Jutta Schmitt-Lang
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor einigen wenigen Wochen haben sich die Leitungen von 14 Kindertagesstätten aus dem Saarpfalz-Kreis in einem Brandbrief an die Ministerin und die Öffentlichkeit gewandt. Sie sprachen mit dem, was sie dort kundgetan haben, vielen anderen Kita-Fachkräften im ganzen Saarland aus der Seele. Ein Aufschrei der Fachkräfte, verzweifelt einerseits, weil sie sich vergessen fühlen, aber auch bereit für den Beruf, den sie lieben, und für die Kinder, denen sie sich verpflichtet fühlen, zu kämpfen. Sie beschreiben darin ihren Alltag - geprägt von Überlastungssituationen -, der darin besteht, Löcher zu stopfen, Mädchen für alles zu sein und gleichzeitig immer öfter fehlendes Personal zu kompensieren, sei es, weil Stellen gar nicht besetzt werden können oder weil sich Krankheitsausfälle häufen. Die Rückmeldungen aus den Kitas und vom Kita-Fachkräfteverband sind eindeutig. Den Erzieherinnen und Erziehern fehlt es trotz aller Dinge, die in der Vergangenheit auf den Weg gebracht wurden, an Zeit - Zeit fürs Kind. Deshalb ist die Diskussion darüber, wie viel Qualität wir in unseren Kitas brauchen, mitnichten unnötig, Herr Dörr, sondern ganz enorm wichtig. (Beifall von der CDU.) Denn hier ist nicht nur - und das alleine würde schon reichen - eine qualitätsvolle Bildungsarbeit in Gefahr. Hier geht es ans Eingemachte. In einigen Einrichtungen wurden und werden die Betreuungszeiten seit Längerem über die Öffnungszeiten begrenzt. Was das für berufstätige Familien bedeutet, die auf die verlässliche Betreuung ihrer Kinder angewiesen sind und in Corona-Zeiten bereits alle Spielräume ausgenutzt haben, kann sich hoffentlich jeder hier vorstellen. Diese Familien freuen sich vielleicht über ein Blumentöpfchen, das man ihnen freudestrahlend morgens an der Kita-Tür überreicht. Sie brauchen aber die Sicherheit, dass die Kita mittags, wenn sie ihr Kind abholen wollen, überhaupt noch geöffnet ist. Wenn die Qualität nicht stimmt, ist das für Eltern ein zusätzliches Problem. Wir müssen uns aber vor allen Dingen darüber Gedanken machen, dass im Moment nicht einmal der Bedarf gedeckt werden kann. Sie haben vorhin gesagt, liebe Kollegin, wer nicht an dem Angebot teilhaben könne, dem nütze die Qualität nichts. Richtig! Wenn die Kita mittags zu ist, dann hat niemand etwas davon. Wir müssen dieses Problem anpacken. Deshalb haben sich auch Eltern in Reaktion auf den genannten Brandbrief an die Öffentlichkeit gewandt und sich mit drastischen Worten hinter die Forderung der ErzieherInnen gestellt. Da schon die Betreuung im Argen läge, könne von Qualität kaum die Rede sein, stellen sie klar. - Ein Aufschrei der Eltern. Dass dieser Kita-Kollaps, der hier beschrieben wird, kein subjektives Empfinden ist, haben in der letzten Woche mehr als 150 Forscherinnen und Forscher aus dem Bereich der frühkindlichen Bildung klargemacht. Mit einem dringenden Appell haben sie die verantwortlichen Bundes- und Landesministerien angeschrieben. Sie fordern lautstark Investitionen in die Kita-Qualität, sonst drohe die Gefahr, dass die Kindertageseinrichtungen von Lern- und Lebensorten für Kinder und Familien wieder zu reinen Aufbewahrungsstätten werden. - Ein Aufschrei der Wissenschaft. Dass der Bund in dieser Situation das Programm der Sprach-Kitas einstellen will und die Kitas nun auch noch mit dem ständig steigenden Bedarf nach Sprachförderung im Regen stehen lässt, ist ein fatales Signal. Die Sprach-Kitas müssen bleiben! (Abg. Schmitt-Lang (CDU)) (Beifall von der CDU.) Es kann, ja, es darf keinen Zweifel daran geben: Wir brauchen dringend mehr Investitionen in die Kita-Qualität insgesamt. Das angekündigte Kita-Qualitätsgesetz muss seinem Namen gerecht werden. Dafür muss die saarländische Landesregierung in Berlin kämpfen. Kleinere Gruppen in den Kitas, Entlastungen der Kita-Leitungen und eine Erzieherfeuerwehr, die verhindert, dass Mütter und Väter morgens vor der verschlossenen Kita-Tür stehen, wenn die Erzieherin erkrankt ist, und das der letzte Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen brachte. Das sind wesentliche Stellschrauben, die wir anpacken müssen. Ein Erhalt der Sprach-Kitas ist eine Schraube, die wir anpacken müssen. Dabei müssen wir auch neue Wege gehen. Die Erzieher aus der Praxis und die Wissenschaft sind nicht blind für den Fachkräftemangel. Sie fordern zu Recht Möglichkeiten, die Kita-Fachkräfte durch Assistenz- und Verwaltungskräfte zu entlasten, und mehr Zeit für ihre Berufung, mehr Zeit für die Arbeit an unseren Kindern. Ich habe dem SZ-Artikel, der online gegangen ist, entnommen, Frau Ministerin, dass Sie den Blick nach Berlin richten und appellieren, die Sprach-Kitas weiter zu stärken. Wir haben heute Morgen vom Kollegen Commerçon gehört, dass wir selbst bereit sein müssen, aktiv zu werden, und nicht nur nach Berlin zu schauen. Recht haben Sie! Deshalb müssen wir im saarländischen Haushalt auch Gelder sehen und die Kita-Qualität zu einem Schwerpunkt machen. Zum Antrag der AfD-Fraktion kann ich nur sagen: Wir wollen keinen weiteren Prüfauftrag. Wir fordern, dass die Landesregierung die Kita-Qualität zu einem Schwerpunkt im Haushalt macht und die Baustellen in unseren Kindertagesstätten anpackt. Daran, meine sehr geehrten Damen und Herren, werden wir Sie messen. - Vielen Dank. (Beifall von der CDU.)
