Friedrich Josef Dörr
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Ich habe soeben mit Ihnen zusammen zwei für unsere Verhältnisse sehr sachliche und kompetente Vorträge über ein sehr wichtiges Thema gehört. Natürlich ging es nicht ohne Spitzen gegen die jeweils andere Partei. Aber insgesamt war es sehr wohltuend und es ist immer gut, wenn Leute über etwas reden, von dem sie Ahnung haben. (Zuruf des Abgeordneten Conigliaro (SPD).) (Abg. Dörr (AfD)) Natürlich kann ich von meiner Seite aus - das werden Sie verstehen - nicht alles tragen und unterstützen. Ich möchte aber einen Gedanken hier vortragen, der mir wichtig erscheint. Zuerst einmal ist immer die Rede davon, für alle Kinder einen Platz zu finden oder herzustellen. Das ist ein Punkt. Der zweite Punkt ist, die ganze Geschichte für die Eltern kostenlos zu halten. Das Dritte ist, in der Qualität so zu sein, wie es unsere Kinder auch verdienen und wie es notwendig ist. Da werden die Dinge gegeneinander ausgespielt, indem man sagt, die Beitragsfreiheit sei versprochen worden, das müsse man dann auch machen. Aber wie sollen wir die Qualität bezahlen? Solche Dinge sind im Grunde nicht zulässig. Lassen Sie mich hier einen wichtigen Gedank en vortragen. Es werden künstliche Grenzen beim Alter der Kinder gesetzt. Man sagt also, zwischen sechs und sieben Jahren ist das Kind schulfähig. Früher hat man Tests gemacht. Ob man es heute noch macht, weiß ich gar nicht. Man hat die Kinder mit der Hand über den Kopf fassen lassen. Wenn sie das Ohrläppchen fassen konnten, waren sie schulpflichtig und solche Dinge. Dann gab es nachher Tests. Ich habe auch schon einmal ein Kind nachgetestet. Es hat später das Abitur mit einer Eins gemacht. Er sollte nicht schulreif sein. Es gibt und es gab das alles. Im Grunde ist das alles Unfug, weil das Kind ein Kind ist von der Geburt an, bis es erwachsen ist. Da gibt es keine Abschnitte. Das sind alles von Wissenschaftlern zum Teil künstlich herbeigeführte umstrittene Einschnitte. Diese sind zu verschiedenen Zeiten in der Geschichte verschieden gewesen. Wir haben es jetzt mit Kindern zu tun, die nicht schulpflichtig sind, also mit Vorschulkindern. Sie haben wie gesagt die gleichen Rechte wie Schulkinder. Deshalb müsste es für uns ganz selbstverständlich sein, dass wir für diese Kinder auch dieselben Voraussetzungen schaffen. Wie ist das für ein Kind, das acht Jahre alt ist, sage ich einmal, das irgendwo in einer Klasse ist? Es hat selbstverständlich einen Platz, sitzt in einem Schulsaal, hat eine Lehrperson, die entsprechend ausgebildet ist, und bezahlt natürlich keinen Pfennig für diese Ausbildung. Das ist eine Selbstverständlichkeit seit Jahrzehnten, um nicht zu sagen seit Jahrhunderten. Weil wir kein Geld hatten oder nicht bereit waren, für diese Kinder Geld auszugeben, oder weil wir überhaupt nicht erkannt haben, wie wichtig die frühkindliche Erziehung ist, haben wir eben für Kindergärten auch Geld genommen mit Abschlägen für das zweite und dritte Kind und so weiter und so fort. Wir haben uns an den Zustand, der jetzt herrscht, gewöhnt und meinen, das müsste eigentlich so sein. Das muss und darf aber überhaupt nicht sein! Ich gebe Ihnen einmal ein Beispiel, was das Zeitfenster für Kinder bedeutet. Ich habe im A uftrag der saarländischen Regierung vor 50 Jahren zwei Zigeunerfamilien alphabetisiert. Das waren Kinder von 6 bis 16 Jahren. Ich habe das ein Jahr lang gemacht und das Ergebnis nach einem Jahr, obwohl ich es eigentlich von der Entwicklungspsychologie her gewusst habe - man weiß es und glaubt es doch nicht so richtig, ich habe es ganz deutlich gesehen -, das Kind von 6 Jahren hat nach einem Jahr fließend gelesen und das Kind von 16 Jahren hatte immer noch sehr große Schwierigkeiten, die Buchstaben zusammenzufinden. Es gibt zum Beispiel für das Lesenlernen ein bestimmtes Zeitfenster. Wenn man das verpasst hat, wird es ungleich schwieriger, nachher einem Kind dasselbe beizubringen. Dasselbe gilt nicht nur für die Wissensvermittlung, sondern auch für die Erziehung. Deshalb sind die Erziehung und Wissensvermittlung und Könnensvermittlung in der Zeit vor der Einschulung von fundamentaler Wichtigkeit. Aus diesem Grund - egal, was man macht - muss man dieses Ziel ganz klar vor Augen haben: kostenlos, ein Platz für alle mit bester Ausbildung. Dann sind alle Dinge, die zu diesem Ziel führen, in Ordnung. Je schneller, umso besser. Noch ein Wort zur Ausbildung für die Lehrer oder Erzieher. Ich habe schon einmal hier vorgetragen, dass es ganz gut wäre - ich finde es sogar notwendig -, wenn in der Grundschule ausgebildete Sonderschullehrer tätig wären, auch wenn es nur einige wenige in jeder Schule sind, von denen man sich beraten lassen kann. Deshalb würde ich es umgekehrt oder analog auch für gut finden, wenn außer den Erziehern auch Lehrerinnen im Vorschulbereich tätig wären, wie das in Frankreich eine Selbstverständlichkeit ist. Das heißt also, je besser die Leute ausgebildet sind, umso bessere Ergebnisse erzielen sie und umso zufriedener sind sie selbst und ihre Kunden - das sind die Eltern und die Kinder und das Land natürlich auch. Mein Plädoyer ist, das Beste für unsere Kinder. - Danke schön. (Beifall von der AfD.)
