnitt? - Eine Studie von KPMG macht die bisherigen Defizite im Saarland im Vergleich zu anderen Bundesländern deutlich. Es gibt einen Mangel an Gründungsaktivität, wir haben hier also zu wenig Gründungswillige. Das hat sicherlich auch mit unserer Historie zu tun. Es gibt einen Mangel an professioneller Begleitung von jungen Unternehmern. Es gibt einen Mangel in der direkten Frühfinanzierung. Um diese Defizite auszugleichen, brauchen wir den Schulterschluss von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. (Beifall von der CDU.) Um exzellente Start-ups konkurriert ganz Deutschland, um die besten die ganze Welt. Wir erleben gerade, wie Präsident Biden in den USA mit Milliarden versucht, technologiebasierte Unternehmen an Land zu ziehen. Das kann ein Problem für Deutschland und das Saarland werden. Deshalb müssen wir die Wettbewerbssituation für das Saarland verbessern, damit sich mehr Gründungswillige für den Standort Saarland entscheiden und auch hierbleiben. Ich spreche mit sehr vielen Start-up-Unternehmen. Im familiären Umfeld erlebe ich gerade die ersten Schritte eines technologiebasierten Start-ups im Hightech-Bereich. Alle berichten, dass es sehr schwierig ist, sich einen Überblick über die saarländische Beratungslandschaft zu verschaffen. Meldet man sich in Dresden, gibt es eine Stelle, die die jungen Gründer umgarnt und an die entsprechenden Stellen weiterleitet. Das sind Dinge, die wir im Auge behalten müssen. Denn das ist wichtig, damit unsere Start-ups auch die optimalen Fördermöglichkeiten ausschöpfen. Wir sehen drei Instrumente zur Verbesserung der Situation. Instrument 1. Wir wollen einen Risikofonds für direkte Beteiligungen vor allem in der Frühphase der Gründung. Der Fonds soll für private Kapitalgeber und Investoren geöffnet werden, um so zusätzliches Kapital für Gründungen einzuspielen. Der Fonds soll mit Landesmitteln in Höhe von 100 Millionen Euro ausgestattet sein, die über vier Jahre aus dem Kernhaushalt eingezahlt werden. In der vergangenen Legislaturperiode ist die Landesregierung seriös gerechnet davon ausgegangen, dass 1 Euro Landesgeld 4 Euro privates Geld anstößt. Der Fonds erreicht damit eine Höhe von 500 Millionen Euro. (Abg. Mücklich-Heinrich (CDU)) Instrument 2: Wir unterstützen Gründer-Teams mit schneller Validierung ihrer Gründungsidee. Dabei werden folgende Fragen beantwortet: Funktioniert die technische Lösung? Gibt es Innovations- und Skalierungspotenzial? Erfüllt die Gründungsidee die Funktionen, die sich der Nutzer vorgestellt hat? Würde der Nutzer die Lösung kaufen? Hat die Geschäftsidee eine Chance am Markt? Diese Analyse wird in einem Zeitraum von maximal vier Monaten durchgeführt. Bis zu 40 Start-ups bekommen jährlich je 30.000 Euro dafür. Instrument 3: Die Gründer sollen in allen Entwicklungs- und Wachstumsphasen eng begleitet und unternehmerisch unterstützt werden. Dieser Teil muss unbedingt weiter ausgebaut werden. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass erfolgreiche Unternehmen gewonnen werden, die mitgründen. So erhalten die Gründer-Teams bereits in einer frühen Phase wertvolles Know-how von diesen Unternehmen. Dadurch können gängige Fehler vermieden werden. Mit diesen drei Instrumenten wird das Gründer-Ökosystem stabilisiert und gestärkt. Wir erhöhen damit die Wertschöpfung im Saarland, schaffen zukunftsfähige Arbeitsplätze und leisten einen maßgeblichen Teil zum Gelingen des Strukturwandels. Deshalb fordern wir, jeweils 25 Millionen für die nächsten vier Jahre in den Kernhaushalt einzustellen, damit weitere 400 Millionen privates Geld in die Start-up-Szene fließen. Das würde dem Saarland guttun und wäre - ich bleibe mal im Bild von Herrn von Weizsäcker - Teil einer richtigen Therapie. - Vielen Dank. (Beifall von der CDU.)

Protokoll ↗