Friedrich Josef Dörr
Frau Präsidentin! Liebe Kollegen und Kolleginnen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Das Saarland ist unsere Heimat, Deutschland ist unser Vaterland und Europa ist unser Schicksal. Eben ist bereits gesagt worden, dass Europa unser Schicksal ist, das ist es auch. Jean Monnet ist eben zitiert worden, ob richtig oder falsch kann ich nicht beurteilen. Ich habe seinerzeit ein Buch von ihm gelesen. Es hat mich beeindruckt, dass er sehr dafür eingetreten ist, Institutionen zu gründen. Er hat das mit folgenden Worten begründet: Menschen, die kommen und gehen, müssen sterben, Institutionen können bleiben. - Ich habe mal beobachtet, ob das so stimmt, das ist auch richtig, und habe noch etwas von mir dazu gemacht. Ich war schon in einigen Institutionen, bei denen es um Europa ging, und habe mir angewöhnt zu fragen, wie hoch der Haushalt - der Etat - ist. Wenn es dann hieß, es sind 30.000 Euro im Jahr, dann konnte man schon abwinken, da wird nichts draus. Man muss klotzen statt kleckern! Liebe Kolleginnen und Kollegen, Sie haben sicher mitbekommen, dass ich mich international informiere. So kenne ich mich mit russischen Medien einigermaßen aus. Da ist etwas Erfreuliches, was ich sagen kann; die Russen sind nämlich, was Europa betrifft, schon ein Stück weiter als wir. Wenn sie nach Prag, nach Paris oder Berlin reisen, dann sagen sie nicht, sie fahren nach Tschechien, Frankreich oder Deutschland, sondern sie sagen immer, sie fahren nach Europa und dann kommt die Stadt. Die Sprachen sind verschieden, aber sie fahren nach Europa, das sagen sie immer. Das Bewusstsein, dass man Europäer ist, müsste bei uns auch mehr kommen. Es ist eben sehr viel von deutsch-französischer Freundschaft gesprochen worden. Nach dem Krieg, als von Feindschaft die Rede war, sogar von Erbfeindschaft, war das ein toller Punkt, Freundschaft. Der Freundschaft geht aber die Verständigung voraus, die zwei Bedeutungen hat, dass man sich versteht und miteinander umgehen kann, aber natürlich auch, dass man sich überhaupt versteht, dass man die Sprache des anderen versteht. Noch vor 30, 40 oder 50 Jahren war es eine Selbstverständlichkeit, dass wir uns in diesem Raume mit unseren französischen Nachbarn gut verständigen konnten. Selbst wenn man kein Französisch konnte, konnten die auf jeden Fall Deutsch, gemeinsam war auch die Mundart. Da war von dieser Seite aus schon ein Weg der Verständigung da. Die Franzosen haben aber nach dem Krieg versucht, uns zu französisieren. Das ging natürlich mit Zwang und hat einige Erfolge gebracht, aber nicht die gewünschten Erfolge, die man haben kann, wenn so etwas freiwillig passiert. Die französische Zentralregierung hatte immer das Bestreben, Französisch nach vorne zu bringen. Das kann man verstehen, wenn man weiß, dass noch vor wenigen Jahren nur 70 Prozent der Franzosen französische Muttersprachler waren. Also nach Monnet: „À Sarreguemines, on parle français“ ´in Saargemünd spricht man Französisch`. Das war die Politik, die bis heute so ist, dass man das Französische stark fördert. Wenn im Grenzbereich noch ein Nachbarstaat war, der diese Sprache verwendet, wie zum Beispiel Deutschland und auf der anderen Seite das Elsass, dann war die Politik umso rigoroser, was leider Gottes dazu geführt hat - das können Sie alle feststellen, Sie sind wahrscheinlich öfter im Elsass oder in Lothringen -, dass dort die deutsche Sprache sehr stark zurückgeht, entgegen aller Propaganda. Auch in den Schulen geht sie zurück, inzwischen fehlen auch Lehrer. Die englische Sprache ist, so wie bei uns, auch in Frankreich dominierend. Insofern ist das ein Kampf, der nicht von selbst gewonnen wird, den muss man sehr offensiv führen, für die Mehrsprachigkeit, wie Herr Theis gesagt hat. Man muss aber nicht nur für die Mehrsprachigkeit einstehen, sondern man muss sie auch bei sich selbst anstreben, auch wenn es nur die Zweisprachigkeit ist. Und man muss sie in seiner Familie und