Martina Holzner
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Aber vor allem liebe Fachkräfte in den Kitas! Ich freue mich, dass wir heute über unsere Kindertageseinrichtungen sprechen, denn ich habe selbst viele Jahre lang in den verschiedensten Bereichen und Positionen im Vorschulbereich gearbeitet. Ja, viele Jahre passierte wenig in den Kitas. Erstmals wieder gute Nachrichten gab es mit dem Gute-Kita-Gesetz. Es gab Verbesserungen in unseren Kindertageseinrichtungen, und zwar viele. Und das ist gut so. (Beifall von der SPD.) Was sich getan hat in unseren Kitas? Viel. Die Erhöhung der Leitungsfreistellung, die Beitragsreduzierung, PiA, ich könnte so weitermachen, aber mir ist es heute wichtig, den Blick vertieft auf die Fakten zu richten. Die Veränderung der Rahmenbedingungen in den Kitas ist sicherlich nicht ausschließlich auf die Pandemie zurückzuführen. Sicherlich gibt es wie in vielen anderen Bereichen auch durch Corona mehr Ausfälle und natürlich auch mehr Maßnahmen. Auch sehr schwierig war die Aufnahme der Kinder, die im Lockdown ausschließlich zu Hause waren und nicht die Möglichkeit hatten, in soziale Kontakte mit anderen zu treten. Aber die Grundlage dessen, was sich in Kitas verändert hat, hängt vielmehr auch mit veränderten Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Herausforderungen zusammen. Familie hat sich in den letzten Jahren verändert, Kitas haben sich den letzten Jahren verändert. Und auch der Anspruch an und in den Kitas hat sicherlich einen Veränderungsprozess erfahren. Unsere Kitas sind Bildungseinrichtungen, und frühkindliche Bildung muss und sollte einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft haben. (Beifall von der SPD.) Wichtig ist aber auch: Das pädagogische Personal in den Einrichtungen braucht Wertschätzung - Wertschätzung seiner Arbeit, denn unsere Kitas sind schon lange keine Aufbewahrungsstätten mehr. Und auch wenn sicherlich nicht alles optimal läuft, leisten unsere Einrichtungen sehr gute Arbeit. Daher möchte ich auch eindringlich davor warnen, von Kindeswohlgefährdung in Zu- (Abg. Holzner (SPD)) sammenhang mit der Bildung, Erziehung und Betreuung in den Kitas zu sprechen. Das spiegelt einen Eindruck, der sicherlich nicht der Realität entspricht! (Beifall von der SPD.) Wertschätzung und die Weiterentwicklung der frühkindlichen Bildungspädagogik, das sind die Ziele der saarländischen Landesregierung. Auch deshalb wurde in der letzten Legislaturperiode die Novellierung des Saarländischen Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsgesetzes vorgenommen. Mit diesem Gesetz wurden neue Voraussetzungen geschaffen, um die Zukunft in den Einrichtungen zu gestalten, um allen Kindern beste Chancen zu bieten. Das ist und muss der weitere Weg bleiben. (Beifall von der SPD.) Beitragsfreie Kitas, der Ausbau des Platzangebots und die Verbesserung der Qualität, das alles kann nur gelingen, wenn wir ausreichend viele Fachkräfte ausbilden, denn nur so werden wir in den nächsten Jahren weitere Verbesserungen wie zum Beispiel die Anhebung des Personalschlüssels tatsächlich umsetzen können. Die Praxisintegrierte Ausbildung als Erzieher*in, PiA, ist ein Meilenstein; es wurden und werden nicht nur neue Fachschulstandorte sowie Standorte von Berufsfachschulen geplant, um noch mehr Personen für die Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin/zum staatlich anerkannten Erzieher sowie Kinderpfleger*innen gewinnen zu können, sondern es wurden weitere Ausbildungsformate geschaffen, um eine noch größere Zielgruppe zu erreichen. Durch das im April 2022 in Kraft getretene SBEBG wurde die Möglichkeit geschaffen, auch kurzfristig und an den verschiedenen Bedarfen in den Kitas orientiert