Maximilian Raber
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren! Kultur verbindet Menschen. Sie bringt sie zusammen und schafft gemeinsame Momente. Besonders in der Hochphase der Pandemie haben wir schmerzlich erfahren müssen, was Einschränkungen in der Kultur für unser Leben bedeuten. Veranstaltungen wurden abgesagt, die Angebote verringert. In der Not wurde auf digitale Formate umgestellt, um soziale Kontakte auf ein Minimum zu begrenzen. Dabei ist uns klargeworden, dass unsere Kultur gerade von Letzteren geprägt wird. Es sind eben nicht rein die Inhalte, sondern auch die Begegnungen mit Menschen, die unser kulturelles Leben attraktiv machen. Vermutlich kann ich für uns alle sprechen, wenn ich sage: Wir sind froh, dass unser kulturelles Leben wieder reichhaltiger ist. Wir können uns wieder an Konzerten erfreuen, ins Theater oder Kino gehen und auf Festivals gemeinsam feiern. Aber auch das Vereinsleben ist ein Stück weit zur Normalität zurückgekehrt, gemeinsame Proben, gemeinsames Musizieren oder Singen sind wieder möglich. Als kulturpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion freut es mich besonders, dass meine Fraktion nun noch mal eine Schippe draufgelegt hat. Im Vergleich zum Entwurf des Haushaltsplans ist ein Mittelzuwachs von insgesamt 576.000 Euro zu verzeichnen. Über eine halbe Million Euro mehr für unsere Kultur. (Beifall von der SPD.) Einen Schwerpunkt setzen wir dabei im Bereich der Breitenkulturförderung, Frau Schmitt-Lang. Durch ihre Vielfältigkeit in Karnevals-, Musikund Tanzvereinen ist sie dabei eine wichtige Stütze in unserem kulturellen Veranstaltungskalender. Die Vereine der Breitenkultur leisten dabei auch unheimlich wichtige Arbeit. Beispielsweise sei hier auch die LAG Tanz genannt, eine Arbeitsgemeinschaft, die landesweit Tanzprojekte für Kinder und Jugendliche aus unterschiedlichen sozialen Milieus und Kulturen anbietet und mit lokalen und überregionalen Institutionen kooperiert. Aber auch das Angebot anderer Vereine und Verbände steht allen Menschen offen, unabhängig von der Herkunft, dem kulturellen oder dem Bildungshintergrund. Aber mehr noch, Vereine und Verbände eröffnen dabei Räume für Begegnungen unterschiedlicher Charaktere, unterschiedlicher Menschen, die sich ohne Vereine vielleicht nie kennengelernt hätten. Diese Kontakte erweitern nicht nur unseren Horizont, sie bereichern auch unser Leben. Gerade durch und mit dieser Vielfalt sind Vereine eine Stütze unserer Gesellschaft. Daher fördern wir im nächsten Haushaltsjahr bestimmte Projekte der Breitenkultur und legen ein besonderes Augenmerk auf die Professionalisierung der Verbände. Dabei ist klar, ehrenamtliches Engagement bleibt eine wichtige Stütze der Arbeit vor Ort. Aber wir dürfen nicht den Fehler begehen und alle Arbeit auf das Ehrenamt abstellen. Im Gegenteil, wir müssen es fördern und gleichzeitig auch entlasten. Dafür bauen wir professionelle Strukturen auf, die unterstützen, beraten und helfen, wenn sie gebraucht werden. Dadurch schaffen wir Synergien zwischen den Akteuren und stärken letztlich deren Arbeit vor Ort. (Beifall von der SPD und bei der CDU.) Mehr noch, wir investieren zusätzlich 40.000 Euro in die Durchführung des Programms „Arbeit und Kultur“, für den sogenannten Kreativfonds. Aus diesem Fonds können beispielsweise Karnevalsvereine Gelder für Kostüme erhalten, Musikvereine können damit Notenblätter kaufen oder andere Arbeitsmaterialien können damit beschafft werden. Vor dem aktuellen Hintergrund der Kostensteigerungen ist das nicht nur für die Vereine, sondern auch die Mitglieder im Privaten gut angelegtes Geld, das wir hier zur Verfügung stellen. Frau Präsidentin, mit Ihrer Erlaubnis zitiere ich aus dem Vorwort des Theaters Überzwerg für die Spielzeit 2022/2023. Dort heißt es: „Junge Menschen darin bestärken, Dinge zu hinterfragen, sich selbst als Teil der Gemeinschaft zu begreifen, sich mit anderen zu verbinden, für die eigene Weltsicht einzustehen und kreative Lösungsansätze zu erforschen, das alles kann Theater.