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Friedrich Josef Dörr

AfD 07.12.2022 Sitzungen 17/9

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Liebe Frau Streichert-Clivot, Sie haben mich persönlich angesprochen und haben meine Sprache bemängelt oder meine Sprache erwähnt. Nun bin ich dafür bekannt, dass ich einen Hammer „Hammer“ nenne und nicht „Schlagwerkzeug“ oder sonst wie. Ich nenne eine Situation „benachteiligt“, wenn ich sie für benachteiligt halte. Ich halte die Situation unserer Gemeinschaftsschule für benachteiligt. Ich will das kurz erklären. Es ist ja immer verräterisch, wenn sich Namen von Institutionen ändern. Ich habe in einer Schule unterrichtet, wo sich die Namen geändert haben. Diese Schule hieß ursprünglich „Hilfsschule“. (Zuruf des Abgeordneten Commerçon (SPD).) Ich hatte Kollegen, die durften nicht Hilfsschullehrer werden, weil ihre Frauen Angst hatten, dass die Nachbarn meinten, sie wären keine vollen Lehrer, sondern nur Hilfslehrer. Man hat diese Schulen nachher Sonderschulen genannt. Auch dieser Begriff hat sich entwertet. Sie heißen heute Förderschulen. Das wird nicht ihr letzter Name sein. Das kommt daher, weil sich die Gesinnung der Leute nicht geändert hat. Die Leute halten von dieser Schule immer noch dasselbe. Sie meinen immer noch, das ist eine Hilfsschule. Da gibt es noch ganz andere - böse - Wörter, die ich alle kenne, aber hier nicht nenne. Dann waren es später die Sonderschulen. Das hat das vier Wochen überkleistert und dann ist das wieder hervorgekommen. Inzwischen ist es die Förderschule. Der Name kann nur dann vollwertig und hochwertig sein, wenn die Schule auch so angesehen ist. Zur Gemeinschaftsschule. Ich selbst war noch Schüler der Volksschule. Da gab es keine Grundschule und es gab keine Hauptschule. Die erste Aufwertung, die man der Volksschule geben wollte, war die, dass man sie eingeteilt hat in Grundschule und Hauptschule und dann meinte, Hauptschule als weiterführende Schule sei anziehender, der Run zum Gymnasium oder auch zur Mittelschule - so hieß die damals noch - würde dadurch etwas gebremst. Aber das hat nicht so gewirkt. Sie wurde dann nachher als „Restschule“ diffamiert. Es gab sehr gute und gut arbeitende Hauptschulen. Sie wurden als „Restschulen“ diffamiert. Man hat sie dann Sekundarschulen genannt. Auch dieser Begriff hat sich nach kurzer Zeit abgewertet. Dann wurde es die Erweiterte Realschule. Auch dieser Begriff hat zuerst einmal bei der Realschule keinen Anklang gefunden, hat aber trotzdem die Hauptschüler, die ehemaligen, nicht aufgewertet. Das heißt also, diese Erweiterte Realschule ist auch versunken und es ist die Gemeinschaftsschule gekommen. Die Ironie des Schicksals: Der Name kommt aus einer Zeit - man würde besser einmal in die Geschichte kucken -, da hätte man vielleicht einen anderen Namen gewählt. Aber er ist nun einmal da. Das ist die Gemeinschaftsschule. Diese Gemeinschaftsschule ist meiner Ansicht nach benachteiligt. Warum? Weil die wichtigsten Probleme in unserer Gesellschaft dort ihren starken Widerhall finden. Das Gymnasium ist davon verschont. Jetzt sage ich Ihnen etwas voraus. Das werden Sie feststellen. Ich bin für G9. Ich bin auch für G8. Ich bin für eine Auswahl. Wegen mir können Sie auch noch G7 und G10 machen. Wenn das dem Schüler angemessen ist, ist das in Ordnung. (Abg. Schäfer (SPD): GSG9! - Unruhe. - Sprechen.) Ich bewundere immer, wie Sie das alles so lustig finden. Aber ich denke, es ist eine wichtige Sache, weil das Wohlbefinden und auch die Zukunft unserer Kinder hier auf dem Spiel stehen. Da ist es ganz wichtig, dass man die richtigen Weichen stellt. Je mehr Verantwortung man hat, umso schwieriger ist es natürlich, aber umso wichtiger ist es auch. Deshalb bin ich wie gesagt für G9. Ich bin auch für G8. Ich bin für die Auswahl. Aber ich werde Ihnen sagen, dass G9 dazu führt, dass es einen Aderlass bei der Gemeinschaftsschule gibt. Es wird eine Bewegung geben, die es schon immer gegeben hat. Sie wird nicht aufzuhalten sein. Es waren ja früher zu meiner Zeit 3 Prozent eines Jahrgangs Gymnasiasten. 3 Prozent! Heute sind es - ich weiß nicht genau - aber mindestens 40 Prozent. Dieser Prozentsatz wird steigen. Wir sehen es ja auch in anderen Ländern. Dann wird die jetzige Gemeinschaftsschule - das sage ich jetzt nicht abwertend, sondern das sage ich befürchtend - auch zur „Restschule“ werden. Deshalb habe ich einen Vorschlag - auch hier schon früher einmal vorgestellt und vorgeschlagen -, den ich jetzt einmal wiederhole. Man muss Schulen für alle unsere Kinder haben, für die verschiedenen Begabungen und Neigungen. Wenn die Leute nur eine Schule wollen, wenn sie nur das Gymnasium wollen, dann muss man ihnen das Gymnasium geben. Aber dann muss man ihnen ein Gymnasium mindestens zweige- (Abg. Dörr (AfD)) staltig geben, nämlich ein Gymnasium mit allgemeinbildendem Schwerpunkt ‑ ‑ (Abg. Wagner (CDU): Neuauflage über das Bildungssystem. - Lachen und Beifall aus der CDU.) Herr Wagner, wenn Sie es vergessen haben, können Sie jetzt etwas dazulernen. (Abg. Wagner (CDU): Ich habe angeregt, dass Sie noch einmal ein Buch dazu schrei- ben. - Abg. Schmitt-Lang (CDU): Er ist wieder da.) Wenn ich die Zeit hätte, aber es kann durchaus sein. Alle 25 Jahre, da müsste ich noch ein bisschen durchhalten. Das Gymnasium muss allgemeinbildend sein, aber ein Gymnasium allgemeinbildend mit wissenschaftlichem Schwerpunkt, das heißt also, Kinder, die eher weiterstudieren wollen, und beruflichem Angebot, also kein Ausschluss. Sie können auch einen Beruf ergreifen. Und ein anderes Gymnasium mit beruflichem Schwerpunkt, das heißt also, Kinder, die von Hause aus eher denken, sie wollen nicht studieren, sondern gleich in den Beruf eintreten, und wissenschaftlichem Angebot. Das heißt, sie haben auch die Möglichkeit zu studieren. Diese beiden gymnasialen Formen müssen durchlässig sein. Dann hat man zumindest einmal ein besseres System, als es jetzt ist. Damit soll es genug sein. - Herzlichen Dank. (Beifall von der AfD.)

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