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Damhat Sisamci

SPD 23.06.2022 Sitzungen 17/4

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Auch wenn ich heute Geburtstag habe, ist mir alles andere als zum Feiern zumute. Es ist mir zwar eine Ehre, heute meine erste Rede im saarländischen Landtag halten zu dürfen, trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass es einen anderen Anlass gäbe. Ich bin wütend. Viele meiner Verwandten, Freundinnen und Freunde arbeiten bei Ford. - Nein, sie leben Ford! Gestern wurde das erste Mal offiziell verkündet, dass kein E-Auto in Saarlouis produziert wird. Das Bieterverfahren hätte ergeben, dass Valencia den Zuschlag bekommt. Eine Lüge, liebe Kolleginnen und Kollegen! (Beifall von der SPD.) Wir wissen, dass das Angebot vom Betriebsrat, der IG Metall und der Landesregierung deutlich besser war. Hier ging es nie um Zahlen. Das war eine Inszenierung, ja gar ein Märchen, das Rowley und das Ford-Management aufgeführt haben. Selbst die Gebrüder Grimm hätten kein besseres Märchen schreiben können. Der Europa-Chef Rowley lässt durch die Presse verlauten, der Prozess sei offen und transparent gewesen. Wenn dem so wäre, warum hat man nicht zugelassen, dass ein unabhängiges Institut die Zahlen berechnet? Warum durfte man denn nicht die Zahlen sichten? Es gibt nur eine Antwort darauf: Die Entscheidung war klar, bevor der Prozess startete! (Beifall von der SPD.) Die Frage, die ich mir seit gestern stelle, ist folgende: Wenn die Entscheidung zugunsten von Saarlouis gefallen wäre und somit in Europa nur noch in Deutschland Autos hergestellt worden wären, wofür bräuchte man dann noch den Europa-Chef Rowley? Einen Deutschland-Chef gibt es ja bereits. Das ist so, als wenn man den Schneemännern die Entscheidung lässt, wann der Frühling kommen soll. Seit 2011 bin ich IG-Metaller, seit 2018 Betriebsrat. Ich weiß, wie schwer es ist, Verhandlungen zur Beschäftigungssicherung und zur Standortsicherung zu führen, was für ein schmaler Grat es ist, Zugeständnisse zu machen, um die Zukunftsfähigkeit eines Standortes zu gewährleisten und sich gleichzeitig nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen, so wie Markus Thal und Holger Michel stellvertretend für den Betriebsrat und Lars Desgranges von der IG Metall, die das bei Ford wirklich exzellent und im Schulterschluss mit den Kolleginnen und Kollegen von Ford Köln gemacht haben. Ich weiß, wie schwierig ist, wenn man immer und immer wieder Provokationen des Managements ausgesetzt ist und wenn in Verhandlungen mit Schließungen und Entlassungen gedroht (Abg. Sisamci (SPD)) wird. Als Betriebsrat weiß ich jedoch auch, wer einmal in die Augen einer Kollegin oder eines Kollegen geschaut hat, dem man sagen musste, das war‘s, das Arbeitsverhältnis ist beendet, der kämpft mit allem, was es gibt, für den Erhalt des Standortes. Genau das war die Strategie des Betriebsrates der IG Metall und unseres Landes. (Beifall von der SPD.) Wenn wir von 4.600 Beschäftigten bei Ford und von 1.300 Beschäftigten im Supplier Park reden, dann sind das nicht einfach Zahlen auf weißem Papier. Das sind knapp 6.000 Einzelschicksale. Wir reden von Peter, der 55 Jahre alt ist und Angst hat, nicht bei Ford in Rente gehen zu können, trotz 35 Jahren Betriebszugehörigkeit. Wir reden von Sandra, die 25 ist und noch ihr ganzes Berufsleben vor sich hat. Wir reden von Lars, der 40 ist, den Lebensunterhalt für seine Kinder und seine Frau bei Ford verdient und noch 20 Jahre hat, bis sein Haus abbezahlt ist. Und noch 5.887 weitere Schicksale. Es sind Kolleginnen und Kollegen, die immer alles für Ford gegeben haben, Kolleginnen und Kollegen, die da waren, wenn Ford sie gebraucht hat, ob früh oder Mittag oder bis vor Kurzem auf der Nachtschicht. Liebe Kolleginnen und Kollegen von Ford und dem Supplier Park, euch trifft keine Schuld. Die Schuldigen sind diejenigen, die den Wandel verschlafen haben, dafür sehr gut bezahlt wurden und euch als Dankeschön wie Vieh gegeneinander ausgespielt haben. Das ist eine Frechheit! (Beifall von der SPD.) Aber um es mit den Worten von Jörg Köhlinger zu sagen: Nehmen wir das gestern nicht als Niederlage, sondern als Kampfansage. Wer mit dem Brot von 6.000 Saarländerinnen und Saarländer spielt, der sollte wissen, er bekommt die Antwort, die er verdient hat, von allen Saarländerinnen und Saarländern! (Beifall von der SPD.) Der Schlag ins Gesicht durch das Ford-Management war gestern so hart, dass es für die Beschäftigten egal ist, ob die Zukunft mit oder ohne Ford stattfindet. Ja, es geht hier auch um mehr. Es geht darum, dass sich große Unternehmen als Geschäftsstrategie zurechtgelegt haben, Standorte gegeneinander auszuspielen, Menschen gegeneinander auszuspielen. Das ist menschenverachtend und hat mit Sozialpartnerschaft gar nichts zu tun. (Anhaltender Beifall von der SPD.) Überall sind es Betriebsräte, die bei dem notwendigen Strukturwandel an die Beschäftigten denken und nicht nach 5 oder 10 Jahren den nächsten Managementjob annehmen. Deren Rechte gilt es zu stärken, damit so etwas nicht noch einmal passiert. Tage wie gestern lassen einen verstehen, dass Menschen sagen: „Die da oben interessieren sich eh nicht für uns.“ Aber wenn man dann Anke Rehlinger sieht, die für die Saarländerinnen und Saarländer da ist und für jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpft, dann merkt man, hier ist jemand, dem die Beschäftigten im Saarland vertrauen. Vielen Dank, Frau Ministerpräsidentin! (Beifall von der SPD.) Bei uns im Saarland gibt es eben nicht die da oben, sondern die aus unserer Mitte, die gemeinsam mit uns kämpfen. - Vielen Dank! Glückauf! (Beifall von der SPD.)

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