dort, wo man tätig ist, anstreben. Das ist nicht so ganz einfach. Wenn das Saarland wirklich zweisprachig wäre, wenn man das schaffen würde, würde das ungeahnte Möglichkeiten ergeben. Ich habe vor längerer Zeit eine Doktorarbeit eines Herrn Levy gelesen, die er vor 100 Jahren geschrieben hat, ein dickes zweibändiges Werk. Er selbst war Straßburger und hat sich mit der Sprachgrenze zwischen Frankreich und Deutschland beschäftigt. Ich bin die Grenze damals abgefahren, er hatte in allem Recht; die Sprache, die Grenze hat sich im Laufe der Jahrhunderte sehr wenig verschoben. Er hat die Zähigkeit der Straßburger, Französisch zu lernen, an der Besucherzahl der Theater dargestellt. Im französischen Theater waren es dann 12 Leute und im deutschen Theater 3.000. (Abg. Dörr (AfD)) Dann hat er auch noch dargestellt, dass die französische Sprache in der deutschen Zeit, weil sich die Elsässer schlecht behandelt gefühlt haben, an Bedeutung gewonnen hat und deshalb nach dem Ersten Weltkrieg eine Elite da war, die französisch gesprochen hat und das Französische transportiert hat. Jetzt kommt das, was ich sagen möchte. In dieser Zeit zwischen den zwei Kriegen, als die Zweisprachigkeit wirklich im Elsass präsent war, haben die Elsässer eine kulturelle Leistung vollbracht, die noch bis heute einmalig ist. Wenn ein französisches Buch herauskam, war es vier Wochen später ins Deutsche übersetzt. Umgekehrt, wenn ein deutsches Buch herauskam, war es vier Wochen später auch ins Französische übersetzt, weil genug Leute da waren, ich sage einmal 2 Millionen. Dann hat man auch für jedes Fach einen Fachmann, der sich auskennt und die beiden Sprachen spricht. So kann man dann, wenn man Franzose ist, wirklich an der deutschen Kultur teilhaben, und wenn man Deutscher ist, an der französischen Kultur. Das wäre eine Sache, die uns vorwärtsbringen würde. Dann sage ich noch Folgendes. Ich will es aber nicht zu lange machen. Wir haben ja hier bis vor Kurzem einen ehemaligen Ministerpräsidenten gehabt, der sich für die deutsch-französische Freundschaft oder Verständigung sehr eingesetzt hat, Oskar Lafontaine. Er hat ja an dieser Stelle noch vor Kurzem diese Union - daran muss man sich gewöhnen - zwischen Deutschland und Frankreich propagiert. Das war die Montanunion, das waren sechs Länder, aber der Kern waren schon damals Deutschland und Frankreich. Wenn man das ins Auge fasst und wirklich ernsthaft betreibt, dann geht die europäische Verständigung vorwärts. Was uns betrifft, dürfen wir eines nicht vergessen und wir von der AfD haben das immer wieder betont: Wir dürfen neben der Freundschaft und Verständigung sowie der Zusammenarbeit mit Frankreich Luxemburg nicht vergessen. Luxemburg ist genauso unser Nachbar wie Frankreich. Luxemburg hat ähnliche Probleme, wie wir sie haben. Luxemburg hat in vieler Hinsicht einen Vorbildcharakter. Ich gebe Ihnen nur noch ein Beispiel. Die Luxemburger haben ja, wie Sie wissen, den öffentlichen Personennahverkehr vor ein paar Monaten kostenlos gemacht. Es ist noch nicht ganz sicher, inwiefern das ein Erfolg ist, ob jetzt die Fahrgastzahlen drastisch steigen und was es am Schluss kostet, aber eines ist schon klar. Ich habe bei „France Culture“ diese Woche einen Bericht gehört, dass Nachbarstädte in Frankreich auch überlegen, den öffentlichen Personennahverkehr kostenlos zu machen, weil der Druck von Luxemburg, von diesem Modell groß ist. Die Leute fahren also für 3 oder 4 Euro an die Grenze und dann sind sie plötzlich in einem großen Bereich, in dem sie im öffentlichen Personennahverkehr kostenlos fahren können, sodass wie gesagt einige französische Grenzstädte jetzt schon so weit sind, dass sie diese Debatte haben und das vielleicht auch einführen. Das wäre etwas, worüber wir vielleicht einmal nachdenken könnten. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Da muss man auch selbst einmal ein bisschen vorwärtsgehen, was Europa betrifft. - Herzlichen Dank. (Beifall von der AfD.)
