Friedrich Josef Dörr
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Liebe Beschäftigte der Ford-Werke! Ich habe 23 Jahre in Saarlouis gearbeitet. Ich kenne viele von Ihnen und manche von Ihnen werden auch mich kennen. Vor allem gibt es einen sympathischen Begriff, den ich gelernt habe, die Saarlouiser adeln die Beschäftigten des Ford-Werkes mit dem Titel „Ford-Arbeiter“. Das ist ein Adelstitel in Saarlouis. Wir von der AfD-Fraktion - ein Mitglied von uns ist auch ehemaliger Ford-Arbeiter - tragen Ihre Sorgen im Herzen. Gestern war kein Tag der Entscheidung. Gestern war ein Tag der Verkündung einer Entscheidung an die Betriebsmitglieder von Ford. Viele haben vorher schon geahnt oder gewusst, wie diese Entscheidung aussieht. Die Spanier konnten im Radio um 10.00 Uhr schon die Siegesmeldung von Valencia hören, während wir hier noch diskutiert haben. Es war ein langer Prozess, in dessen Verlauf wir leider feststellen mussten, dass die Entscheidung wahrscheinlich früh gefallen ist - Wegfall der Nachtschicht in Saarlouis, Kurzarbeit, Entlassung von Arbeitern, Investitionen in Köln, Investitionsversprechen in Valencia und so weiter. Man hatte das Gefühl, zuerst wartet man noch die Bundestagswahl ab und vielleicht auch noch die Landtagswahl, bis dann die böse Nachricht kommt. Und die ist gestern gekommen. Erfolge haben viele Väter, Misserfolge sind Waisenkinder. Das gilt auch hier. Es ist ein Misserfolg. Wer ist daran schuld? Meine Vorredner haben das Management von Ford als Schuldigen ausfindig gemacht. Ich bin nicht dieser Ansicht. Das mag unpopulär sein. Das Ford-Werk ist ein Unternehmen, das nach Gewinn strebt und ohne Rücksicht auf Geschichte, Dankbarkeit, Verdienst, Saarlouis, Saarland, seine Entscheidungen fällt. Wer das nicht verstehen wollte, den muss ich als naiv bezeichnen. Das ist die raue Wirklichkeit in unserem Wirtschaftsleben. Ich mache einen Schuldigen aus. Das wird Sie vielleicht überraschen, vielleicht auch nicht. Dieser Schuldige ist unsere Bundesregierung, die das Saarland sträflich im Stich lässt. Das sind auch unsere Vertreter, die dort waren zu der Zeit, als es gegolten hat, nämlich Altmaier als Wirtschaftsminister, Kramp-Karrenbauer als Bundesvorsitzende der CDU und spätere Verteidigungsministerin und Maas als Außenminister, der nach Detroit geflogen ist und mit dem Herrn dort eine Tasse Kaffee getrunken hat. Der hat sich kaputtgelacht. Dort hätte der Wirtschaftsminister sein müssen, um ein Abkommen abzuschließen. Schuld ist die Bundesregierung und Mitschuld haben wir, die wir nicht genug Druck auf diese Regierung ausgeübt haben. Wenn Sie meine persönliche Meinung hören wollen - ich habe diese Informationen nicht, aber ich habe schon einiges erlebt -, dann sage ich Ihnen Folgendes. (Abg. Commerçon (SPD): Das wollen wir nicht. - Zurufe aus der SPD: Nein!) Herr Commerçon hat ja noch nie meine Meinung hören wollen. Deshalb war das Schulsystem bei ihm ja so miserabel. - Betrachten Sie einmal die Lage in Europa. Wir haben drei Standorte von Ford, zwei in Deutschland, einen Standort in Spanien. Was wird da auf der großen Ebene gespielt? Da wird man zwischen Deutschland und (Abg. Dörr (AfD)) Spanien sagen, wir nehmen einen Standort von jedem Land, wir nehmen einen in Spanien und einen in Deutschland und schon ist das Ding gelaufen. In Deutschland wird Köln immer vor dem Saarland siegen. Schauen Sie sich doch die Wirtschaftsstraßen an, schauen Sie sich doch an, wo wir liegen! Wir liegen doch total abseits. Wir sind abgehängt von sämtlichen Verkehrsverbindungen in der Luft, zu Wasser und auf dem Lande. Deshalb war schon klar, dass in Köln investiert wird. Wir sind von der Bundesregierung also im Stich gelassen worden. Dann ist es die Ironie des Schicksals, dass mit unseren Geldern, die auch wir, die Ford-Arbeiter, erarbeitet haben, und die an Brüssel weitergeleitet werden, der Standort Valencia unterstützt wird. Das hat vielleicht auch noch am Schluss den Ausschlag gegeben. Pfui, kann ich da nur sagen! Das sind die Schuldigen, nicht das Management von Ford. (Abg. Haas (SPD): Er nimmt es in Schutz!) Ich gehe einmal auf die Zukunft zu. Ich habe es heute Morgen in der Zeitung gelesen. Ich kann zusammenfassen, was ich eben gesagt habe: Ob Merkel oder Scholz, was solls? Zu Scholz kann ich in der Zeitung heute Morgen lesen: Marshallplan für die Ukraine. Hervorragend! Und für das Saarland? - Der Morgenthauplan! Wissen Sie noch, was der Morgenthauplan ist? Der US Außenminister hatte zu Ende des Krieges für ‑ Deutschland Folgendes vorgeschlagen: Entindustrialisierung, Agrarpolitik, 3 Millionen Einwohner. Das versucht man auf kaltem Wege seit Jahrzehnten auch mit dem Saarland. Wir sollen entindustrialisiert und ein Agrarland auf kargen Böden werden. Deshalb ist unsere Forderung mehr denn je aktuell - wir haben ja so viel Geld, Sondervermögen : 15 Milliarden Euro Sonder-‑ vermögen für das Saarland, 10 Milliarden für das Land, 5 Milliarden für die Städte und Gemeinden, denn ohne Moos nichts los! (Abg. Commerçon (SPD): Genau, Frau Rehlinger, geborene Moos!) Ich will es dabei einmal belassen, weil mein Kollege, ein ehemaliger Ford-Arbeiter ‑ ‑ (Beifall von der SPD.) Für die Stenografen: Beifall von der SPD, was selten vorkommt. - Herzlichen Dank. (Beifall von der AfD.)