multiprofessionelle Teams zu bilden. So kann vor Ort noch besser auf Bedarfe reagiert werden. Doch nicht nur das, mit dem SBEBG wird auch großer Wert auf die Fachkräftegewinnung gelegt, indem durch die Freistellung der Praxisanleitung die nötige Zeit zur Betreuung in den Praxisphasen gewährt wird. Das Saarland schafft also seit einigen Jahren die notwendigen und unumgänglichen Grundlagen, um weitere Maßnahmen umsetzen zu können. Wir wollen der Arbeit und den Fachkräften in den Einrichtungen einen noch höheren Stellenwert geben. Das Fundament muss aber stimmen, um die Herausforderungen in der Zukunft bewältigen zu können. (Beifall von der SPD.) Es reicht nicht, den Mangel an Fachkräften permanent zu benennen und ihn dadurch noch zu erhöhen, dass man einfach mehr Fachkräfte fordert. Wir haben es bereits getan und werden auch in Zukunft, wie eben benannt, sowohl das Ausbilden als auch die Ausbildung attraktiver machen, um mehr Menschen für die wertvolle Arbeit in unseren Einrichtungen zu gewinnen. Deshalb war es richtig und wichtig, was mit dem SBEBG bereits umgesetzt worden ist: Hauswirtschaftskräfte und Fachkräfte in der Ausbildung werden außerhalb des Personalschlüssels berücksichtigt. Den Fachkräften werden zu ihrer unmittelbaren pädagogischen Arbeit, die 75 Prozent des täglichen Gesamtumfangs der Arbeit ausmacht, weitere 25 Prozent als Verfügungszeit zur Verfügung gestellt. Diese Arbeiten und diese Zeiten zur Dokumentation oder zum Führen von Elterngesprächen brauchen die Kitas für ihre Qualität. Durch das SBEBG werden sowohl die ausbildenden Fachkräfte selbst durch die Freistellung der Praxisanleitung zeitlich entlastet als auch die Träger, die ausbilden möchten. Diese Zeit sollte nicht von der Arbeit mit den Kindern abgehen. Auch das ist Qualität in unseren Kindertageseinrichtungen. Abschlüsse von unseren französischen Fachkräften werden nun endlich anerkannt. Das ist ein wichtiger Aspekt, weil die einfachsten Dinge bisher in der Praxis oft an administrativen Hürden scheiterten. Es gibt eine Entlastung der Leitung durch mehr Freistellung und die Möglichkeit, auch Tätigkeiten an Verwaltungskräfte abzugeben. Was in unseren Schulen bereits umgesetzt wird, werden wir nun auch in unseren Kitas verankern. Mit dem Einstieg in das multiprofessionelle Arbeiten auch in den Kitas ist der Grundstein für mehr Qualität und mehr pädagogische Fördermöglichkeiten gelegt. Die Anerkennung weiterer Professionen als Fachkraft und die Ausweitung der anerkannten Fachkräfte bietet also sehr kurzfristig eine Möglichkeit, dem Problem des ansteigenden Fachkräftemangels zu begegnen und eine professionsübergreifende Zusammenarbeit in den Einrichtungen bis hin zur Realisierung von multiprofessionellen Teams zu ermöglichen. (Beifall von der SPD.) Perspektivisch sollen die Einrichtungen zu Familienz entren weiterentwickelt werden, damit Angebote noch besser vernetzt werden können. Sie sehen also, es bedarf keines neuen Konzeptes zur Entlastung des Personals von fachfremden Aufgaben, sondern es bedarf der weiteren Umsetzung der möglichen Konzepte, die im SBEBG verankert sind. Dahin sollte die Beratung der Träger intensiviert werden, die diese Konzepte umsetzen müssen. Die Inklusion in den Einrichtungen braucht auch eine Weiterentwicklung. Deshalb freue ich mich, dass das Landesjugendamt wieder zurück im Bildungsministerium ist. Wichtig ist nun, dass auch gemeinsam mit dem Träger der Eingliederungshilfe im Sozialministerium neue Schritte gegangen werden. Ich nenne hier nur Pool-Lö- (Abg. Holzner (SPD)) sungen für die Afi-Kräfte, die sicherlich an vielen Stellen sehr pr aktikabel wären. Kolleginnen und Kollegen, wir haben mit diesem Gesetz eine gute Grundlage für die