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Julia Harenz

SPD 13.07.2022 Sitzungen 17/5

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mit diesem Gesetz gehen wir einen weiteren wichtigen Schritt hin zu unserem Ziel: beste Bildung für alle Kinder von Anfang an. Den Eindruck der Oppositionsfraktionen, dass dieser Gesetzesentwurf eine Schwächung der Schule darstelle, hat keine und keiner der Anzuhörenden geteilt. Immer wieder wird von „Haupt- und Nebenakteuren“ gesprochen. Aber diese implizite Hierarchie ist keine gute Grundlage für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Schulsozialarbeit, das meint keine Hilfskraft, die den „Facharbeitern“ zuarbeiten soll. Nein, das ist eine eigenständige Profession mit eigenen Schwerpunkten und mit eigenen Tools. Lehrkräfte sowie Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen haben alle das gleiche Ziel: die bestmögliche individuelle Förderung unserer Kinder. (Beifall von der SPD.) Dieser Gesetzesentwurf unterstützt die Akteure bei der Erreichung dieses Ziels. Wenn man sagen möchte, dass wir mit diesem Gesetzesentwurf Akteure besonders in den Fokus nehmen, so sind es doch die wahren Hauptakteure in der Schule: die Schülerinnen und Schüler, unsere Kinder. (Beifall von der SPD.) Wie wir mithilfe dieses Gesetzes unsere Kinder in den Fokus stellen, lässt sich anhand eines Beispiels gut veranschaulichen: Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen haben in ihrer Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern andere Schwerpunkte als Lehrkräfte, insoweit sind wir uns ja einig. Sie haben demnach aber auch eine andere Perspektive auf das Handeln und auf das Verhalten der Kinder. Indem wir nun durch unser Gesetz den Lehrkräften und der Schulsozialarbeit ermöglichen, sich den Herausforderungen gemeinsam zu stellen, können unsere Kinder künftig auch ganzheitlich betrachtet werden. Zum Beispiel konnte bisher bei familiären Problemen einzelner Kinder die Schulsozialarbeit beratend hinzugezogen werden. Da Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter in solchen Fällen in der Regel im engen Kontakt und Austausch mit diesen Kindern stehen, ist es sinnvoll, die Schulsozialarbeit künftig auch wirklich aktiv in diese Problemlösung mit einzubeziehen. Es geht also auch gar nicht um die Notenvergabe oder um den Aufbau des Unterrichts, wie eben angesprochen wurde - wir wollen eine aktive, eine gemeinsame Arbeit an den Problemen der Schülerinnen und Schüler. Die unterschiedlichen Blickwinkel der verschiedenen Professionen ermöglichen dabei die ganzheitliche Betrachtung unserer Kinder. Lehrerinnen und Lehrer arbeiten somit gemeinsam auf Augenhöhe mit der Schulsozialarbeit an der besten Lösung für solche und auch für andere Probleme. Diese echte Mitbestimmung der Schulsozialarbeit ermöglicht die notwendige ganzheitliche Betrachtung unserer Kinder, auf die ich eben schon eingegangen bin. Denn nur so kann jedes Kind bestmöglich individuell gefördert werden. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sind uns hier im Parlament doch einig darüber, dass sich die Lebenswelt unserer Kinder verändert hat. Dann müssen wir auch endlich alle anerkennen, dass sich unsere Kinder nur dann bestmöglich entwickeln können, wenn Schulsozialarbeit angemessen in den Schulalltag eingebunden wird. Das meint eben mehr als nur einmal kurz zu beraten. (Beifall von der SPD.) Nach Verabschiedung dieses Gesetzes dürfen Lehrkräfte endlich gleichberechtigt mit der Schulsozialarbeit zusammenarbeiten. Ich weiß gar nicht mehr, von wie vielen Lehrkräften ich bereits darauf angesprochen wurde, dass dieses Gesetz, das wir jetzt verabschieden wollen, längst überfällig sei. Lehrkräfte und Schulsozialarbeit, sie wollen zusammenarbeiten! Lasst uns ihnen diese Zusammenarbeit mithilfe unseres Gesetzes erleichtern! (Abg. Harenz (SPD)) Eine Politik, die immer nur Ängste schürt, war in der Vergangenheit seltenst ein guter Ratgeber. Zu behaupten, dass die Schullandschaft von diesem Gesetz überfordert würde oder Lehrkräfte gar damit überrumpelt würden, entspricht schlicht nicht der Realität. Weder in den Stellungnahmen anlässlich der Anhörung noch in unserer im vergangenen Jahr angelegten Dialogveranstaltung „Unsere Schule. Meine Welt“ noch in den vielen kleinen Gesprächen mit einzelnen Lehrkräften oder auch mit Verbänden kam diese Sorge zur Sprache. Ängste zu schüren, indem man solche Behauptungen aufstellt, hilft niemandem - weder den Schulen noch den Schülerinnen und Schülern noch den Lehrkräften. (Beifall von der SPD.) Vor allem ist das aber doch auch alles andere als wertschätzend gegenüber der Schulsozialarbeit. Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeitern wird damit nicht nur ein Stück ihrer Kompetenz abgesprochen, sie werden zudem in eine falsche Ecke gedrängt. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir müssen die Veränderungen in unserer Gesellschaft anerkennen und für neue Probleme und Herausforderungen auch neue Lösungen finden. Wir müssen den vielfältigen Anforderungen von Schule gerecht werden. Wir müssen Rechtssicherheit schaffen. Und wir müssen endlich auch einmal das anerkennen, was bereits gelebte Praxis und Realität ist. In diesem Zusammenhang kann man ruhig noch einmal erwähnen, dass es vor allem die Lehrerinnen und Lehrer sind, die sich wünschen, die Schulsozialarbeit stärker einzubeziehen. Schule ist ein sozialer Lern- und Lebensort. Schule ist multiprofessionell. Schulen sind mitbestimmt. Liebe Kolleginnen und Kollegen, in den kommenden Monaten und Jahren werden wir die weiteren Veränderungen in unserer Gesellschaft und die Herausforderungen ganz genau beobachten. Vor allem werden wir beobachten, wie sich das Gesetz auf die Schullandschaft, die Lehrkräfte, die multiprofessionellen Teams und die Zusammenarbeit auswirkt. Lassen Sie uns dies gemeinsam tun - für unsere Schulen, für die Zukunft unserer Kinder und somit für die Zukunft unseres Landes. - Glück auf! (Beifall von der SPD.)

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