“ Viel besser kann man es nicht beschreiben. Aus diesen Gründen fördern wir Kinder- und Jugendtheater, wie das Theater Überzwerg und das Kindertheater Theater Compagnie Lion. Aber nicht nur Theater, sondern auch Film trägt zur Bildung bei. Ein guter Film schafft es, uns die Krisen der heutigen Zeit für einige Stunden vergessen zu lassen oder liefert uns Denkanstöße, regt zum Auseinandersetzen mit kritischen Themen an und eröffnet so neue Perspektiven und Blickwinkel. Deshalb unterstützen wir die pädagogische Filmarbeit, insbesondere das Kino (Abg. Raber (SPD)) 8 1/2 und das Saarländische Filmbüro bei ihrer Arbeit. Die Geschichte des Saarlandes wird uns besonders deutlich, wenn wir mit offenen Augen durch unser Land gehen. Die Industriekultur spielt bei uns eine große Rolle, man stelle sich Völklingen ohne das Weltkulturerbe vor, undenkbar. Um die Industriekultur wach zu halten, wollen wir Traditionen, Brauchtümer und Denkmäler als Orte der Erinnerung und Solidarität bewahren. Beispielhaft kann hier der Rechtsschutzsaal in Bildstock als Ort der bergmännischen Tradition und der Mitbestimmung genannt werden. (Beifall von der SPD.) Aber auch archäologische Denkmäler wollen wir sichern und stärken. Der Mosaikboden der römischen Villa in Nennig zählt zu den bedeutendsten Beispielen für römische Kunst nördlich der Alpen und wird heute von Besuchern aus aller Welt besichtigt. Ein wertvoller Ort, den es zu erhalten, aber auch zwingend aufzuwerten gilt. Letzte Woche berichtete die Saarbrücker Zeitung über die aktuellen Schwierigkeiten in der saarländischen Kulturszene. Man ging davon aus, dass die Menschen sich nach über zwei Jahren Pandemie wieder ins Kulturleben stürzen. Das war weit gefehlt. Stattdessen laufen die Kartenvorverkäufe eher schleppend an. Uns ist bewusst, dass besonders kleine Veranstalter Unterstützung benötigen. Durch ihre Arbeit und ihr Engagement bleibt uns die kulturelle Vielfalt im Saarland erhalten. Mit unserem Haushaltsentwurf richten wir daher den Blick auch ganz besonders auf die freie Szene und wollen freie Theater, PerformancekünstlerInnen, Künstlerkollektive und SchauspielerInnen unterstützen. Gute Lebens- und Arbeitsbedingungen sind Grundvoraussetzung für künstlerisches Schaffen, für Kreativität und damit für eine florierende Kulturlandschaft, meine Damen und Herren. (Beifall von der SPD.) Auch die mannigfaltige Festivallandschaft des Saarlandes prägt unsere Kultur. Große, mittlere, aber auch kleine Festivals bringen den Menschen in unserem Land mehr Lebensqualität, tragen dazu bei, dass das Saarland auch über die Grenzen hinaus wahrgenommen wird, und ziehen zudem viele Besucher an. All das sind Gründe, warum wir etablierte Festivals wie das Filmfestival Max Ophüls, das Festival PERSPEC-TIVES, das Festival LOOSTIK oder die Musikfestspiele Saar sichern wollen. Die Festivallandschaft hat fraglos unter den Folgen der Pandemie gelitten und leidet nun unter den Folgen von Inflation und gestiegenen Energie- und Personalkosten. Um dem entgegenzuwirken, bringen wir 80.000 Euro an zusätzlichen Mitteln in das kommende Haushaltsjahr ein. (Beifall von der SPD.) Meine Damen und Herren, Kultur ist mehr als nice to have. Vielmehr müssen wir sie als Pflichtaufgabe ansehen, denn sie macht das Leben in unserem Bundesland erst attraktiv. Der vorliegende Haushaltsentwurf geht dabei ein gutes Stück beispielhaft voran. Darum bitte ich um Ihre Zustimmung zum Einzelplan 06 und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. - Glück auf. (Beifall von der SPD.)