Anforderungen der Zukunft geschaffen. Wir wollen unseren Dreiklang weiterführen: Erstens wollen wir weiter die Elternbeiträge senken, bis hin zur Beitragsfreiheit. Kolleginnen und Kollegen der CDU, wenn Sie jetzt kommen und sagen, alles Geld muss in die Qualität, dann frage ich mich wirklich, wie Sie die Beitragsfreiheit finanziert hätten, die Sie im Wahlkampf auch gefordert haben. (Beifall von der SPD. - Zurufe des Abgeord- neten Wagner (CDU).) Zweitens werden wir am Kita-Ausbau weiterarbeiten, und das nicht nur mit Bundes- und Landesmitteln, sondern auch mit einer Beratungsoffensive zum Kita-Ausbau. Die von den Jugendämtern abgestimmte Entwicklungsplanung sieht vor, dass im Saarland bis Ende 2023 landesweit rund 1.400 weitere Krippenplätze entstehen sollen, das wären circa 34 Prozent mehr. Für die über dreijährigen Kinder sind circa 3.500 neue Kindergartenplätz e geplant. Das sind insgesamt rund 5.000 neue Plätze. Diese Zahlen wird man im Blick haben müssen, da es sicherlich einen steigenden Platzbedarf auch für Kinder unter drei Jahren geben wird. Wir wollen auch hier den Blick weiten und die wichtige Säule der Kindertagespflege weiterentwickeln. Drittens werden wir die Qualität unserer Kitas v erbessern, für mehr Zeit, für eine bessere pädagogische Betreuung und um dem Fachkräftemangel verstärkt entgegenzutreten. Viertens werden wir uns auf Bundesebene weiter für unsere Sprach-Kitas einsetzen. Das haben sowohl die Bildungsministerin als auch die Ministerpräsidentin bereits in Berlin getan. Das Konzept der Sprach-Kitas beinhaltet nämlich nicht nur die alltagsintegrierte Förderung der Kinder in den Kitas, sondern bezieht auch die Eltern mit ein und bietet Fortbildungsmöglichkeiten im Alltag des pädagogischen Personals an. Kolleginnen und Kollegen, das ist ein anderer Ansatz als beim Programm „Früh Deutsch lernen“, in dem Kinder in separaten Gruppen gefördert werden und Eltern sie im Laufe des Vormittags noch oft zu einer anderen Örtlichkeit bringen mussten. (Zuruf der Abgeordneten Schmitt- Lang (CDU).) Sprache und Sprachförderung in den Alltag der Kinder zu integrieren, ist ein deutlich besseres Konzept, das zeigen die Sprach-Kitas. (Erneuter Zuruf der Abgeordneten Schmitt- Lang (CDU).) Deshalb müssen unserer Meinung nach die Gelder dafür weiterhin bereitgestellt werden. (Beifall von der SPD.) Als letzten Punkt möchte ich auf die Forderung an die Landesregierung eingehen, sich bei der Kultusministerkonferenz einzusetzen, dass Auszubildende im Erzieherberuf ebenfalls eine Prüfungsleistung in ihrer Muttersprache absolvieren können. Würden wir diese anbieten, wären die Abschlüsse aber nicht weiter KMK-konform, da auf Bundesebene Einigkeit besteht, dass genau dies bei der Aufstiegsfortbildung auf dem Qualitätsniveau DQR 6 nicht der Fall sein darf. (Anhaltende Zurufe der Abgeordneten Schmitt-Lang (CDU).) Würde die KMK das umsetzen, müsste auch mit allen Abnehmern vereinbart werden, nicht nur mit den Arbeitgebern, sondern zum Beispiel auch mit allen Hochschulen, dass eine Anerkennung stattfindet. (Zuruf der Abgeordneten Schmitt- Lang (CDU).) Auch diese Forderung hört sich zunächst gut an, würde sich aber bei der Umsetzung genau ins Gegenteil entwickeln, nämlich zu sinkender Qualität und dazu, dass die Abschlüsse der Absolventen bundesweit im Ausland nicht mehr vergleichbar sind und nicht mehr anerkannt werden. Wir als SPD-Fraktion stehen an der Seite unserer Fachkräfte in den Kitas und in der Kindertagespflege. Wir werden die wichtige und wertvolle Arbeit, die dort geleistet wird, herausstellen und weiterentwickeln. Deshalb lehnen wir den CDU-Antrag ab und bitten um Zustimmung zu unserem Antrag. - Vielen Dank. (Beifall von der SPD-Fraktion.)
